William Basinski

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William James Basinski (*1958 in Houston, USA) ist Musiker und Komponist von experimentellen Ambientproduktionen, Drones und einer auf Objets trouvés gründenden Musik und Klangkunst. Er spielt Keyboards, Saxofon und Klarinette und tritt als Videokünstler in Erscheinung. Basinski hat lange Zeit in New York City gelebt und lebt und arbeitet heute in Los Angeles.[1]

Hintergrund

Basinski lernte schon früh Klarinette, studierte dann Jazz-Saxofon und Komposition, 1978 begann er, inspiriert von der Minimal Music Steve Reichs und Brian Enos minimalistischen Kompositionen, seine eigenen musikalischen Vorstellungen zu entwickeln. In den 1980ern betätigte er sich als Live-Saxofonist zu Multimedia-Performances.[2]

Die erste komplette Produktion entstand 1983, wurde jedoch erst 1998 auf raster-noton veröffentlicht (Shortwave Music). Am bekanntesten sind die Disintegration Loops, eine Serie von vier Alben, die seit 2002 auf Basinskis Label 2062 Records veröffentlicht wurde. Für die Aufnahmen hat er Bandmaterial mit eigenen Aufnahmen verwendet, bei denen sich während einer Digitalisierungsaktion seiner Tonaufnahmen herausstellte, dass die Magnetschicht sich aufgrund von Abnutzungserscheinungen zum Teil von den Bändern gelöst hatte. Inzwischen gibt es Orchestertranskriptionen der Disintegration Loops (realisiert von Maxim Moston), die seit 2011 mehrfach aufgeführt wurden (siehe Weblinks, Musik).

The Disintegration Loop 6 (2002/2003)

Piero Scaruffi zu den Disintegration Loops:

"... symphonies that evolve in a predictable but highly emotional manner. The effect of the one-hour long DP 1.1, akin to a solemn requiem march that is slowly reduced to a drumbeat, is mesmerizing and opened new avenues to minimalism. [...] DP 1.2 takes the same mournful melodic pattern used at the beginning of DP 1.1 and basically sets it to "automatic repeat". By just delaying that pattern a bit and emphasizing the contrasting notes, DP 1.3 is the piece that most obviously evokes waves endlessly washing ashore. What was obscure in DP 1.1 and menacing in DP 1.2 becomes calm and humane in DP 1.3. DP 2.1 and DP 2.2 unleash a volley of galactic drones that decay into a brittle battle call. The 42-minute DP 3 targets a majestic choral-like aria that disintegrates into bursts of static noise. DP 4 begins stuttering and noisy, and only gets worse along the way until you only hear scratching and popping noises. The less extreme 52-minute DP 5 mauls a celestial new-age hymn although it does not completely erase it (and it is therefore less powerful than the others). The 40-minute DP 6 sounds like an accelerated version of DP 1.3's tranquil waves equipped with a percussion-like countercurrent that actually hints at a different melody. All these pieces feel a little like being hypnotized by ocean waves and slowly being lulled into oblivion (blurred vision and eventually just another world with distant echoes of the real one)."[3]

Auf einigen Alben wird ein Archiv „experimenteller Arbeiten durch Gebrauch von Tapeloops und Hall-Systemen, Objets trouvés sowie Kurzwellenradio-Rauschen“ dokumentiert, das Basinski in den 1980er Jahren zusammengestellt hat.[4] 2011 komponierte Basinski mit Antony Hegarty den Soundtrack für Robert Wilsons Oper The Life and Death of Marina Abramovic.[5]

Musik

Basinskis Texturen bauen auf einer Ästhetik der Versunkenheit auf, die, was Stimmungen, Motiv- und Klanggestaltungen betrifft, oft an Brian Enos Ambient-Produktionen erinnert. Hauptsächlich werden Klaviersounds aus Tonfolgen eines Voyetra-Keyboards generiert, die (zum Teil in Lagen) zu Akkorden zusammenklingen (‪Acciaccatura‬).[6] Der Gesamtklang wird dann einem künstlichen Alterungsprozess unterworfen, der der Musik eine kontemplative Distanz und zugleich Pseudo-Authentizität verleiht, indem der materiellste Aspekt von Tonträgern, wie Schallplatte und Kassette, deren Vergänglichkeit, hervorgehoben wird und re/konstruierte Nebengeräusche, die bei der Produktion von Tonträgern anfallen, in den Vordergrund gemischt werden.

