Stale – Musique Liquide

Aus indiepedia.de
Musique Liquide
Stale
Veröffentlicht: 1. Februar 2000
Label & Vertrieb: Music Is My Heroin / BluNoise
Albumlänge: ??? Min.
Produziert von: Guido Lucas und Stale
Genre: Jazzcore, Noiserock, Indierock, Postrock, Electronica
Formate: Doppel-LP
Chronologie

1996Stale

Musique Liquide

2005 – Mit wem und wohin gehen

Andere:
1998Mikro Kosmos Miniatur Leben
2005 – Mit wem und wohin gehen (Demo)

"Musique Liquide" ist das zweite und letzte Album der Stuttgarter Band Stale. Es erschien im Jahr 2000 als Kooperation der Labels Music Is My Heroin und BluNoise und wurde von Guido Lucas und der Band selbst produziert.

Inhaltsverzeichnis

Zum Album

Mit der Doppel-LP "Musique Liquide" legte das Stuttgarter Jazzcore-Experimentalkollektiv Stale seinen zweiten Longplayer vor, der sich deutlich vom selbstbetitelten, noch deutlich Hardcore-geprägten und in teilweise anderer Besetzung aufgenommenen Debütalbum von 1996 unterschied. Zwar schien es immer noch das Anliegen der inzwischen sechsköpfigen Band, in einem Song so viele verschiedene Parts wie möglich unterzubringen, allerdings führte man auch das Konzept der vorangegangenen EP "Mikro Kosmos Miniatur Leben" weiter aus, indem man der Melodie deutlich mehr Raum als dem Hardcore einräumte, ohne Letzteren ganz über Bord zu werfen. "Musique Liquide" bot nun also einen Soundkosmos zwischen traumähnlichen Instrumentalstrecken (Panoramaweg, Fellalingus), zurückhaltenden Indie-Nummern (Mallosol, Ballaststoff), nach vorne knüppel-break-hoppelndem Jazzcore (die von der EP bekannten Knochenkissen und Letztes Mal Schreiben) und der kompletten vierten Seite dieser Vinyl-Only-Veröffentlichung, welche vertrackte elektronische Experimente im Stile von Autechre enthielt. Textlich so weit von durchschnittlicher Indie/Alternative-Lyrik entfernt wie nur möglich, gab es hier scheinbar willkürlich zusammengesetzte Zeilen aus naturwissenschaflichem Vokabular, tiefen Gefühlsäußerungen und "stream of consciousness"-Gedanken. Die Lyrics zum Album waren bereits 1998 in dem Band "Panoramakonzentrate und andere Gedichte" des Bassisten und Texters Daniel Vujanic erschienen.

"Musique Liquide" stellte die letzte reguläre Veröffentlichung von Stale dar, da sich das Lineup danach zerstritt. 2005 folgte noch das Demo "Mit wem und wohin gehen", das die Band stilistisch verändert zeigte und dem eigentlich auch ein weiterer Longplayer mit dem Arbeitstitel "Heroine" folgen sollte. Zu dessen Release kam es jedoch nicht mehr.

Line-Up

Tracklisting

Seite A:

  1. mallosol (5:54)
  2. ballaststoff (3:45)
  3. filter (6:19)
  4. photographie (4:20)

Seite B:

  1. wie die faust auf's auge lacht (4:39)
  2. texas tornado (5:50)
  3. knochenkissen (2:56)
  4. panoramaweg (4:36)

Seite C:

  1. letztes mal schreiben (4:59)
  2. mangaram (3:29)
  3. fellalingus (9:01)

Seite D:

  1. minuskel (korkenknall 2000)
  2. avatar (cunnitio)
  3. caban (gemeinschaftsschnalle)
  4. bornitrid (trompe l'oreille)

Kritiken

  • Oliver Uschmann charakterisierte in seiner Kritik der Platte im Visions (Ausgabe Nr. 84/März 2000) "Musique Liquide" unter anderem mit den Worten "Das Tönen aus einer anderen Welt. Diese Band verwirrt Deine Wahrnehmung." und vergab 10 von 12 möglichen Punkten.

Referenzkasten

  • Der Albumtitel ist ein Wortspiel mit dem musiktheoretischen Konzept der "musique concrète", einer Musikrichtung, bei der Klänge aus Natur, Technik und Umwelt mit dem Mikrofon aufgenommen und durch Montage, Bandschnitt, Veränderung der Bandgeschwindigkeit und Tapeloops elektronisch verfremdet werden.[1] Diese Stilart übte auf die Band und insbesondere Daniel Vujanic großen Einfluss aus.
  • Der Song Filter zitiert mit dem Begriff "Innerweltskasten" den autistischen deutschen Schriftsteller Birger Sellin.

Liner-Notes

"willkommen zu etwas, was vielleicht so scheint wie (un)natürlich- konkrete dichtung, wenn töne fließen und worte in/um kindheitserinnerungen kreisen, buntschillernde, farbige gedankenblöcke, aber eben nur vage im moment der erstaufnahme durch den hörer. dementsprechend verhält sich der algorhythmus der klangfarben eher undurchdringlich, aber doch mit einer erfaßbaren befangenheit in den zu vermittelnden stimmungsbildern. es gibt die möglichkeit zur sehnsüchtigen dechiffrierung der wechselwirkung von melodik + harmonik + rhythmik + X, als brückenschlag wohin auch immer... vom frühstückstisch zum genpool, zum kollektiven unterbewußtsein und wieder zurück in einer songlänge. hier kommen kleinste teilchen zu emotionalen archetypen (oder ihren verbalen äquivalenten) und werden transformiert. neurotische momente der panik oder fieberhafte sommereuphorie in ton, überfallartig aufflammend von schönhäßlicher größe, nur um gleich wieder zu verschwinden. fließend weil sie nicht mehr bedeutung beigemessen kriegen, als in einem bestimmten rahmen erforderlich und eben schön. so kommt ein musikalischer sonntagsfahrer in seinem mittelklassewagen leicht unter die räder. evolution ist opportunistisch, musik auch. wir kommen zum vers - refrain schema; dieses schon totgeglaubte alte mumifizierte musikalische betriebssystem, dieses im lecker drei minuten format gepackte etwas, genannt song, der richtige ist besser als die favorisierte eiscreme in sommerhitze, existenzieller als ein voller tank um zu entkommen, wichtiger als die nummer der ex, wenn nichts mehr geht und brauchbarer zum einschlafen als eine palette lieblingsdrogen. aber so wie eine ratte im käfig sich verläuft können auch songs nirgendwohin führen, wenn sie vor stumpfsinn verkommen, auf der pathosstreckbank der langeweile liegen, nur um sie der vermittelbarkeit wegen leichter unter die leute bringen zu können. so kann man leicht ertränkt werden in einem transparenten widerlichen strom von manierlich - aufgeblähten toten immitaten von so etwas wie songs. wo bleibt die fühlbare befangenheit? herz und lunge? kopf und hände? wo werden welche parameter ausgesetzt, wenn stil versus kurzweiliges vergnügen steht. und wozu? wieso sind die mittel interessant? wie manifestiert sich emotion in bewegung (motion)? ist das transformation von information die für sich selbst belanglos ist? kein aufguß von gehörtem, eher ausfluß von hörenswertem. danke."

Literatur

  • Daniel Vujanic: Panoramakonzentrate und andere Gedichte. Erschienen 1998 im Lautsprecherverlag (ISBN-10: 3932902033; ISBN-13: 9783932902031). Enthält die Texte zum Album und andere Gedichte des Autors.

Weblinks

Quellen

  1. http://de.wikipedia.org/wiki/Musique_concrete
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