Melody Maker

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Der Melody Maker war eine 1926 gegründete britische Musikzeitschrift, die über Jahre hinweg neben dem Erzkonkurrenten New Musical Express das wichtigste Pop-Magazin im Vereinigten Königreich und darüber hinaus war. Aus Kostengründen wurde die Produktion des Heftes im Jahr 2000 eingestellt.

Geschichte

Der Melody Maker war fester Bestandteil des Kanons der britischen Pophistorie im 20. Jahrhundert. Gegründet 1932 als erste Monatszeitschrift, die sich speziell an Musiker richtete und von Beginn an viel Platz auf Werbung und auch Instrumentenreviews aufwendete, hatte der "MM" bis in die Nachkriegszeit eine quasi konkurrenzlose Stellung im britischen Pressemarkt. Dies änderte sich in den 1950ern, als der Erzkonkurrent New Musical Express schneller zur Stelle war, als es galt, die neue Musikform namens Rock'n'Roll unter die Lupe zu nehmen. Die nun einsetzende Rivalität setzte sich jahrzehntelang fort, wobei mal der NME, mal der MM (der unter anderem schon 1965 vorschlug, die Beatles von der Königin auszeichnen zu lassen, was noch im selben Jahr auch auch geschah) die Nase vorn hatte. In den Sechziger- und Siebzigerjahren protegierte das Blatt unter anderem John Peel, Steely Dan, Cat Stevens oder Led Zeppelin und veröffentlichte 1972 auch ein legendäres Interview mit David Bowie, in dem dieser sich MM-Interviewer Mick Watts gegenüber als homosexuell outete.

Die Zeitschrift geriet aber auch in interne Zwistigkeiten, als es darum ging, den sich selbst eher als konservativ betrachtenden MM auch neuen Strömungen wie Punk gegenüber zu öffnen. Dies mündete 1980 schließlich in einem Auseinanderbrechen der damaligen Redaktion, und einzelne Redakteure gingen zum NME. Danach entschied man sich für eine massenfreundlichere Künstlerauswahl und brachte umfangreiche New Wave-Features über u.a. Duran Duran und Eurhythmics, während ab Mitte der Achtziger durch eine Neubesetzung der Redaktion mit Autoren wie David Stubbs auch randständigeren Acts wieder mehr Raum gegeben wurde. So titelte der MM 1986 erstmals die Smiths, die Reportage von Everett True über die zukünftige Grunge-Hype-Zentrale Seattle bzw. das Label Sub Pop trug maßgeblich zur ersten Popularisierung des Genres bei, und in den Neunzigern wagte es das Blatt gar, sich dem omnipräsenten Britpop-Hype entgegenzustellen und sakrosankte Bands wie Blur oder Oasis zu kritisieren.

Ende der Neunziger hatte der MM allerdings schon soviel Boden gegenüber dem NME verloren, dass ein letzter interner Konflikt – das "Oasis-Edikt", durch welches der damalige Herausgeber Mark Sutherland entgegen dern Widerstand der Redaktion verfügt hatte, dass über die Gallagher-Brüder fortan nur noch Positives zu berichten sei – dem Magazin endgültig das Genick brach. Selbst ein Relaunch 1999 konnte den Melody Maker nicht mehr retten, und so stellte die Print-Institution im Jahre 2000 schließlich ihr Erscheinen ein. Ein Teil der Redaktion landete – als endgültige Ironie – beim NME.

Trivia

Diverse Bands formierten sich über eine Anzeige im MM oder rekrutierten dadurch neue Mitglieder, darunter Siebziger-Größen wie The Stranglers, Deep Purple, Genesis, Yes oder Supertramp, Achtziger-Pop-Acts wie Kajagoogoo, Depeche Mode und Erasure sowie in den Neunzigern Suede.

Weblinks