The Rutles

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Die Rutles, auch Prefab Four, sind eine Band, die als Pastiche und Parodie der Erfolgsgeschichte der Beatles 1975 entworfen wurde, die Vorgehensweise kann halbdokumentarisch genannt werden. Als Regisseure fungierten Eric Idle von Monty Python und Neil Innes. Die Band ist insofern eine halbfiktionale Band, als sie kein festes Programm und keine ausgedehnten Tourtätigkeiten vorweist. Geplant und durchgeführt als Beitrag zu Rutland Weekend Television, einer Comedy-Fernsehshow von Eric Idle in den 1970er Jahren, wurde bald ein Album veröffentlicht und ein wenig getourt. Die Rutles erreichten mit I Must be In Love (1978) und Shangri-La (1996) zwei Chartshits im UK. Das zugehörige Genre nennt sich Mockumentary, obwohl jenseits der Rutles und Monty Python dort kaum etwas zu finden ist.[1]

Hintergrund

1978 wurde vom amerikanischen Fernsehsender NBC der satirische Fernsehfilm All You Need Is Cash ausgestrahlt, der als The Rutles bekannt wurde. Der Film besetzt neben George Harrison in einer kurzen Szene Mick Jagger und Ron Wood von den Rolling Stones sowie weitere. Die Musik wurde von Neil Innes geschrieben, der Film von Eric Idle zusammen mit Gary Weis produziert. 1996 folgte Archaeology und zielte auf die Veröffentlichung der Beatles-Box Anthology ab. 2002 erschein ein Folgefilm unter dem Titel The Rutles 2: Can't buy me Lunch, der im Jahr 2000 in einem Fernsehspecial als The Beatles Revolution vorgestellt wurde. Der Film blieb aber weit weniger erfolgreich als der erste Rutles-Film.

Die Komik ist eine thematische – für Leute, die mit dem Zielphänomen nicht besonders vertraut sind, ist die zum Lachen notwendige Disposition, besonders nach einem halben Jahrhundert, nicht unbedingt gegeben. In den 1970er Jahren konnte davon ausgegangen werden, dass ein großer Teil des Publikums sich noch intensiv mit der Entwicklung der Beatles involviert fühlte, wodurch der Witz ein Fundament für subjektivierende Assoziationen erhielt – der durch das Lachen befreite Zuschauer fühlt sich auf eine Bühne versetzt – und zugleich eine absehbar objektive Grundlage. Das Überleben des Genres Mockumentary, hauptsächlich durch diesen einen Act, ergibt sich auf diese Weise über den besonderen Witz. Der skurrile Witz der Rutles ist dabei besonders englisch und in Deutschland nicht ohne Weiteres zu verstehen. Das Weitere ergibt sich aus einer Schärfe, die in England kritisch dem Humor zugeordnet ist, in Deutschland der Disziplin und dem Militarismus. Um die Entstehung solcher Differenzen nachzuvollziehen, wird am Besten das Ursprungsphänomen besucht und dessen Präsenz, in diesem Fall zum Beispiel in Deutschland, den USA und Frankreich.

Musik

Insgesamt sind zwanzig Songs entstanden, die im Verlauf von Innes und drei weiteren Musikern gespielt werden. Im Englischen nennt sich so etwas ein Spoof. Die Stücke funktionieren hauptsächlich über den Erhalt der Originalgesten, Instrumentierung und Effekte sind ebenso beibehalten wie Tempi und die Orientierung am Blues- beziehungsweise auch Songschema. Variiert werden fast ausschließlich die motivischen und melodischen Elemente nah an den Originalen und selbstverständlich die Texte. So zum Beispiel bei Love Life ("1967") und Get Up And Go ("1969"):

Love Life 1967

  • In allen möglichen Übersetzungen werden Floskeln der Originalsongs zitiert. Zum Teil funktioniert der Witz über das Wiedererkennen dekontextualisierter alltäglicher Elemente, wie sie von Roland Barthes für die Musiksemiotik entworfen wurden.

Get Up And Go 1969 mit einem sporadischen Leiereffekt bei min. 0:11

Was die Songs der Beatles / Rutles betrifft, ist das je spezifische Beschwingtsein aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet. Bei den Beatles authentisch, bei den Rutles wird gerade das Authentische zum Ziel einer, von heute aus gesehen, einigermaßen harmlosen Kritik, die gleichermaßen auf die Beatles, wie auch die Gesellschaft der 1960er und 1970er Jahre, die Empfänglichkeit der Gesellschaft für ein Produkt wie die Beatles, abzielt. Als zusätzlicher, ungewohnter Effekt sind die Ansagen des Kommentators zum Teil über die Musik geblendet.

Kritik

„Dabei ist das Vorgehen außergewöhnlich pluralistisch [...] Die Rutles schaffen Paralleluniversen, Songs, die nicht die Originale, aber doch Originale sind. Insbesondere die Gesten der jeweiligen Zieltracks werden sehr genau übernommen oder sorgfältig nachgestellt. Entsprechend des klangorientierten Vorgehens ist die Instrumentierung überall genau nachempfunden. Der Original Motion Picture Soundtrack kommt mit umfassender Dokumentation der Rutlemania.[2] 1990 erscheint auf Shimmy Disc ein Tribute-Album „The Rutles Highway Revisited“ mit Coverversionen der Songs – eine konsequente Folge:

The Pussywillows Hold my Hand (1990)

Einzelnachweise

  1. In die gleiche Kategorie fallen auch Spinal Tap, die 1984 gegründet wurden und einen ähnlichen Ansatz im Heavy-Bereich finden, Weird Al Yankovic, Dr. Demento sowie bis zu seinem Tod 2010 der englische Komiker Frank Sidebottom.
  2. Dirk Budde – High Ideals and Crazy Dreams (2004, 2015, PMB-Verlag Berlin)

Weblinks

  • Weiterführender Artikel The Rutles [1] bei der en.wiki
  • Artikel All You Need Is Cash [2] bei der en.wiki
  • Startseite [3] beim Rutles-Wiki rutlesriki.wikia.com
  • Eintrag [4] bei beatles.wikia.com

Links im Mai 2017.