Sonnenbrillen: Unterschied zwischen den Versionen

Aus indiepedia.de
Wechseln zu: Navigation, Suche
(ergänzt)
(Topoi)
Zeile 1: Zeile 1:
 
[[Datei:Mastroianni Sonnenbrillen.jpg|thumb|430px|Ikone aller Sonnenbrillenträger Marcello Mastroianni]]
 
[[Datei:Mastroianni Sonnenbrillen.jpg|thumb|430px|Ikone aller Sonnenbrillenträger Marcello Mastroianni]]
 
'''Sonnenbrillen''' sind unverzichtbare Accessiores von modernen und [[Postmoderne|postmodernen]] Menschen und werden auch heute noch aus Image- und Modegründen getragen. Ein Musiker ohne Sonnenbrille ist womöglich kein wirklicher [[Musiker]]. Das kommt auf die [[Peergroup|Szene]] an, in der er unterwegs ist. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gab es eine Massenbewegung, in deren Verlauf über ein paar Jahre hinweg viele besonders auch nachts nicht ohne Sonnenbrille zu sehen waren. Bevorzugt werden entweder teure Designermodelle oder besonders auffällige Kitschbrillen. Zum Teil geht es darum, soviel wie möglich vom Gesichtsfeld zu verdecken (große Sonnenbrillen). Im ''Dschungel'', einer Bar im [[Berlin|Westberlin]] der [[1980er]], gab es einen Geschmackspatrioten, der nicht ohne seine spezielle Sonnenbrille allabendlich dort auftauchte. Die Brille war schwarz und durchweg aus Leder um den Kopf gespannt. Störungen durch visuelle Außeneinflüsse wurden so komplett vermieden. Er trug die Brille den ganzen Abend, desweiteren in gelassener Haltung an ein Brett an der Wand gelehnt und änderte kaum je die Haltung. Eine Sonnenbrille weist neben ihren weiteren Funktionen somit hauptsächlich die Funktion der Coolness auf. Ein mir bekannter Musiker setzt seine Sonnenbrille à la Kassenmodell grundsätzlich schief auf, was die Coolness noch unterstreicht. Von [[Bob Dylan]] gibt es besonders aus der ''Dont-Look-Back''-Phase etliche Fotos mit Sonnenbrille. [[Floating di Morel]] haben erzählt, dass die [[39 Clocks]] eine zeitlang nichts anderes getan haben, als zu üben, so cool, wie Bob Dylan auf einer Bank zu sitzen.
 
'''Sonnenbrillen''' sind unverzichtbare Accessiores von modernen und [[Postmoderne|postmodernen]] Menschen und werden auch heute noch aus Image- und Modegründen getragen. Ein Musiker ohne Sonnenbrille ist womöglich kein wirklicher [[Musiker]]. Das kommt auf die [[Peergroup|Szene]] an, in der er unterwegs ist. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gab es eine Massenbewegung, in deren Verlauf über ein paar Jahre hinweg viele besonders auch nachts nicht ohne Sonnenbrille zu sehen waren. Bevorzugt werden entweder teure Designermodelle oder besonders auffällige Kitschbrillen. Zum Teil geht es darum, soviel wie möglich vom Gesichtsfeld zu verdecken (große Sonnenbrillen). Im ''Dschungel'', einer Bar im [[Berlin|Westberlin]] der [[1980er]], gab es einen Geschmackspatrioten, der nicht ohne seine spezielle Sonnenbrille allabendlich dort auftauchte. Die Brille war schwarz und durchweg aus Leder um den Kopf gespannt. Störungen durch visuelle Außeneinflüsse wurden so komplett vermieden. Er trug die Brille den ganzen Abend, desweiteren in gelassener Haltung an ein Brett an der Wand gelehnt und änderte kaum je die Haltung. Eine Sonnenbrille weist neben ihren weiteren Funktionen somit hauptsächlich die Funktion der Coolness auf. Ein mir bekannter Musiker setzt seine Sonnenbrille à la Kassenmodell grundsätzlich schief auf, was die Coolness noch unterstreicht. Von [[Bob Dylan]] gibt es besonders aus der ''Dont-Look-Back''-Phase etliche Fotos mit Sonnenbrille. [[Floating di Morel]] haben erzählt, dass die [[39 Clocks]] eine zeitlang nichts anderes getan haben, als zu üben, so cool, wie Bob Dylan auf einer Bank zu sitzen.
 +
 +
In ''High Ideals and Crazy Dreams'' (Budde, 2004) liegt ein Versuch vor, die durch die [[Popmusikforschung|Musikwissenschaften]] tradierten zentralen Affekte der Musik, Freude und Trauer, durch ein fünfgliederiges Modell von Topoi zu ersetzen, das Verlorenheit, Wildheit, Coolness, Melancholie und (Un)freiheit umfasst.

Version vom 21. August 2018, 18:48 Uhr

Ikone aller Sonnenbrillenträger Marcello Mastroianni

Sonnenbrillen sind unverzichtbare Accessiores von modernen und postmodernen Menschen und werden auch heute noch aus Image- und Modegründen getragen. Ein Musiker ohne Sonnenbrille ist womöglich kein wirklicher Musiker. Das kommt auf die Szene an, in der er unterwegs ist. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gab es eine Massenbewegung, in deren Verlauf über ein paar Jahre hinweg viele besonders auch nachts nicht ohne Sonnenbrille zu sehen waren. Bevorzugt werden entweder teure Designermodelle oder besonders auffällige Kitschbrillen. Zum Teil geht es darum, soviel wie möglich vom Gesichtsfeld zu verdecken (große Sonnenbrillen). Im Dschungel, einer Bar im Westberlin der 1980er, gab es einen Geschmackspatrioten, der nicht ohne seine spezielle Sonnenbrille allabendlich dort auftauchte. Die Brille war schwarz und durchweg aus Leder um den Kopf gespannt. Störungen durch visuelle Außeneinflüsse wurden so komplett vermieden. Er trug die Brille den ganzen Abend, desweiteren in gelassener Haltung an ein Brett an der Wand gelehnt und änderte kaum je die Haltung. Eine Sonnenbrille weist neben ihren weiteren Funktionen somit hauptsächlich die Funktion der Coolness auf. Ein mir bekannter Musiker setzt seine Sonnenbrille à la Kassenmodell grundsätzlich schief auf, was die Coolness noch unterstreicht. Von Bob Dylan gibt es besonders aus der Dont-Look-Back-Phase etliche Fotos mit Sonnenbrille. Floating di Morel haben erzählt, dass die 39 Clocks eine zeitlang nichts anderes getan haben, als zu üben, so cool, wie Bob Dylan auf einer Bank zu sitzen.

In High Ideals and Crazy Dreams (Budde, 2004) liegt ein Versuch vor, die durch die Musikwissenschaften tradierten zentralen Affekte der Musik, Freude und Trauer, durch ein fünfgliederiges Modell von Topoi zu ersetzen, das Verlorenheit, Wildheit, Coolness, Melancholie und (Un)freiheit umfasst.