A Red Score in Tile (1979 / 2003)

In der Tradition des Ambient, wie sie sich hier darstellt, ist Basinskis Musik (auch über die aus Motivverdichtungen und Gesamtklangverfremdungen resultierenden Drones) dem Ambient-Gesellen Industrial (Throbbing Gristlescher Prägung) verbunden, das zeigt sich durch einen affirmativen Eskapismus ins Fremdartige / „Strange“. Verwendet werden alte Tonbandaufnahmen, Kassetten, „irgendeine billige analoge Echobox, ein paar Mikrofone, ein kleiner Minimixer“.[7] Die Delays und Feedbacks werden auf Art des Time Lag Accumulators (einer Verbindung zwischen zwei Bandgeräten) verwirklicht, die verwendeten Loops mehrfach reproduziert und übereinander geschichtet. Aus dieser Arbeitsweise ergibt sich eine Art vermittelnder Dimension zwischen vertikaler und horizontaler Ebene, durch die im Verlauf eines Stückes eine Vielzahl an Mikrotempi und autopoietischen Obertonbezügen (wie Kopfstimme oder Falsett, zum Teil wie Rudimente von Obertongesängen) gehört werden können.

Trivia

1989 eröffnete Basinski die Performance-Galerie Arcadia in New York.[8] 1997 gründete er das Performance-Projekt Beautifying America, 2000 war er an der Produktion des Films Fountain mit James Elaine und Roger Justice beteiligt.

Zusammenarbeiten

Basinski hat unter anderem mit Richard Chartier, Antony Hegarty, Diamanda Galás, Rasputina, The Murmurs, Christoph Heemann und Andreas Martin zusammengearbeitet.[9]

Siehe auch

Time Lag Accumulator, Elektronische Musik, raster-noton, Die Stadt, Cluster, Harmonia.

Diskografie

  • 1998: Shortwave Music (raster-noton Vinyl; 2007 CD, 2062)
  • 2000: Watermusic (2062 Records)
  • 2002: The Disintegration Loops (2062)
  • 2002: The River (raster-noton) (2008 CD)
  • 2003: The Disintegration Loops II (2062)
  • 2003: Watermusic II (2062)
  • 2003: Melancholia (2062)
  • 2003: The Disintegration Loops III (2062)
  • 2003: A Red Score in Tile (Three Poplars)
  • 2003: The Disintegration Loops IV (2062)
  • 2004: Variations: A Movement in Chrome Primitive' (Durtro / Die Stadt)
  • 2004: Silent Night (2062)
  • 2006: The Garden of Brokenness (2062)
  • 2006: Variations for Piano and Tape (2062)
  • 2007: El Camino Real (2062)
  • 2009: 92982 (2062)
  • 2009: Vivian & Ondine (2062)
  • 2013: Aurora Liminalis (mit Richard Chartier) (Line Records)
  • 2013: Nocturnes (2062)
  • 2015: Cascade (2062)
  • 2015: The Deluge (Temporary Residence)
  • 2015: Divertissement (mit Richard Chartier, Important Records)

Einzelnachweise

  1. Profil und Diskografie [1] bei Discogs
  2. Profil [2] bei Piero Scaruffi
  3. Piero Scaruffi – William Basinski (1999) [3] bei Piero Scaruffi
  4. Artikel William Basinski [4] bei der de.wiki
  5. Bob Wilson's Life & Death of Marina Abramovic (2012) [5] bei IMDb
  6. Two and a Half Questions with William Basinski [6] bei Headphone Commute
  7. ebd.
  8. Artikel William Basinski [7] bei der en.wiki
  9. vgl. auch den Artikel bei der de.wiki, Anm. oben

Weblinks

  • Homepage [8] bei 2062
  • Interview (August 2013) [9] bei Headphone Commute
  • Profil [10] bei Pitchfork
  • Paul Lester – William Basinski (No 884) (2010) [11] beim The Guardian

Musik

  • The Disintegration Loops, Aufführung der Orchesterfassung von Maxim Moston (2012) [12] bei Youtube

Links im Juli 2017.