Fireside

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Fireside
Herkunft: Luleå, Schweden
Aktiver Zeitraum: 19922005, seit 2016
Genres: Post-Hardcore, Indierock
Labels: A West Side Fabrication, Startracks, American Recordings
Homepage: Fireside bei Facebook
Line-Up:
Kristofer Åström: Gesång, Gitarre
Frans Johansson: Bass, Gitarre
Pelle Gunnerfeldt: Gitarre
Per Nordmark: Schlagzeug, Percussion, Vibraphon
Ehemalige Mitglieder:
Fredrik Granberg: Schlagzeug (1992-1994)

Fireside sind eine Post-Hardcore-Band aus Schweden, die in den 1990er Jahren Erfolge feiern konnte und sich 2005 zunächst auflöste. Sänger und Gitarrist Kristofer Åström verfolgt zusätzlich seit 1998 eine Solokarriere; 2016 tat sich die Gruppe für einige Konzerte wieder zusammen.

Bandgeschichte

Die Anfänge bis "Fantastic Four" (1992-1994)

Die Gründung von Fireside fällt in die frühen 1990er Jahre, als in Schweden zahlreiche von Hardcore, Noiserock und Post-Hardcore beeinflusste Bands entstehen. In der nordschwedischen Provinzstadt Luleå treffen so auch zunächst Kristofer Åström (Gesang, Gitarre) und Pelle Gunnerfeldt (Gitarre) zusammen und spielen unter anderem in der Punkband Superdong zusammen, die Ende der 1980er gegründet wird. Als die Band Anfang der 1990er auseinanderbricht, gründen Gunnerfeldt und Åström 1992 mit Fireside eine eigene Gruppe, um ihren Helden von Hüsker Dü, Fugazi und vor allem Quicksand zu huldigen. (Zwei weitere Superdong-Mitglieder gründen wenig später die Post-Metal-Band Breach; beide Gruppen bleiben einander freundschaftlich verbunden.) Frans Johansson wird mit dem Versprechen, es handele sich bei Fireside um eine Metal-Band, als Bassist hinzugewonnen, und der auch noch bei Randy trommelnde Fredrik Granberg vervollständigt schließlich das Quartett. 1993 kommt mit der EP "Softboy" der erste Tonträger heraus, auf dem die Band noch nach ihrem eigenen Stil sucht. Hervor stechen allerdings schon Åströms persönliche Texte über Einsamkeit, Liebeskummer und andere Probleme. Die zweite EP "Jupiter" von 1994 verweist schon auf den Debütlongplayer "Fantastic Four", der noch im selben Jahr erscheint und die Rezensenten zu wohlwollenden, aber nachdrücklichen Quicksand-Vergleichen greifen lässt. Danach wechseln Fireside sowohl Wohnort als auch Labelheimat, da sie von Luleå in die Hauptstadt Stockholm ziehen und von A West Side Fabrication für die dritte EP "Kilotin" zu Startracks wechseln.

Erfolg mit "Do Not Tailgate" (1995-1996)

Die Tracks von "Kilotin" finden sich in neuen Versionen auch auf dem zweiten Album "Do Not Tailgate" wieder, das 1995 zunächst ebenfalls auf Startracks erscheint und die Band (inzwischen mit neuem Drummer Per Nordmark) noch mehr auf den Punkt zeigt. Zerrende, schneidende bis bollernde Gitarren bestimmen das Klangbild ebenso wie hymnische Refrains und der drängende Gesang von Kristofer Åström, und das Album wird in Schweden zu einem Top-40-Erfolg, der – mangels Genre-Alternative – sogar den Grammis als beste Hardrock-Platte (!) verliehen bekommt. Dadurch wird Produzentenlegende Rick Rubin auf die Band aufmerksam und veröffentlicht "Do Not Tailgate" 1996 in den USA auf seinem Label American Recordings. Als ein vermeintlicher Höhepunkt gilt zunächst die Teilnahme von Fireside als erster europäischer Band überhaupt am Lollapalooza-Festival, doch spürt die Band hier auch bereits deutlich den Druck, der inzwischen auf ihr lastet; spätere Tourneen konzentrieren sich auf Europa. Mit "Left Rustle" und "Interlace" erscheinen zwei weitere Auskopplungen aus dem Album, von denen die erstgenannte Platz 42 in den schwedischen Single-Charts erreicht.

