Müll Records

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Müll Records ist ein Label für 808-basierte Elektronische Musik aus Berlin. Die Zeit der Arbeit ist die beste Zeit. Der Kollege gibt Ihnen dann hinterher Bescheid.

Hintergrund

Im Mai 2017 erschien Crossing The Red Sea With MuellieMess And The Happy Birds als 12" mit etwas über 30 Minuten Spielzeit bei Atelier Records als 12" (45 rpm) mit Postkarte.[1][2]

2019: Die Compilation 100 Records – The Trash Archives mit etwa sieben Stunden neu bearbeiteter Klassiker aus dem 100-Records-Repertoire, 72 auch im Internet nicht veröffentlichte Stücke aus der Produktion Budde / Osti plus 27 Bonustracks. Ein Leitfaden in Hinsicht auf Einträge in Key-Editoren, den Standardaufbau Elektronischer Musik der II. Generation. Limitiert auf 1500 Downloads. Bestellen: mimmimess@t-online.de 7 Std. Musik, 7 GB, 7€.

Für die Trash-Archive, die über sieben Jahre wöchentlich aufgenommen wurden, wurde intuitiv ein Wert von 80 bis 110.000 Euro angenommen, das war erstmal nach Gefühl über den Daumen gepeilt. 80.000 sind die Untergrenze und alles darüber bis zur Deckelung (mehr als 110.000, so haben wir gedacht, sind die Trash-Archive nicht wert und sollten nicht damit verdient werden) über fifty-fifty hinaus geht wegen Mehrarbeit an mich. Da dreht es sich selbstverständlich um die Veräußerung der Rechte. Ich habe mir dann die Mühe gemacht, den Ertrag auf die Aufnahmezeit herunterzurechnen und so etwas wie einen Stundenlohn zu errechnen. Der hat sich als sehr vernünftig herausgestellt und liegt bei etwa 120 Euro pro Aufnahme für jeden von uns (Osti / Budde). Ein Aufnahmetag konnte zwischen vier und zehn Stunden dauern. Die Post-Production, die ich allein erledigt habe, kommt dazu. 84.000 durch 84 Monate = 1000 für beide, 500 für jeden monatlich, minus 5% = 118.75 Euro pro Aufnahme und Person. Das ist also der Betrag, den wir über die Jahre für die Trash-Archive investiert / bezahlt haben. Was ich als meine Mehrarbeit angesetzt habe, ist weit untertrieben, aber das, was ich mehr gearbeitet habe, ist wieder als Beitrag für die Gesellschaft zu verstehen, schließlich wurde ich die sieben Jahre hindurch, wenn auch unfreiwillig, vom Staat per Arbeitslosenhilfe Zwo gefördert. Das ist damit zurückgezahlt. Die Stücke, die im Internet neben den Trash-Archiven hochgeladen sind, sind enthalten aber nicht berechnet (öffentlicher Mehrwert). Ostis Anteil an den Internetstücken ist durch meine Mehrarbeit insgesamt ausgeglichen und an Gesellschaft / Staat gegangen. Eine spektakuläre Rechnung, wie ich finde, und durch und durch vernünftig. Ich bin überrascht, dass Welt so und nicht anders funktioniert. „Pay it all, pay it all, pay it all back ...“

Warum macht ihr keine Tanzmusik? Wir hassen Tanzmusik, tanzen ist was für Jugendliche, angehende Twens vielleicht noch. Die Hörer sollen stattdessen auf- und abgehen. Wie steht ihr zum Halbdomestizierten? Alle wollen entweder angepasst oder wild sein. Halbdomestiziert ist schon so ein schlechtes Wort. Woher sollte das Halbdomestizierte denn kommen?

100 Records

100 Records wurde von Dirk Budde (Mitzi Mess) als Nachfolgelabel des Kassettenlabels naïf recorden in Berlin gegründet. Die meisten Tracks sind durch Einspielungen (Streaming) von Soundtracks und anderem Audiomaterial gekennzeichnet. Das Konzept ist ein Livekonzept, fast alle Stücke sind Summencuts von Studiosessions mit weitgehend analogem Equipment, das simultan gespielt wird. Zuerst war Ekkehard Rau beteiligt, dann kam Martin Osti dazu und später MadTeo, Designfragen werden zum Teil von Daniel Pflumm erledigt.

Zu den Bearbeitungen zählen mehrere Zwölftonstücke, die Zwölftonreihe des ersten wurde vom Berliner Komponisten Taymur Streng (Kunstkopf) geschrieben, sowie eine Wire-Coverversion (Mannequin), eine Coverversion von Kotais Sucker DJ (verstimmt) und eine Anzahl von Thelonious-Monk-Kompositionen. Hinzu kommen mehrere hundert Synchronstudien auf Grundlage von Synchronisationen von Soundtracks aus Filmen von Rainer Werner Fassbinder, Stanley Kubrick, Werner Herzog, Jean Cocteau, Monika Treut, Robert Altman, Lars von Trier, Roland Klick, Andrei Tarkowski, Kaneto Shindo und etlichen anderen Filmemachern und weniger bekannten Dokumentatoren, sowie Vertonungen von Interviews, Vorträgen und Theaterstücken (Samuel Beckett, Peter Brook, Heiner Müller, Hans-Jürgen Syberberg und weitere). Vielfach werden auch 3rd-Party-Referenzen verwendet. So gibt es eine 4-to-the-floor-Bearbeitung einer Rekonstruktion der ersten futuristischen Oper Sieg über die Sonne und die Hard-Bop-Bearbeitung einer Partita von Bach. Später wurden zunehmend Field Recordings verwendet. Des öfteren sind Spulgeräusche und Midifehler, Zufälle und Fehlbedienungen während der Aufnahmen dokumentiert. Das Sounddesign zielt auf möglichst geradlinige Repräsentationen verwendeter Instrumente. Die (oft auch von den Filmemachern autorisierten) Overdubs werden auf Art von Ready-mades eingesetzt. Es gibt aber auch Instrumentalstücke. Alle Stücke verfügen über eine hohe Ereignisdichte. Bei einigen Stücken singt Martin Osti.

