Lichtmetaphorik

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Kasimir Malewitsch – Schwarzes Quadrat (1923)

Lichtmetaphorik ist in Europa seit der Antike bekannt.

Im Christentum steht das Licht in der Selbstbezeichnung Jesu Christi – „Ich bin das Licht der Welt.“ – für die Erlösung des Menschen aus dem Dunkel der Gottesferne. Ebenso wird auch auf Luzifer als den Lichtbringer oder Lichtträger referiert: „Ich bin der helle Morgenstern“, i. e. die Venus. Der Zusammenhang wird gleichermaßen auf Jesus Christus wie auch Luzifer bezogen. In der biblischen Schöpfungsgeschichte ist das Licht das zweite Werk Gottes nach Himmel und Erde. Im Requiem, der liturgischen Totenmesse, ist ein Lux aeterna enthalten. Im Buddhismus und anderen Religionen wie im allgemeinen Sprachgebrauch gibt es das Ziel der Erleuchtung. Buddha selbst wird „der Erleuchtete“ genannt. Manche Menschen werden oft mit ironischem Unterton in diesem Bezug hin und wieder „Erleuchtete“ genannt. Auch der Begriff Lichtgestalt findet dafür Verwendung. Menschen hingegen, die wenig Verstand bzw. Einsichtsfähigkeit besitzen, wird häufig bescheinigt, „keine große Leuchte“ zu sein. Oft wird auch die „Leuchtkraft“ zum Beispiel einer Argumentation betont, wie Kontexte „beleuchtet“ oder „durchleuchtet“ werden oder „einleuchtend“ sein können. Das Leuchten als solches wird metaphorisch verwendet. Jemandem heimzuleuchten, um anzuzeigen, dass besseres Wissen bei einer Auseinandersetzung mit dem Unterton einer Abfuhr mit im Spiel ist. Für Sachverhalte gilt, dass es oft darum geht, „Licht ins Dunkel“ zu bringen oder eine Sache entweder zu „erhellen“ oder „in ein bestimmtes Licht zu rücken“. Das „Licht der Welt erblicken“ wird gewöhnlich mit der Geburt gleichgesetzt, wie auch die Rede vom „Lebenslicht“ ist. Das „Licht am Ende des Tunnels“ steht für Hoffnung in Bezug auf längere Leidensstrecken.

Aus der Bergpredigt stammt die Volksweisheit, man solle „sein Licht nicht unter den Scheffel stellen“. Menschen wird zuweilen bescheinigt, über ein „sonniges Gemüt“ oder ein „strahlendes Lächeln“ zu verfügen. Weitere Begriffsfelder, die die Lichtmetaphorik betreffen, sind „der Schein“, „das Schimmern“, „der Glanz“, „das Blenden“ oder „verblendet sein“. Das Licht von Sternen wird oft zur Beschreibung der Lichthaftigkeit von Menschen herangezogen, explizit bei sogenannten Stars oder Sternchen, die dann auch im sogenannten „Scheinwerferlicht“ stehen. Das Individuum als solches wird vom 14. Dalai Lama als „Fixstern“ beschrieben. Das Mondlicht enthält dagegen eine lyrische und poetische Dimension, die oft in Musik und Literatur Verwendung findet. Das Kinderlied Laterne, Laterne lässt sich in diesen Hinsichten interpretieren, wie Laternen in Südostasien, zum Beispiel Himmelslaternen, auch bestimmte Bedeutungen nahelegen. Fackeln sind dazu da, Weisheit zu signalisieren oder böse Geister zu vertreiben. Entsprechend nannte sich Karl Kraus' satirische Zeitschrift, mit der er gegen die Verwahrlosung der deutschen Sprache antrat, zu Beginn des 20. Jahrhunderts Die Fackel. Darauf bezog sich auch Elias Canetti mit dem zweiten Teil seiner Autobiografie Die Fackel im Ohr. Der olympische Fackellauf soll Völkerfreundschaft symbolisieren. Kerzenlicht wird im Allgemeinen und im Gegensatz zum zwielichtigen Licht des Rotlichtmilieus mit romantischen Stimmungen assoziiert. Für Vorhaben, wenn sie in Gang gebracht werden dürfen, kann von den jeweiligen Autoritäten „grünes Licht“ gegeben werden. Unter bestimmten Umständen geht für ganze Gesellschaften möglicherweise „das Licht aus“. Wie die Götterdämmerung auf eine Epoche (das Schicksal der Götter) verweist auch Max Horkheimers Aphorismensammlung Dämmerung auf die Metaphorik eines (aufklärerischen) Lichts. Umgangssprachlich hat sich die Redewendung, dass jemandem dieses oder jenes „dämmert“, etabliert. Ludwig XIV. erhielt den Beinamen „Sonnenkönig“ (Roi-Soleil). In der Heraldik werden des Öfteren Lichtquellen, zumeist Kerzen oder Fackeln, verwendet.

