Glenn Gould: Unterschied zwischen den Versionen

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}}'''Glenn Gould''' war ein [[Kanada|kanadischer]] Pianist, der als einer der größten Klavierspieler aller Zeiten gilt. Als 22-Jähriger spielte er mit seiner ungewöhnlichen Klavier-Interpretation von [[Johann Sebastian Bach]]s "Goldberg-Variationen" eines der meistverkauften und einflussreichsten Klaviermusik-Alben ein und wirkte auch in späteren Jahren stilprägend für den Umgang mit seinem Instrument.
 
}}'''Glenn Gould''' war ein [[Kanada|kanadischer]] Pianist, der als einer der größten Klavierspieler aller Zeiten gilt. Als 22-Jähriger spielte er mit seiner ungewöhnlichen Klavier-Interpretation von [[Johann Sebastian Bach]]s "Goldberg-Variationen" eines der meistverkauften und einflussreichsten Klaviermusik-Alben ein und wirkte auch in späteren Jahren stilprägend für den Umgang mit seinem Instrument.
  
== Biographie ==
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== Biografie ==
 
Der [[1932]] geborene '''Glenn Herbert Gould''' nimmt mit sechs Jahren erste Klavierstunden und besucht ab seinem zehnten Lebensjahr das "Royal Conservatory of Music" in seiner Heimatstadt [[Toronto]]. Er gilt bald als Wunderkind und absolviert [[1942]] seinen ersten öffentlichen Auftritt. Unter Leitung seines Lehrers Alberto Guerrero entwickelt der junge Glenn eine Spieltechnik namens "finger tapping", die bei extrem flachem Anschlag eine hohe Spielpräzision auch bei schnellem Spiel ermöglicht. Seinen ersten öffentlichen Auftritt hat Gould bereits mit sechs Jahren, später mit 13 dann erstmals als Pianist mit Orchester. [[1947]] beginnt er mit Radio- und ab [[1950]] mit Schallplattenaufnahmen; seine erste Aufnahmesession für [[Columbia]] im Jahr [[1955]] werden die bis dato für Klavier als nahezu unspielbar geltenden "Goldberg-Variationen" von [[Johann Sebastian Bach]]. Entgegen den Erwartungen entwickelt sich die Platte zum bis dato bestverkauften Album mit klassischer Musik und machen den 22-jährigen Gould zum [[Pop]]star. Weitere Stationen seines künstlerischen Weges sind der erste Auftritt als nordamerikanischer Künstler seit Beginn des kalten Krieges in [[Moskau]] [[1957]] sowie Kollaborationen mit [[Leonard Bernstein]] und Yehudi Menuhin. Allerdings entdeckt Gould zunehmend die Arbeit im Tonstudio als seine wahre Berufung; Konzertauftritte hingegen sieht er als Mittel zur Verherrlichung und gleichzeitig als Überforderung des Künstlers, so dass er seine Konzertkarriere [[1964]] in [[Los Angeles]] beendet, um fortan nur noch Studio- und Radioaufnahmen sowie Vorträge und Artikel zu verfassen. Zu den bedeutendsten Aufnahmen seiner späteren Schaffensphase zählt unter anderem die "Solitude Trilogy", ein dreiteiliges musique concrète-Werk über Aspekte des Lebens im Norden Kanadas. Außerdem gelten die Arbeiten und Essays von Glenn Gould als bedeutend für die Popularisierung der abstrakten musikalischen Werke [[Arnold Schönberg]]s, der Musiktheorie allgemein sowie dem Begriff der [[Authentizität]] im musikalisch-künstlerischen Kontext, da Gould das Studio als Weg ansah, mittels dessen technischer Möglichkeiten eine Aufnahme ständig zu optimieren und zu verfremden, und den Ansatz eines "natürlich-authentischen" Spiels in Frage stellte.  
 
