Mitgefühl

Aus indiepedia.de
Wechseln zu: Navigation, Suche

Mitgefühl ist eine grundlegende Empfindung, emotionale Disposition oder Regung von Lebewesen. Mitgefühl findet sich als zentraler Begriff in allen Weltreligionen wieder. Der Begriff kommt zu Beginn des 18. Jahrhunderts zum ersten Mal vor. Seit etwa 1990 ist laut DWDS-Zeitungskorpus ein Ansteigen des Interesses am Begriff Mitgefühl zu verzeichnen.[1] Zumeist wird Mitgefühl als Mitleid verstanden. Im Gegensatz zu diesem beinhaltet Mitgefühl aber auch wünschenswerte Qualitäten. Der wissenschaftliche Begriff für das Mitgefühl lautet Empathie. Als Antonym verzeichnet Wiktionary Schadenfreude, das einzige dort verzeichnete Synonym ist Anteilnahme. Ein weiteres Antonym ist Gleichgültigkeit.[2] Weitere mögliche Antonyme sind Vergeltung und Rache. In Fällen mangelnden Mitgefühls wird den Betreffenden gewöhnlich Gefühlskälte unterstellt. Als Voraussetzung für Mitgefühl kann Altruismus genannt werden. Übersetzungen ins Englische oder Französische verweisen oft auf Bedeutungen, die mehr auf das Mitleid verweisen (compassion, commisération).

Hintergrund

Rationalität allein ist nicht in der Lage, die Existenz von Mitgefühl zu erklären. Mitgefühl ist außer vom Mitleid von Liebe, auch im Sinne von Nächstenliebe, Sorge im Sinne von Fürsorge, Zuneigung und Verantwortung zu unterscheiden, auch wenn sich Elemente dieser Dispositionen beim Mitgefühl wiederfinden. Als Repräsentanten von Mitgefühl werden zum Beispiel Mahatma Gandhi, Malcolm X, Mutter Teresa, Jiddu Krishnamurti[3] oder auch die Vertreter der Weltreligionen verstanden. Mitgefühl erreicht gegenüber Nächstenliebe einen hohen Abstraktionsgrad, indem Mitgefühl auch weit entfernten Lebewesen, Personen oder Interessensgruppen und Völkern in Zusammenhang mit ihren Bedingungen, Umständen und Situationen entgegengebracht werden kann. Mitgefühl wird bis hin zur Frage nach der Rechtfertigung der Todesstrafe vertreten. So zum Beispiel auch bei den Nürnberger Prozessen im Anschluss an die Gräueltaten der Nationalsozialisten.

Mitgefühl besteht gegenüber dem Leben und nicht dem Material. Dem Material gegenüber ist die Rede von Sorgfalt. Besonders bei Kindern ist zuweilen das Phänomen des Animismus zu beobachten, wo dann auch Dingen, zum Beispiel Kuschel- oder Plüschtieren gegenüber Mitgefühl gezeigt wird. Auch Einfühlungsvermögen oder Intuition sind dem Mitgefühl verwandt. Gewöhnlich wird mit dem Mitgefühl einem anderen Wesen gegenüber eine Hierarchie verbunden. Oft besteht Mitgefühl gegenüber „Schwächeren“ und verläuft entsprechend abwärts. In diesem Falle handelt es sich zumeist um Mitleid. Differenzen gibt es hinsichtlich der Frage, ob Mitgefühl anerzogen oder angeboren ist (siehe auch den Artikel Mitleid).