"Uomini D'Onore" und "Hello Kids" (1997-1999)

1997 setzt die Band ihre Arbeit mit dem Album "Uomini D'Onore" fort, das unter Mithilfe diverser Gastmusiker entsteht, sich bereits ein gutes Stück vom bisherigen Emocore entfernt und tatsächlich die Top 10 der schwedischen Albumcharts knacken kann. Auch dieser Release wird von diversen EP-Releases ("Sweatbead" und "Let Rasputin Do It") begleitet. Die klassische Fireside-Phase findet ihren Abschluss mit der Kompilation "Hello Kids" von 1998, auf der diverse B-Seiten, Coverversionen und Outtakes zu finden sind. Danach nimmt sich die Band eine Auszeit, die Åström dazu nutzt, seine erste Soloplatte namens "Go, Went, Gone" aufzunehmen, die sich mit ihrem Americana-Singer-Songwriter-Sound stilistisch stark von Fireside unterscheidet. Dabei wird er auch von Fireside-Schlagzeuger Per Nordmark unterstützt, der zudem auch auf den Alben "Venom" und "Kollapse" der befreundeten Breach trommelt.

Neue Töne mit "Elite" (2000-2002)

Als Fireside dann im Jahr 2000 für ihr viertes Album "Elite" ins Studio zurückkehren, entscheiden sich die Musiker für eine stilistische Neuorientierung: Statt des bisher regierenden Post-Hardcore-Sounds wird nun mit sanften, teils elektronischen Klängen, ungewöhnlichen Instrumenten, repetitiven Riffs, Beats, Loops, Samples und sogar Autotune experimentiert. Die Songs fließen meist ineinander, entwickeln bisweilen Post-Rock-Charakter und erreichen oft eine Länge von über fünf Minuten. Die Band verbringt insgesamt sechs Monate im Studio, teilweise auch nur ein Musiker zur Zeit. Die Kritiker reagieren abwartend bis wohlwollend auf den Kurswechsel, die schwedischen Plattenkäufer hingegen eher verunsichert, so dass "Elite" gerade noch die Top 40 erreicht.

"Get Shot" und Bandauflösung (2003-2005)

Nach dem Release setzt Åström seine Solokarriere mit den Alben "Leaving Songs" und "Northern Blues" (beide von 2001) fort, bis Fireside im Jahr 2003 für ihr fünftes und bislang letztes Album "Get Shot" erneut zusammenkommen. Unter der Produktion von Kalle Gustafsson Jerneholm (The Soundtrack of Our Lives), der den Klang des Albums stark beeinflusst und praktisch zum fünften Bandmitglied wird, kehren Fireside zu einem strukturierteren, eingängigen Sound zurück und werden mit guten Kritiken und Platz 18 der schwedischen Albumcharts belohnt. Danach konzentriert sich Kristofer Åström aufs Neue und diesmal langfristig auf seinen Solo-Output, während Hauptsongwriter Pelle Gunnerfeldt sich ebenfalls schon länger auf Produktion und studiotechnische Betreuung von Bands wie Refused, The (International) Noise Conspiracy, The Hives, The Robocop Kraus oder die Indie-Institution The Bear Quartet verlegt hat. Für Fireside bedeutet dies jedoch bis auf Weiteres eine Auszeit; letzte Konzerte werden im Jahr 2005 gespielt, auch wenn zwischendurch gelegentlich die Rede von neuen Demoaufnahmen ist.