Der [[1932]] geborene '''Glenn Herbert Gould''' nimmt mit sechs Jahren erste Klavierstunden und besucht ab seinem zehnten Lebensjahr das "Royal Conservatory of Music" in seiner Heimatstadt [[Toronto]]. Er gilt bald als Wunderkind und absolviert [[1942]] seinen ersten öffentlichen Auftritt. Unter Leitung seines Lehrers Alberto Guerrero entwickelt der junge Glenn eine Spieltechnik namens "finger tapping", die bei extrem flachem Anschlag eine hohe Spielpräzision auch bei schnellem Spiel ermöglicht. Seinen ersten öffentlichen Auftritt hat Gould bereits mit sechs Jahren, später mit 13 dann erstmals als Pianist mit Orchester. [[1947]] beginnt er mit Radio- und ab [[1950]] mit Schallplattenaufnahmen; seine erste Aufnahmesession für [[Columbia]] im Jahr [[1955]] werden die bis dato für Klavier als nahezu unspielbar geltenden "Goldberg-Variationen" von [[Johann Sebastian Bach]]. Entgegen den Erwartungen entwickelt sich die Platte zum bis dato bestverkauften Album mit klassischer Musik und machen den 22-jährigen Gould zum [[Pop]]star. Weitere Stationen seines künstlerischen Weges sind der erste Auftritt als nordamerikanischer Künstler seit Beginn des kalten Krieges in [[Moskau]] [[1957]] sowie Kollaborationen mit [[Leonard Bernstein]] und Yehudi Menuhin. Allerdings entdeckt Gould zunehmend die Arbeit im Tonstudio als seine wahre Berufung; Konzertauftritte hingegen sieht er als Mittel zur Verherrlichung und gleichzeitig als Überforderung des Künstlers, so dass er seine Konzertkarriere [[1964]] in [[Los Angeles]] beendet, um fortan nur noch Studio- und Radioaufnahmen sowie Vorträge und Artikel zu verfassen. Zu den bedeutendsten Aufnahmen seiner späteren Schaffensphase zählt unter anderem die "Solitude Trilogy", ein dreiteiliges musique concrète-Werk über Aspekte des Lebens im Norden Kanadas. Außerdem gelten die Arbeiten und Essays von Glenn Gould als bedeutend für die Popularisierung der abstrakten musikalischen Werke [[Arnold Schönberg]]s, der Musiktheorie allgemein sowie dem Begriff der [[Authentizität]] im musikalisch-künstlerischen Kontext, da Gould das Studio als Weg ansah, mittels dessen technischer Möglichkeiten eine Aufnahme ständig zu optimieren und zu verfremden, und den Ansatz eines "natürlich-authentischen" Spiels in Frage stellte.  
  
 
Zeitlebens war Glenn Gould auch für seine Exzentrik bekannt. So trieb er regelmäßig Aufnahmetechniker wie Dirigenten und Mitmusiker zur Verzweiflung, indem er während des Spiels ständig mitsang und Geräusche von sich gab, die mühevoll – und zum Teil vergeblich – herausgeschnitten werden mussten. Er war zudem ein extremer Hypochonder (obwohl er grundsätzlich bei guter Gesundheit war), reagierte allergisch auf körperliche Berührungen, tauchte vor Klavieraufnahmen die Hände und Arme in siedend heißes Wasser und kleidete sich stets extrem warm. Eine Rückenverletzung, die er sich im Alter von zehn Jahren zugezogen hatte, erforderte das Spielen am Klavier auf einem von seinem Vater angefertigten Stuhl, den er lebenslang benutzte.  
 
Zeitlebens war Glenn Gould auch für seine Exzentrik bekannt. So trieb er regelmäßig Aufnahmetechniker wie Dirigenten und Mitmusiker zur Verzweiflung, indem er während des Spiels ständig mitsang und Geräusche von sich gab, die mühevoll – und zum Teil vergeblich – herausgeschnitten werden mussten. Er war zudem ein extremer Hypochonder (obwohl er grundsätzlich bei guter Gesundheit war), reagierte allergisch auf körperliche Berührungen, tauchte vor Klavieraufnahmen die Hände und Arme in siedend heißes Wasser und kleidete sich stets extrem warm. Eine Rückenverletzung, die er sich im Alter von zehn Jahren zugezogen hatte, erforderte das Spielen am Klavier auf einem von seinem Vater angefertigten Stuhl, den er lebenslang benutzte.  
  
Glenn Gould starb am [[4. Oktober]] [[1982]], nachdem er wenige Tage nach seinem 50. Geburtstag einen Schlaganfall erlitten hatte. Er gilt bis heute als eine der stilprägendsten Persönlichkeiten im klassischen Klavierspiel.
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Glenn Gould starb am [[4. Oktober]] [[1982]], nachdem er wenige Tage nach seinem 50. Geburtstag einen Schlaganfall erlitten hatte. Er gilt bis heute als eine der [[Genre und Stil|stilprägendsten]] Persönlichkeiten im [[Klassische Musik|klassischen]] Klavierspiel.
  