2011–2017 erschienen hauptsächlich online Drones, Dub, Slowmotion und House. Außerdem gab es mit Mixmaster Johnson auch ein Kaffehausjazz-Liveprojekt, bei dem Swing- und Hardbop-Soloisten bei entsprechenden Hintergrundmusik-Auftritten mit analogen Basics auf Grundlage der Roland TR-808 versorgt werden. Hier steht die Synchronisation von zufallsabhängigen (Audio)-Streams und simultaner Navigation, zum Beispiel per radio aporee ::: maps / Streetview, im Rahmen der Live-Elektronik im Vordergrund (audiovisual spacediving). Eine längere fünfteilige aleatorische Komposition wurde während der Entstehung umfassend dokumentiert und ein Oratorium (Oratorium Fleisch für Carillon, Roland TR-808, zwei Expander und Stimme, 2012, Atelier Records 2017) samplefrei mit weitgehend analogem elektronischem Equipment auf 808-Basis fertiggestellt. Eine Anwenderästhetik sollte als ästhetisches Ziel und zentrale Routine im Mittelpunkt der Produktionen stehen. MADTEO zur Zusammenarbeit mit MuellieMess bei Trains & Stations, 2011: "... one of those hard-core mavericks of the Berlin scene, quite ahead of the curve I think [...] He’d program the synths and the 808, but with very sparse and strictly motif-less writing, then fills the space with field recordings ..."[3]

Müll Records

Was früher gut gelernt war, ist heute perfekt einstudiert.

Dachmalerei / Tag Berlin, Prenzlauer Berg, 2018

„Wenn ich Punk höre, dann greife ich gewöhnlich auf die radikalsten Bands und Stücke zurück und höre kaum noch angepassteren Punk, wenn es so etwas überhaupt gibt. Ich führe das auf eine Entwicklung der Hörgewohnheiten durch umfassende Recherche in vielen Bereichen der Musik zurück. Das heißt für mich, dass mit der Entwicklung von Hörgewohnheiten und Denkvorgängen zur Musik eine radikalere Einstellung einhergeht, auch was das gesellschaftliche und politische Potential von Musik betrifft. Ob ich mit Gesellschaft und Politik nun zu tun habe oder nicht. Je mehr Ferneyhough ich höre, desto eher bin ich bereit, Bomben zu werfen und wundere mich über das Gehabe selbst radikaler Punkbands, Texte, die sie einmal unterschrieben haben, heute zu unterzeichnen. Was sollte schon falsch sein an Revolte und an Gegengewalt? Der Plan ist es, sich eine Ferneyhough-Komposition vorzunehmen, nach allen Regeln der Kunst zu zerlegen, den Verlauf auf die Planung und Durchführung konzertierter Aktionen von Störungen der öffentlichen Ordnung durch gewaltbereite Mitglieder des schwarzen Untergrunds zu übertragen und den Ablauf zu dokumentieren. Der Wirksamkeit und Form halber kommt die Berücksichtigung eines komplexen Zufallsgenerators infrage. Siehe auch Parameter der öffentlichen Ordnung. Wenn Menschen nicht erregt sein dürfen, dann dürfen sie gar nicht sein. Das ist der Normalfall. Der Sinn eines Zufallsgenerators liegt in der Ausschaltung aller möglichen Arten von Wertungen im Verlauf des Kompositionsprozesses oder, wie hier, auch einer Interpretation. Ein Zufallsgenerator empfiehlt sich besonders, wenn einer Unordnung entgegengetreten werden soll, die als ‚Ordnung‘ oktroyiert erscheint.“

Acts

Mitzi Mess, MuellieMess & The Happy Birds, Transitwelt, Budde / Osti und Muellie Mess / Punk Not Punk (mit Martin Osti), Mitzi Mess / MadTeo. Design zum Teil von Daniel Pflumm. Weitere.

Genres

Deep House, Acid House, Minimal Techno, Elektro, Electro, Dub, Experimentelle Musik / Avantgarde.

Einzelnachweise

  1. MuellieMess and the Happy Birds – Crossing The Red Sea With MuellieMess And The Happy Birds (2017, Aufnahmen von 2011 / 2012) [1] "Leftfield Electronic meditations – as pure as beautiful", mit Audio-Previews bei Hard Wax. „Loaded acidic & crafted tension, exploratively executed with and overall consistent and limited sound palette. Mullie Mess has been recording and producing as 100records for years and always carved a way through the real sonic underground of Berlin. Simultaneously strict and tilted, straight forward and leftfield, harsly deep and still masterly captivating.“ [2]. Platz 17 von 49 der a-musik-Discogs-Jahrescharts Best of 2017 [3] bei Discogs
  2. Postkarte zur AR007 – Crossing The Red Sea ...
    AR007
  3. Tom Breslin – Madteo. Taking The E-Train Uptown Express (2012), bei mntothat.com, zur Zeit offline

Links im Mai 2021.