Stale – Musique Liquide

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Musique Liquide
Stale
Veröffentlicht: Februar 2000
Label & Vertrieb: Music Is My Heroin/BluNoise
Albumlänge: ??? Min.
Produziert von: Guido Lucas und Stale
Genre: Jazzcore, Noiserock, Indierock, Electronica, Experimental
Formate: Doppel-LP
Singles: ---
Chronologie

Mikro Kosmos Miniatur Leben-EP

Musique Liquide

Wer mit wem wohin (Demo)


Line-Up

  • Daniel Vujanic: Bass, 2. Stimme, Vier-Spur, Blockflöte, Sample Clearance
  • Mike Michal: Gesang, 2. Stimme, Triangel, Diktiergerät, Performance
  • Sascha Ackermann: Gitarre, 2. Stimme, E-Bow & Delay, Querflöte, Sequenzer, Synthieprogramming
  • Niels Roskamp: Drums, Percussion, Sequenzer
  • Benjamin Schmidt: Gitarre, 2. Stimme, Human Beatbox, E-Bow
  • Hendric Bühler: "future drum stimulation"

Zum Album

Mit der Doppel-LP Musique Liquide legte das Stuttgarter Jazzcore-Ska-Experimentalkollektiv Stale seinen ersten und einzigen wirklichen Longplayer vor (die allererste, reine Hardcore-CD von 1996 in anderer Besetzung nicht mitgerechnet). Soundmäßig die vorangegangene EP Mikro Kosmos Miniatur Leben aufgreifend und weiter vertiefend, präsentierte die Band einen Soundkosmos zwischen traumähnlichen Instrumentalstrecken (Panoramaweg, Fellalingus), zurückhaltenden Indie-Nummern (Mallosol, Balaststoff), nach vorne knüppel-break-hoppelndem Jazz-Ska-Core (die von der EP bekannten Knochenkissen und Letztes Mal Schreiben) und der kompletten vierten Seite dieser Vinyl-Only-Veröffentlichung, welche vertrackte elektronische Experimente im Stile von Autechre enthielt. Textlich so weit von durchschnittlicher Indie/Alternative-Lyrik entfernt wie nur möglich, gab es hier scheinbar willkürlich zusammengesetzte Zeilen aus naturwissenschaflichem Vokabular, tiefen Gefühlsäußerungen und "stream of consciousness"-Gedanken. Die Lyrics zum Album waren bereits 1998 in dem Band Panoramakonzentrate und andere Gedichte des Bassisten und Texters Daniel Vujanic erschienen. Leider sollte dies die letzte wirkliche Veröffentlichung von Stale sein, da die Band zwar in wechselnder Besetzung noch bis Anfang 2006 weitermachte, bis auf ein neues Demo und einen Track für den Sampler *Lichter präsentiert Sketchbooks jedoch keine neue Musik mehr vorlegte.

Tracklisting

Seite A:

  1. mallosol
  2. ballaststoff
  3. filter
  4. photographie

Seite B:

  1. wie die faust auf's auge lacht
  2. texas tornado
  3. knochenkissen
  4. panoramaweg

Seite C:

  1. letztes mal schreiben
  2. mangaram
  3. fellalingus

Seite D:

  1. minuskel (korkenknall 2000)
  2. avatar (cunnitio)
  3. caban (gemeinschaftsschnalle)
  4. bornitrid (trompe l'oreille)

Kritiken

  • Das Visions charakterisierte in seiner Kritik der Platte (Ausgabe Nr. 84/März 2000) Musique Liquide unter anderem mit den Worten "Das Tönen aus einer anderen Welt. Diese Band verwirrt Deine Wahrnehmung." und vergab 10 von 12 möglichen Punkten.

Referenzkasten

  • Der Song Filter zitiert mit dem Begriff "Innerweltskasten" den autistischen deutschen Schriftsteller Birger Sellin.

Liner-Notes

"willkommen zu etwas, was vielleicht so scheint wie (un)natürlich- konkrete dichtung, wenn töne fließen und worte in/um kindheitserinnerungen kreisen, buntschillernde, farbige gedankenblöcke, aber eben nur vage im moment der erstaufnahme durch den hörer. dementsprechend verhält sich der algorhythmus der klangfarben eher undurchdringlich, aber doch mit einer erfaßbaren befangenheit in den zu vermittelnden stimmungsbildern. es gibt die möglichkeit zur sehnsüchtigen dechiffrierung der wechselwirkung von melodik + harmonik + rhythmik + X, als brückenschlag wohin auch immer... vom frühstückstisch zum genpool, zum kollektiven unterbewußtsein und wieder zurück in einer songlänge. hier kommen kleinste teilchen zu emotionalen archetypen (oder ihren verbalen äquivalenten) und werden transformiert. neurotische momente der panik oder fieberhafte sommereuphorie in ton, überfallartig aufflammend von schönhäßlicher größe, nur um gleich wieder zu verschwinden. fließend weil sie nicht mehr bedeutung beigemessen kriegen, als in einem bestimmten rahmen erforderlich und eben schön. so kommt ein musikalischer sonntagsfahrer in seinem mittelklassewagen leicht unter die räder. evolution ist opportunistisch, musik auch. wir kommen zum vers - refrain schema; dieses schon totgeglaubte alte mumifizierte musikalische betriebssystem, dieses im lecker drei minuten format gepackte etwas, genannt song, der richtige ist besser als die favorisierte eiscreme in sommerhitze, existenzieller als ein voller tank um zu entkommen, wichtiger als die nummer der ex, wenn nichts mehr geht und brauchbarer zum einschlafen als eine palette lieblingsdrogen. aber so wie eine ratte im käfig sich verläuft können auch songs nirgendwohin führen, wenn sie vor stumpfsinn verkommen, auf der pathosstreckbank der langeweile liegen, nur um sie der vermittelbarkeit wegen leichter unter die leute bringen zu können. so kann man leicht ertränkt werden in einem transparenten widerlichen strom von manierlich - aufgeblähten toten immitaten von so etwas wie songs. wo bleibt die fühlbare befangenheit? herz und lunge? kopf und hände? wo werden welche parameter ausgesetzt, wenn stil versus kurzweiliges vergnügen steh. und wozu? wieso sind die mittel interessant? wie manifestiert sich emotion in bewegung (motion)? ist das transformation von information die für sich selbst belanglos ist? kein aufguß von gehörtem, eher ausfluß von hörenswertem. danke."

Literatur

  • Daniel Vujanic: Panoramakonzentrat und andere Gedichte. Erschienen 1998 im Lautsprecherverlag (ISBN-10: 3932902033; ISBN-13: 9783932902031). Enthält die Texte zum Album und andere Gedichte des Autors.