Yŏmillak

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Yŏmillak ist ein Volksepos aus dem 15. Jahrhundert und das älteste erhaltene Orchesterwerk Koreas. Als Ursprungsjahr gilt das Jahr 1447.[1]

Hintergrund

Der Begriff Gugak, zu dem Yŏmillak gezählt wird, fasst die traditionelle Musik Koreas zusammen, die neben dem Yangak, der westlichen Musik, inzwischen kaum noch aufgeführt wird (vergleiche zur höfischen Musik Südostasiens auch den Artikel Yayue).[2] Die Übersetzung des Titels bedeutet in etwa Dem Volk Freude geben, das Stück spiegelt den kulturellen Aufschwung Koreas zu Beginn der Joseon-Dynastie (1392-1910) wieder. Im 15. Jahrhundert gab es in Korea eine Art Renaissance. Einer der ersten Könige der Joseon-Dynastie, Sejong, war selbst Musikkenner und Komponist. In seine Regierungszeit fällt die erste Aufführung von Yŏmillak. Das Epos ist die Vertonung von fünf Gesängen aus dem, 125 Gesänge umfassenden, Gedichtzyklus Yongbi och'on'ga (Song of the Flying Dragon), der 1445 zur Feier der Einführung eines neuen Alphabets geschrieben wurde.[3] Das Stück wurde im Anschluss wahrscheinlich mit der Zeit von Meistermusikern variiert und erweitert, die je ihre Fertigkeiten mit einbrachten.

Eine deutlich dynamischere Aufnahme als die bis dahin vorliegenden wurde 2003 in Deutschland als Doppel-CD mit dem Zusatz The Selection Of Korean Classical Music bei der Edition RZ (Robert Zank, Berlin) veröffentlicht. Hier wurde auf Aufnahmen aus dem Jahr 1979 zurückgegriffen, die 1988 wiederveröffentlicht wurden. Bei dieser Aufnahme sind zusätzlich zwei Versionen, die im 19. Jahrhundert hinzukamen, unter den Titeln Kyŏngnokmugang Chigok and T'aep Yŏngch'un Chigok vorzufinden. Ergänzend wurde außerdem die Orchestersuite Sŏilhwa Chigok hinzugefügt.[4][5][6]

Musik

Die Notationsweise ist die älteste Koreas und in den Annalen von Sejong von 1454 verzeichnet. Sie entstand parallel zur Einführung eines neuen Alphabets. Spätere Notationen gibt es zum Beispiel aus dem 16. und dem 19. Jahrhundert. Ursprünglich bestand das Stück aus zehn Bewegungen, von denen drei mit der Zeit wegfielen. Aus der Originalpartitur entstanden durch die Jahrhunderte Varianten für unterschiedliche Besetzungen, was Dauer, Orchestrierung und Orchestergröße betrifft.[7] Yŏmillak wurde in Korea hauptsächlich bei Prozessionen oder Banketten gespielt.[8] Die rhythmischen Zyklen (Bewegungen) bedienen sich einer gemeinsamen, strukturierten Grundform.[9]

In kleiner Besetzung in Korea, 1966 (Robert-Garfias-Archiv)

Die Musiker sind bei einer Aufführung gehalten, möglichst unbewegt und ohne Rührung vorzutragen, was für die höfische Musik in Südostasien typisch ist. Sie folgen den Signalen der pak, einem Schlaginstrument aus bis zu sechs flachen Holzplatten, die von einem Signalgeber (Senior official) geschlagen werden. Formelle Schläge durch zwei weitere Schlaginstrumente (changgo und chwago) begleiten das Spiel, "the effect is of timelessness, the movements flowing seamlessly into each other. The music is totally controlled, the epitome of Confucian order and decorum."[10] Die Tonhöhen werden von den Melodieinstrumenten parallel gespielt, jedoch individuell mit Ornamenten vor und nach jeder Phrase versehen.

Instrumente

"There is a type of double reed similar to an oboe (p’iri), flutes (sogum, taegum), 2-stringed fiddle (haegum), plucked and bowed long zithers (kayagum, kumun’go, ajaeng) and dulcimer (yanggum). Each movement is a variation of the main theme slowly developed and embellished by the individual musicians. [...] One of the important differences is the intonation of the instruments and the vibrato that gives it its particular dramatic quality."[11]

Verhältnis zur Avantgarde

Martin Büsser zum Verhältnis der Komposition zur westlichen experimentellen Musik / Avantgarde: „… Strukturell ist sie einfach gehalten, wird möglichst emotions- und dynamiklos wiedergegeben. Genau dies verleiht den Aufnahmen jedoch ihre herkömmliches Zeitempfinden aufhebende Kraft, die mit Errungenschaften der westlichen Avantgarde, etwa den späten Kompositionen eines Morton Feldman, korrespondiert (Martin Büsser in der testcard, zitiert aus dem Katalog von Drone Records).[12]

Literatur

J. Condit – The evolution of Yŏmillak from the fifteenth century to the present day. Articles on Asian music: Festschrift for Dr. Chang Sa-hun. (Seoul, 1977)

Einzelnachweise

  1. Eintrag Yoemillak [1] bei thesaurus.history.go.kr
  2. Artikel Music of Korea [2] bei der en.wiki
  3. Keith Howard – Linernotes der 2003er-CD (2003)
  4. The Orchestra Of The National Center For Korean Traditional Performing Arts ‎– Yŏmillak: The Selection Of Korean Classical Music (Edition RZ ‎– Ed. RZ 7001-2, 2003) [3] bei Discogs. Ein Video ist im Internet zur Zeit nicht zu finden. Interpretiert wird das Epos hier durch das Orchester des National Center for Korean Traditional Performing Arts, das sich in Seoul befindet und für die Pflege nationalen Kulturguts zuständig ist. Seit ein paar Jahren heißt das Institut wieder National Gugak Center. Seine Geschichte geht bis in das 14. Jahrhundert zurück. Bei der Aufnahme handelt es sich demnach um das Orchester des National Gugak Center.
  5. Artikel National Gugak Center [4] bei der en.wiki
  6. Seite des Orchesters des National Gugak Center in Seoul [5] bei gugak.co.kr
  7. Transmitting Aspects of Yŏmillak's Pieces in the Late Chosŏn Period [6] .ko und .en, Vorschau bei dbpia.co.kr
  8. ebd.
  9. Keith Howard – Linernotes der 2003er-CD (2003)
  10. ebd.
  11. Jacob Green – "Yomillak" CD review (2005) [7] bei ronsen.org
  12. Eintrag [8] im Katalog von Drone Records

Weblinks

  • Homepage des National Gugak Center in Seoul [9] bei gugak.go.kr
  • Jongmyo Jeryeak (2014) [10] Das National Gugak Center bei Youtube
  • Eintrag der CD von 2003 [11] bei a-musik

Links im Mai 2017.