Mitgefühl in den Religionen

Im Buddhismus, besonders dem Mahāyāna, wird bezüglich des Mitgefühls (Karuna) Mitleid und Mitfreude unterschieden, des Weiteren auch Metta als das „allumfassende Mitgefühl“. Karuna unterscheidet sich vom Mitleid, indem Anschlusshandlungen zur Linderung des Leids anderer unternommen werden. Als Grundlage für ein Mitgefühl wird das Analogieprinzip verstanden. Dass, sobald ein Leid bei einem anderen lebenden Wesen gesehen wird, auf die Möglichkeit des eigenen Leids auf ähnliche Weise rückgeschlossen wird. Damit zusammen hängt auch die Vorstellung, dass womöglich jede Tat, die von einem selbst ausgeht, auf einen selbst zurückfällt (Karma). Eine eigene Meditationsform im Buddhismus ist die sogenannte Metta-Meditation. Dabei geht es besonders darum, Mitgefühl zu entwickeln. Ein Sutra, dass sich mit dem Metta befasst, ist das Metta-Sutta.

Eine Volksweisheit besagt: „Was Du nicht willst, dass man Dir tu, das füg' auch keinem andren zu.“ Im Christentum steht die genannte Volksweisheit, die dem Neuen Testament zu verdanken ist, dem Rechtssatz „Auge um Auge, Zahn um Zahn ...“ aus dem Alten Testament entgegen. Bei christlichen Ikonen steht oft Barmherzigkeit im Mittelpunkt der Darstellung. Während im Christentum Engel inbegriff des Mitgefühls sind, sind es im Buddhismus die Bodhisattvas. Das universelle Mitgefühl wird vom Bodhisattva Avalokiteshvara (in China: Guanyin, in Japan: Kannon) vertreten. Mit dem Herz-Sutra wird entsprechend ebenfalls das Mitgefühl thematisiert.

Mitgefühl in den Künsten

In jeder Form der kreativen Produktion ist Mitgefühl als Thema anzutreffen, im Film zum Beispiel in Wim Wenders' Der Himmel über Berlin. Bei Werner Herzog (Land des Schweigens und der Dunkelheit), Krzysztof Kieślowski (zum Beispiel Ein kurzer Film über das Töten), Federico Fellini (La Strada – Das Lied der Straße), Pier Paolo Pasolini (Mamma Roma), Steven Spielberg (A.I. – Künstliche Intelligenz) und vielen anderen Filmemachern findet sich das Thema. In der Musik ist es oft mit Bezug auf die Religionen untergebracht, so bei Johann Sebastian Bach oder Wolfgang Amadeus Mozart. Jocelyn B. Smith sagt sogar: „Musik ist Mitgefühl“.[4] In der Malerei findet sich das Thema zum Beispiel bei Gustav Klimt.

Weblinks

  • 14. Dalai Lama – Mitgefühl (2013) [5] kurzes Video bei YouTube
  • Mitgefühl : 24 Lösungen – Kreuzworträtsel-Hilfe (2020) [6] bei wort-suchen.de
  • Reto Weishaupt – Empathie, Mitgefühl, Mitleid – Erkenne den Unterschied und handle mitfühlend (2020) [7] bei mindfulmind.ch
  • Klaus Kinski – Jesus Christus Erlöser (1971) [8] bei YouTube. „Deckname: Licht der Welt ...“ Bloß keine Apologien, Apologien sind Dunkelheit. Sokrates wurde dafür hingerichtet!
  • Bibelindex, Stichwort Mitgefühl [9] bei bibelindex.de

Einzelnachweise

  1. Stichwort Mitgefühl [1] bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, abgerufen am 8. Dezember 2020. Der Begriff Mitleid ist in der gleichen Quelle bereits um 1700 verzeichnet, Empathie seit Mitte des 20. Jahrhunderts. Der signifikante Anstieg seit dem Jahr 1990 findet sich nicht im gleichen Maße wieder.
  2. Eintrag Gegenteil Mitgefühl [2] und weitere bei gegenteile.net
  3. Jiddu Krishnamurti – Am Ende des Leids stehen Liebe und Mitgefühl (1985) [3] 100minütiger Vortrag bei YouTube
  4. Stefanie Sargnagel – Jocelyn B. Smith: "Musik ist Mitgefühl" (2019) [4] bei der Süddeutschen Zeitung