Flugschädel

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Flugschädel
Flugschädel 1994 (v.l. Øle, Udø, Jørch)
Flugschädel 1994 (v.l. Øle, Udø, Jørch)
Herkunft: Flensburg,
Schleswig-Holstein
Aktiver Zeitraum: ca. 19901997
Genres: Industrial, Metal,
Crossover, Experimental
Labels: Plattenmeister
Homepage: Profil bei MySpace
Line-Up:
Udø (alias Udo Beu):
Samples, Programmierung, Gesang
Øle (alias Ole Wagner):
Samples, Programmierung, Gesang
Jørch (aka Jörg Schmidt aka Projörktor): Lichtgestaltung, Multimedia, Performance

Flugschädel wurden Anfang der 90er Jahre in Flensburg gegründet und lösten sich Ende des Jahrzehnts auf. Sie zeichneten sich durch einen Crossover-Sound zwischen Metal, Industrial, Punk und HipHop, verbunden mit dadaistischen Lyrics und abwegigen Samples aus und waren einer der wichtigsten Acts auf dem Plattenmeister-Label.

Bandgeschichte

Anfang der 1990er Jahre in der schleswig-holsteinischen Musikmetropole Flensburg: Nachdem sich das Industrial/Prä-Samplingprojekt Aissa Saved der beiden Avantgarde-Künstler Øle (Comics) und Udø (Metall) erledigt hat, wagt man unter dem neuen Namen Flugschädel und ergänzt durch den Grafik- und Video-Wizard Jørch einen neuen Anfang. Geprägt durch derbsten Metal, rasende Industrial- und fette HipHop-Beats, klassische Dada-Texte und – vor allem – die Einführung bezahlbarer Sample-Elektronik, gelingt es der Gruppe, einen Vertrag beim Plattenmeister-Label in Lübeck zu bekommen, auf dem 1994 das selbstbetitelte erste und einzige Flugschädel-Album herauskommt.

Neben der aufwändigen Vinyl-Erstauflage, die in millimeterdicke Baustahlplatten verpackt und mit Gummiband umwickelt angefertigt wird, wird vor allem der Song Apfelkrautsalami (Slayers Live Undead-Introriff mit HipHop-Beats und Texten von "Wurst-Dieter" auf dem Wochenmarkt unterlegt) zum Trademark-Stück der Gruppe. Liveauftritte von Flugschädel haben zumeist eher den Charakter einer Kunstperformance; so gestaltete sich beispielsweise der Flugschädel-Auftritt 1994 in der Roten Flora in Hamburg dergestalt, dass Udø und Øle in lange Stoffbahnen gehüllt und mit von Udø geschweissten riesigen Monsterköpfen aus Stahl auf zwei Stühlen saßen und zu Playback ihrer Musik die Texte der Stücke rezitierten, während Jørch mit Projektionen und Multimedia-Effekten für die visuelle Bestrahlung sorgt. Dies bringt Flugschädel auch den Ruf als Kultband bzw. der "Neubauten der 90er mit norddeutschem Humor" ein. 1995 erscheint die EP "Othniel trug Flugschädel", auf der die Gruppe mit orientalischen Sounds und Breakbeats experimentiert. 1996 wird unter dem Namen Boksch und mit erweitertem Lineup die EP "Ocker 1–8" veröffentlicht, auf der es wieder deutlich metallischer zur Sache geht. Danach erscheinen noch einige vereinzelte Kompilationsbeiträge (u.a. bei den Plattenmeister-Labelsamplern "Sozialamt bezahlt doch." und dem nach einem Flugschädel-Song benannten "Medikamentedose"), und gegen Ende des Jahrzehnts zerstreuen sich Flugschädel in alle Himmelsrichtungen.

Von den einzelnen Bandmitgliedern sind in den Mitt-90ern noch einige Projekte veröffentlicht worden: Øle – alias Ole Wagner – ließ 1996 mit dem Duo Gunpowder Elektrick von sich hören, das er zusammen mit Eilert Fuhrmann bestritt und dessen Album "Festplatte" unter Mithilfe von DJ Koze zustandekommt und eher in die Schräg-Pop/Lo-Fi-Ecke ging. Jørch – bürgerlich Jörg Schmidt – hat als Projörktor im selben Jahr die Easy Listening-Scheibe "Stereo Cocktail" veröffentlicht und 1997 mit La Bambaracke auch einen Song zur "Sozialamt bezahlt doch"-Kompilation beigesteuert. Udø alias Udo Beu führt derweil das Flugschädel-Erbe mit dem Sample-Verwertungsprojekt MGBG sowie der aktuellen Flugschädel-Seite auf MySpace fort.

Diskographie

Alben

Singles/EPs

Kompilationsbeiträge

Kollaborationen

  • Eilert Fuhrmann und Olli Waack spielten Didgeridoo bei der "Boksch"-Inkarnation der Gruppe; DJ Koze (Fischmob) steuerte einige Scratches zur "Ocker"-EP aus derselben Bandperiode bei.
  • Marcnesium (Adolf Noise, Fünf Sterne Deluxe) gestaltete einige Covergrafiken von Flugschädel mit.
  • Udo Beu und Jörg Schmidt waren 1996 auch an der Produktion des auf Plattenmeister erschienenen Regional-Grusel-Hörspiels "Das Grauen von Flensburg" beteiligt, auf dem auch das Flugschädel-Stück Holz-Puppensubbe zu hören ist.

Referenzkasten

  • Der Text des Songs Ösophagusvaritzen enthält - neben Samples aus der Krankenhausserie Trapper John, M.D. - das Gedicht "Seepferdchen und Flugfische" des Dada-Künstlers Hugo Ball.
  • Noch in die Zeit vor Aissa Saved fällt das Projekt FiredEngines meet PrunedStations, an dem Udo Beu maßgeblich beteiligt war.

Referenzbands

Remixe/Coverversionen

Flugschädel werden geremixt von:

Flugschädel werden gecovert von

Videoclips

Weblinks