Reunions und Re-Releases (seit 2016)

Nachdem sich andere klassische Schwedenrock-Acts wie Refused nach langer Verweigerung in den 2010er Jahren aber doch wieder zusammentun, werden im Jahr 2016 auch Fireside reaktiviert, um einige Konzerte zu spielen und die Studioalben ab "Do Not Tailgate" neu auf Vinyl herauszubringen. Ob daraus jedoch eine neue Platte der Band entstehen wird, ist fraglich.

Diskographie

Alben
Singles/EPs
  • 1994 Softboy (EP, A West Side Fabrication)
  • 1994 Jupiter (EP, A West Side Fabrication)
  • 1995 Love Is All We Got (Single)
  • 1995 Kilotin (EP, Startracks/als Single auf American Recordings)
  • 1996 Left Rustle (EP, Startracks)
  • 1996 Interlace (EP, Startracks)
  • 1997 Sweatbead (EP, Startracks)
  • 1998 Let Rasputin Do It (Single, Startracks)
  • 2000 Thing on a Spring (Single, Startracks)
  • 2003 All You Had (Single, Startracks)
Sonstige

Charts

Jahr Titel Charts
D UK US A CH SV NL F NOR FIN DK AUS NZ
1995 Do Not Tailgate 40
1997 Uomini D'Onore 10
2000 Elite 40
2003 Get Shot 18
Singles
1996 Left Rustle 42
1997 Sweatbead 42

Kompilationsbeiträge (Auswahl)

  • 1993 Sorry auf "Offside" (Wounded Records)
  • 1994 Slack und Drown auf "Northcore: The Polar Scene Compilation" (Burning Heart Records)
  • 1994 Throwstar auf "Making New Friends" (A West Side Fabrication)
  • 1994 Jupiter auf "The Best in Swedish Pop 1994" (SOM)
  • 1994 Al Tonno Q auf "We're All Part of a Family" (A West Side Fabrication)
  • 1995 Kilotin und Interlace auf "American as Fuck" (American Recordings)
  • 1996 Headacher auf "(Don't Forget To) Breathe (Crank!)
  • 1998 Fox auf "Hitta Mitten 98" (Absurd Records)
  • 1998 Happy Porno Living und Let Rasputin Do It auf "Stickin' It to You" (Stickman)
  • 1999 Ambulance auf "Punk Rawk Explosion 3" (Rock Sound)
  • 2004 Follow Follow auf "Rebell 10 År"

Referenzkasten

  • Alle Tracks auf dem Album "Elite" sind nach alten 8-Bit-Computerspielen benannt; das Covermotiv ist zudem an das Artwork des gleichnamigen Videospiels angelehnt.
  • "Uomini D'Onore" bezeichnet eine Rangstufe innerhalb der italienischen Mafia.
  • "Left Rustle" ist eine direkte Übersetzung des schwedischen Ausdrucks vänsterprassel, was soviel wie "untreu werden" bedeutet.

Trivia

  • In Deutschland konnten sich Fireside auf eine recht verlässliche positive Rezeption stützen, da u.a. das Visions die Fireside-Alben regelmäßig zu "Schönheiten der Ausgabe" erklärte. Live teilten Fireside hierzulande u.a. mit Favez die Bühne.
  • Zu ihrem ersten Plattenvertrag bei A West Side Fabrication kamen Fireside angeblich, indem sie den Labelbetreiber erst betrunken machten und ihm dann ihr Demotape in die Hand drückten.

Referenzbands

Coverversionen

Fireside covern …

  • Don't Want To Know If You Are Lonely von Hüsker Dü (auf „There's a Boy Who Lives On Heaven Hill... A Tribute to Hüsker Dü“, 1994)
  • The Beautiful Ones von Prince (auf "Purple Pain", Dolores Records, 1995)
auf "Hello Kids" (1998)

Fireside werden gecovert von …

Weblinks