J. D. Salinger

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Popkultur, die Kultur der Ikonen und Legenden.

Hier also auch ein Platz für

dessen Romanfigur Holden Caulfield zu einer der großen Identifikationsfiguren der Jugendkultur der letzten Jahrzehnte wurde.

Salinger ist vor allem durch seinen 'coming-of-age' Roman The Catcher in the Rye (Der Fänger im Roggen) bekannt, der 1951 veröffentlicht wurde, der als beschreibender Inbegriff der teenage angst gilt. Seit 40 Jahren hat er weder ein Interview gegeben noch etwas veröffentlicht. Viele sind sich, angesichts des hohen Alters, nicht einmal sicher, ob er noch am Leben ist.

Biographie

"The worst English student in the history of the College" nannte ihn einer seiner Professoren am Ursinus College in Pennsylvania. Für ihn wohl kaum vorstellbar, dass gerade der zu einer Ikone der amerikanischen und später auch weltweiten Jugend, nicht nur in den 1950er-Jahren, sondern weit darüber hinaus, werden sollte. Viele Jahre nach dem Erscheinen von The Catcher in the Rye sandte er einen Brief ans Ursinus, in dem er darum bat die Zulassung eines seiner Verwandten in Erwägung zu ziehen. Der Brief hängt immer noch im Zulassungsbüro des Colleges.

Geboren wurde er als Sohn eines jüdischen Fleischimporteurs polnischer Abstammung. Seine Mutter hatte irische Vorfahren und er wusste bis in seine späten Teenagerjahre nicht, dass sie nicht jüdisch, sondern irisch-katholisch war. Nach einer Reise nach Polen, die ihn in das Geschäft seines Vaters einführen sollte, kam es zum Bruch mit diesem, weil Salinger merkte, dass er mit dessen Metier nichts anfangen konnte. Er flog vor dem Schulabschluss von mehreren Schulen, bevor er in einem Kurs für kreatives Schreiben an der Columbia University 1919 auf Whit Burnett traf, der ein gewisses Talent in ihm erkannte. Dieser veröffentlichte im Mai 1940 eine erste Kurzgeschichte Salingers, The Young Folks, im Story Magazine, dessen Redakteur er war. In der Geschichte geht es um eine Gruppe zielloser Jugendlicher.

Im zweiten Weltkrieg diente er in der Army und wurde Zeuge eines der heftigsten Gefechte des Krieges, das wahrscheinlich emotionale Spuren hinterließ. Kriegstraumata tauchen in seinen späteren Geschichten immer wieder auf (z.B. Seymour Glass in A perfect day for bananafish). Wegen einer Combat Stress Reaction (eine neurotische Störung als Reaktion auf die Greuel des Krieges, die oft zu einer post-traumatischen Störung führt) wurde er ins Krankenhaus eingeliefert.

Er veröffentlichte immer weiter Kurzgeschichten in Zeitungen und Magazinen. Nach der Veröffentlichung seiner hochgelobten Kurzgeschichte A perfect day for bananafish veröffentlichte er fast ausschließlich im New Yorker, einer Zeitschrift, die er sehr mochte. Schnell wurde er einer ihrer berühmtesten Autoren. Hier hatte er 1942 auch zum ersten Mal eine Kurzgeschichte veröffentlicht, in der der Charakter Holden Caulfield auftaucht, die Hauptfigur seines einzigen richtigen Romans The Catcher in the Rye. Für Aufsehen sorgte dieser bei der Jugend vor allem durch seine offensiv rauhe Sprache. Ins Deutsche übersetzte das Buch übrigens niemand anderes als Heinrich Böll. Allerdings erschien vor einiger Zeit auch eine neue Übersetzung.

Angesichts der vielen großartigen anderen Geschichten, die Salinger in dieser Zeit schrieb ist es allerdings sehr schade ihn nur auf den Fänger im Roggen zu reduzieren (der von vielen auch noch ausgerechnet als Schullektüre durchgekaut wird). Bemerkenswert ist vor allem sein Porträt der Glass-Familie, dass er in mehreren Kurzgeschichten fortführt (Franny and Zooey, A perfect day for bananafish, Raise high the roof beam, carpenters, Seymour – An Introduction, ...)

Oft porträtiert er das Leben junger, sehr begabter Menschen und ihre oft sehr schwierige Position in der Welt. Lebenslang studierte er den Advaita Vedanta Hinduismus, dessen Gedanken auch in seinen Geschichten oft eine große Rolle einnehmen. Religion, wenn auch nicht im herkömmlichen Sinn ist eines der großen Themen der Charaktere seiner Short Stories, die oft aus der Sicht von Buddy Glass, einem der älteren Söhne des Glass-Universums erzählt werden.