 
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Aktuelle Version vom 2. Dezember 2019, 07:37 Uhr

Glenn Gould
Statue von Glenn Gould in Toronto
Statue von Glenn Gould in Toronto
Herkunft: Toronto, Kanada
Geboren: 25. September 1932
Gestorben: 4. Oktober 1982 (50 Jahre)
Aktiver Zeitraum: 19381964 (Ende der öffentlichen Auftritte)
Genres: Klassische Musik
Instrumente: Klavier, Orgel
Labels: Columbia
Homepage: Homepage der Glenn Gould Foundation

Glenn Gould war ein kanadischer Pianist, der als einer der größten Klavierspieler aller Zeiten gilt. Als 22-Jähriger spielte er mit seiner ungewöhnlichen Klavier-Interpretation von Johann Sebastian Bachs "Goldberg-Variationen" eines der meistverkauften und einflussreichsten Klaviermusik-Alben ein und wirkte auch in späteren Jahren stilprägend für den Umgang mit seinem Instrument.

Biografie

Der 1932 geborene Glenn Herbert Gould nimmt mit sechs Jahren erste Klavierstunden und besucht ab seinem zehnten Lebensjahr das "Royal Conservatory of Music" in seiner Heimatstadt Toronto. Er gilt bald als Wunderkind und absolviert 1942 seinen ersten öffentlichen Auftritt. Unter Leitung seines Lehrers Alberto Guerrero entwickelt der junge Glenn eine Spieltechnik namens "finger tapping", die bei extrem flachem Anschlag eine hohe Spielpräzision auch bei schnellem Spiel ermöglicht. Seinen ersten öffentlichen Auftritt hat Gould bereits mit sechs Jahren, später mit 13 dann erstmals als Pianist mit Orchester. 1947 beginnt er mit Radio- und ab 1950 mit Schallplattenaufnahmen; seine erste Aufnahmesession für Columbia im Jahr 1955 werden die bis dato für Klavier als nahezu unspielbar geltenden "Goldberg-Variationen" von Johann Sebastian Bach. Entgegen den Erwartungen entwickelt sich die Platte zum bis dato bestverkauften Album mit klassischer Musik und machen den 22-jährigen Gould zum Popstar. Weitere Stationen seines künstlerischen Weges sind der erste Auftritt als nordamerikanischer Künstler seit Beginn des kalten Krieges in Moskau 1957 sowie Kollaborationen mit Leonard Bernstein und Yehudi Menuhin. Allerdings entdeckt Gould zunehmend die Arbeit im Tonstudio als seine wahre Berufung; Konzertauftritte hingegen sieht er als Mittel zur Verherrlichung und gleichzeitig als Überforderung des Künstlers, so dass er seine Konzertkarriere 1964 in Los Angeles beendet, um fortan nur noch Studio- und Radioaufnahmen sowie Vorträge und Artikel zu verfassen. Zu den bedeutendsten Aufnahmen seiner späteren Schaffensphase zählt unter anderem die "Solitude Trilogy", ein dreiteiliges musique concrète-Werk über Aspekte des Lebens im Norden Kanadas. Außerdem gelten die Arbeiten und Essays von Glenn Gould als bedeutend für die Popularisierung der abstrakten musikalischen Werke Arnold Schönbergs, der Musiktheorie allgemein sowie dem Begriff der Authentizität im musikalisch-künstlerischen Kontext, da Gould das Studio als Weg ansah, mittels dessen technischer Möglichkeiten eine Aufnahme ständig zu optimieren und zu verfremden, und den Ansatz eines "natürlich-authentischen" Spiels in Frage stellte.

Zeitlebens war Glenn Gould auch für seine Exzentrik bekannt. So trieb er regelmäßig Aufnahmetechniker wie Dirigenten und Mitmusiker zur Verzweiflung, indem er während des Spiels ständig mitsang und Geräusche von sich gab, die mühevoll – und zum Teil vergeblich – herausgeschnitten werden mussten. Er war zudem ein extremer Hypochonder (obwohl er grundsätzlich bei guter Gesundheit war), reagierte allergisch auf körperliche Berührungen, tauchte vor Klavieraufnahmen die Hände und Arme in siedend heißes Wasser und kleidete sich stets extrem warm. Eine Rückenverletzung, die er sich im Alter von zehn Jahren zugezogen hatte, erforderte das Spielen am Klavier auf einem von seinem Vater angefertigten Stuhl, den er lebenslang benutzte.

Glenn Gould starb am 4. Oktober 1982, nachdem er wenige Tage nach seinem 50. Geburtstag einen Schlaganfall erlitten hatte. Er gilt bis heute als eine der stilprägendsten Persönlichkeiten im klassischen Klavierspiel.

Weblinks

Homepage der Glenn Gould Foundation