Plot

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Das Fanzine Plot erscheint seit etwa Mitte der 1990er Jahre unregelmäßig und rekrutiert seine Autoren im wesentlichen aus der Hardcore-Szene, ist aber inhaltlich nicht ausschließlich darauf abonniert.

Von Anfang an verstand sich das Plot als offenes Forum. Eine feste Redaktion mit entsprechenden Positionen gibt es nicht, doch ist das Heft im Laufe der Zeit vor allem zum Fanzine von Armin Hoffmann (X-Mist-Mailorder) geworden, oder so zumindest wahrgenommen worden.

Das Plot entstand vor allem aus einer latenten Unzufriedenheit mit der Hardcore- und Punk-Szene, deren Strukturen und Vitalität zu Gunsten einer Konventionalisierung zu verkrusten drohten. Kritisiert wurden einerseits die zunehmende Kommerzialisierung der Subkultur, andererseits aber auch deren Nischen- und Tellerranddenken. Oft fiel die Kritik an Fanzines und Szene-Labels sehr polemisch aus, was dem Plot schnell den Ruf eines arroganten Szenespalter-Hefts einbrachte. Das Heft sah sich selbst ausdrücklich als Gegenpublikation zu etablierten Magazinen und Institutionen, ohne dabei die Autonomie der eigenen Autoren (die teilweise früher auch in kritisierten Fanzines schrieben, zum Beispiel im Zap oder im Trust) und ihrer Ansichten zu beschneiden. Vor allem rund um die ersten Ausgaben entbrannten sich zahlreiche Kontroversen, vor allem mit der Kasseler Hardcore-Band Ryker's und deren damaligen Label Lost & Found. Zum Teil folgten sogar körperliche Attacken, so wurde ein Autor von einem Mitglied der New Yorker Band Madball mit einem Aschenbecher schwer verletzt. In den späteren Ausgaben legten sich die Wogen etwas, das Plot verlor seinen kontroversenen Charakter.

Um der zunehmenden Konventionalisierung entgegen zu treten, wurde die Form eines bloß berichterstattenden Fanzines nach üblichem Aufbau zunehmend unterwandert. Die Kolumnen erfuhren eine stärkere Gewichtung und wurden teils auch Spielwiese für collagierende Verfahren. Persönliches rückte in den Mittelpunkt, Szene-Talk blieb zunehmend außen vor. Das Plot entwickelte sich zu einer interssanten Mischfrom aus Egozine und Infoblatt. Man hielt nach Bands Ausschau, die in erster Linie frisch, unverbraucht und unkonventionell waren und nicht unbedingt übliche Szeneregeln erfüllten. Unter anderem erfuhren die World Inferno Friendship Society, Rocket from the Crypt, Men's Recovery Project und einige andere mehr im Plot erste, euphorische Besprechungen im deutschsprachigen Raum. Kritiker bemäkelten deshalb zuweilen, dass es sich bei dem Plot um den erweiterten Newsletter des X-Mist-Mailorders handele. Andere wiederum begrüßten die Auffächerung der Szenekonventionen und ließen sich gerne von den Ausgrabungen überraschen.

Das Plot erscheint bis heute, allerdings in teils sehr großen Abständen. Wiewohl es nie eine derart einende Funktion wie die großen Szene-Zines erreichte (was auch von vorneherein nie das Ziel gewesen ist), ist die Relevanz des Plot für die deutsche Hardcore-Szene der mittleren bis späten 90er Jahre kaum wegzudiskutieren.

Weblinks

  • X-Mist - Bezug, Herausgabe des Fanzines