Eine Lichtung bezeichnet nicht nur eine baumfreie Fläche im Wald, der Begriff spielt auch bei Martin Heidegger eine Rolle. In der Philosophie findet sich Lichtmetaphorik seit Parmenides und Platon, dann bei Thomas von Aquin, später bei bei Giordano Bruno als Lichtfluidum und Lichtmaterie, in Gottfried Wilhelm Leibniz' Monadologie („fensterlose Monaden“) sowie bei Friedrich Nietzsche. Der „Blindflug über die Erde“ dient als Metapher im Radikalen Konstruktivismus.

In der Musik spielt das Licht von Karlheinz Stockhausens Lichtzyklus und György Ligetis Lux Aeterna über seine Bedeutung in der Oper Sieg über die Sonne, in der mit dem Licht die Rolle des Zaren thematisiert wird, bis hin zu Hank Williams' I Saw The Light, Lightnin' Hopkins und The Velvet Undergrounds White Light/White Heat eine Rolle. Das Hip-Hop-Duo Black Sheep befasst sich mit der Gegenüberstellung von „schwarz“ und „weiß“ betreffs der Hautfarbe. In Bezug auf Gott oder Jesus Christus findet sich die Lichtmetapher oft in Johann Sebastian Bachs Kantaten. Die New Wave hat sich auf vielfache Weise des Neonlichts, zumeist zur Vermittlung einer eisigen Kälte, bedient. Der No-Wave-Musiker und Künstler Alan Vega hat neben seiner Musik auch Neonlichtinstallationen vorgestellt.[1]

Die Lichtmetaphorik besteht seit Jahrtausenden und weist als „schöne Metapher“ eine gewisse Haltbarkeit vor, die über die Erfindung der Glühbirne hinausreicht. Die Kategorien „hell“ (Antonym: „dunkel“) und „klar“ (Antonym: „nebulös“) werden zumeist positiv konnotiert. Des Weiteren werden Adjektive wie „düster“ oder „obskur“ und besonders in Bezug auf Menschen „unterbelichtet“ oder im Gegenteil „helle“ bemüht. Oft werden auch Licht und Schatten in diesem Sinne gegenübergestellt („Wo Licht ist, ist auch Schatten“). In der Rechtssprache gibt es den Begriff der Verdunklungsgefahr. Im Satz: „Das Licht der Aufklärung (en.: enlightenment) besiegte die Dunkelheit des Mittelalters“ ist das uralte, letztlich manichäische Motiv vom „Sieg des Lichts über die Dunkelheit“ erkennbar, das auf vielfache Weise als Metapher verwertbar ist. Ein Beispiel dafür ist das Lied von der Moldau in Bertolt Brechts Drama Schweyk im Zweiten Weltkrieg: „Die Nacht hat zwölf Stunden, dann kommt schon der Tag“ als Ausdruck der Hoffnung auf ein Ende der Diktatur (als „dunkler Zeit“). Aus der Dreigroschenoper stammt das Zitat: „Denn die einen sind im Dunkeln / und die andern sind im Licht / und man siehet die im Lichte / die im Dunkeln sieht man nicht“. Weiter unten ergänzt: „Ja, mach nur einen Plan / sei nur ein großes Licht / und mach dann noch 'nen zweiten Plan / gehn tun sie beide nicht“. Als Paraphrase des Carpe Diem gilt Johann Martin Usteris und Hans Georg Nägelis Freut euch des Lebens mit der Zeile: „Freut euch des Lebens, weil noch das Lämpchen glüht, pflücket die Rose, eh sie verblüht“.

So denken die Menschen: Wenn sie vom Dunklen ins Helle schauen, dann sehen sie was, wenn sie vom Hellen ins Dunkle schauen, dann sehen sie nichts. So haben sie Angst, sich im Hellen zu präsentieren oder im Dunklen ganz allein zu sein.

Literatur

  • Forceville, Charles J. und Thijs Renckens: The GOOD IS LIGHT and BAD IS DARK metaphor in feature films. In: Metaphor and the Social World – Volume 3, Issue 2, 2013

Weblinks

  • Projekt Licht und Nichtlicht. Das optisch Ungewisse der frühen Neuzeit (2020) [2] bei der Uni Weimar
  • Johann Kreuzer – Das Licht als Metapher in der Philosophie (2016) [3] Direktdownload, PDF bei der Uni Heidelberg
    • Studium Generale: Das Licht als Metapher in der Philosophie (2014) [4] bei YouTube
  • Burkhard Konrad – Thomas von Aquin und die Metapher vom „Licht“ – in memoriam P. Lambert Schmitz OP (2016) [5] bei wordpress.com
  • Silke Morgenstern – Die Lichtung oder Vom „dunklen Licht“ einer Metapher (2016) [6] PDF bei silo.tips
  • Hans Blumenberg – Licht als Metapher der Wahrheit: Im Vorfeld der philosophischen Begriffsbildung (1957) [7] bei scribd.com

Einzelnachweise

  1. Galerie Laurent Godin – Alan Vega. 1938–2016 (New York, United States) [1] bei laurentgodin.com