Veröffentlichungen (gesammelt)

  • 1953 Nine Stories

- 1948 A Perfect Day for Bananafish – Charakter: Glass Familie – (Seymour Glass' Selbstmord)

- 1948 Uncle Wiggily in Connecticut – Charakter: Glass Famile – (Erklärt den Tod von Walt)

- 1948 Just Before the War with the Eskimos o The Laughing Man (1949)

- 1949 Down at the Dinghy – Charakter: Glass Familie (Boo Boo Glass)

- 1950 For Esmé with Love and Squalor

- 1951 Pretty Mouth and Green My Eyes

- 1952 De Daumier-Smith's Blue Period -- (Die einzige Geschichte, die der New Yorker von ihm ablehnte.)

- 1953 Teddy – Charakter: Glass Familie

  • 1961 Franny and Zooey

- 1955 Franny – Charakter: Glass Familie

- 1957 ZooeyvCharakter: Glass Familie

  • 1963 Raise High the Roof Beam, Carpenters and Seymour: An Introduction

- 1955 Raise High the Roof-Beam, Carpenters – Charakter: Glass Familie (Seymours Hochzeitstag)

- 1959 Seymour – An Introduction – Charakter: Glass Familie (Buddy versucht Seymours Biographie zu schreiben)


  • 2000 Wonderful Town: New York Stories from the New Yorkers. Hrsg: David Remnick

- 1946 Slight Rebellion Off Madison – Charakter: Holden Caulfield

Referenzkasten

  • "With Love and Squalor", der Albumtitel von We Are Scientists ist von "For Esmé with Love and Squalor" ausgeborgt.
  • Der erste Bandname von Blur war Seymour, bezogen auf Salingers Figur Seymour Glass.
  • Der Song Shadrach der Beastie Boys beinhaltet die Zeile "Got more stories than J. D. got Salinger, I hold the title and you are the challenger."
  • John Lennons Mörder Mark David Chapman verwendete auffälligerweise Salingers Sprache (er nannte Lennon "phony") und stellte sogar Begebenheiten aus dem Roman nach.
  • Die Lieder Angelene und A Perfect Day Elise aus dem Album Is This Desire? von PJ Harvey beziehen sich auf Kurzgeschichten Salingers.

Trivia

Salinger selbst will mit Film nichts mehr am Hut haben, seit einer Verfilmung von Uncle Wiggily in Conneticut unter dem Titel My Foolish Heart, die er verabscheute. Weil er keine Filmlizenzen vergibt, wird es erste Verfilmungen vom Fänger im Roggen wohl erst in den 2040er Jahren geben können.

  • Laut seinem Biografen Ian Hamilton zog sich Salinger nach dem Erfolg von The Catcher in the Rye immer mehr zurück, zog von New York nach New Hampshire.

Dort war er noch relativ sozial involviert, insbesondere bei den Schülern der Highschool, die ihn wie einen der ihren behandelten. Das fand allerdings ein Ende, als ein Interview für die Schülerzeitung sich plötzlich in der Stadtzeitung wiederfand.

  • Im Jahr 2000 veröffentlichte seine Tochter Margaret Salinger ihre Erinnerungen an ihren Vater in ihrem Buch The Dreamcatcher: A memoir.

Darin spricht sie davon, dass Salinger seinen eigenen Urin getrunken und mit "fremden Zungen" geredet habe (schlagt mal im Lexikon Glossolalie nach, oder klickt hier zu wikipedia [1]). An einer Stelle in Seymour – An Introduction heißt es, wenn auch nicht genau zu diesen Details:


"It would be absurd to say that most young people's attraction to poetry is far exceeded by their attraction to those few or many details of a poet's life that may be defined here, loosely, operationally, as lurid. It's the sort of absurd notion, though, that I wouldn't mind taking out for a good academic run someday. I surely think, at any rate, that if I were to ask the sixty odd girls (or, that is, the sixty-odd girls) in my two Writing for Publication courses – most of them seniors, all of them English majors – to quote a line, any line from "Ozymandias," or even just to tell me roughly what the poem is about, it is doubtful whether ten of them could do either, but I'd bet my unrisen tulips that some fifty of them could tell me that Shelley was all for free love, and had one wife who wrote "Frankenstein" and another who drowned herself."

(aus: Seymour – An Introduction, 1961 Little, Brown Books; Boston)

Preisfrage: Welcher Dichter färbte sich nochmal schon im 19. Jahrhundert im Absinthrausch angeblich die Haare grün? [2]

Weblinks

Sammmlung bisher nicht in Buchform erschienener Geschichten (english)