Slim Whitman

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Ottis Dewey Whitman Jr. war ein amerikanischer Countrymusiker, der 1924 in einem Vorort von Tampa in Florida, USA, geboren wurde und besonders für virtuose Jodelpassagen in seinen Songs bekannt war. Bis 1991 gab es Studioalben, manche von den späteren wurden mit seinem Sohn Byron Keith Whitman eingespielt. 1958 erschien die erste LP, 2010 mit Twilight on the Trail das letzte Album und das erste Studioalbum nach 19 Jahren mit raren älteren Aufnahmen. Whitmans Stimmumfang betrug drei Oktaven. Er konnte auch sehr gut pfeifen.[1] Bis zu seinem Tod im Februar 2013 lebte er in der Nähe von Middleburg in Florida, einem Vorort von Jacksonville.[2]

Elvis Presley tourte zu Beginn seiner Karriere im Vorprogramm von Whitman. Zu Whitmans erklärten Fans gehörten Michael Jackson, Whitman fand sich auf der Liste seiner zehn Lieblingssänger, George Harrison, für den Whitman der erste Gitarrenspieler gewesen sein soll, den er überhaupt sah, und gehört Paul McCartney, der seine Art des Gitarrenspiels zum Teil Slim Whitman zu verdanken hat.[3] Daniel Johnston erwähnt Whitman in Wild West Virginia (1981).

Biografie

Als Kind und Jugendlicher hört Whitman im Radio Montana Slim, Gene Autry und Jimmie Rodgers. Insbesondere Jimmie Rodgers veranlasst ihn dazu, Jodelpassagen Ton für Ton nachzusingen. Mit siebzehn heiratet er die Tochter des ortsansässigen Priesters, Geraldine "Jerry" Crist, mit der er bis zu ihrem Tod 2008 verheiratet ist und die einige seiner Coversongs ausgesucht hat. Erst arbeitet er als Industriearbeiter und verliert bei einem Arbeitsunfall einen Teil des Mittelfingers seiner linken Hand, er interessiert sich für eine Profikarriere als Baseballspieler, bis er dann 1943 zur Navy eingezogen wird. Auf der USS Chilton findet er im Südpazifik eine Gitarre und ist fortan für die Unterhaltung der Besatzung zuständig. Nach dem Krieg arbeitet er an einer Werft und fängt im Alter von 23 Jahren an, professionell Musik zu machen. Entdeckt wird er von Elvis Presleys späterem Manager, der ihn der RCA vermittelt, wo er 1949 seine erste Single I´m Casting My Lasso Towards the Sky veröffentlich. Über sein anfängliches Stottern und seine Schüchternheit hilft ihm Hank Williams hinweg, den er 1950 trifft.

Bis Mitte der 1950er Jahre ist Slim Whitman mit romantischen Countrysongs am populärsten. Er ist einer der wenigen, die die Tradition des Jodelns, das seit jeher mit der amerikanischen Countrymusik verbunden war und zu Beginn der 50er Jahre auszusterben droht, erhalten.[4] Die Coverversion Indian Love Call erscheint 1952, bringt es bis auf Platz 2 der amerikanischen Countrycharts und ist zugleich auch in den Top Ten der Popcharts vertreten. Weitere Singles folgen.

1954 arrangiert er den Titelsong aus der Filmoperette Rose-Marie von 1924, von der in diesem Jahr das dritte Remake in die Kinos kommt. Mit der Coverversion hält er von 1955 bis 1991 den Rekord für die längste Nr. 1 UK-Chartspositionierung. 1957 hat er mit Unchain my heart einen Auftritt im Filmmusical Jamboree. Mitte der 1950er bis Mitte der 1960er sind Whitmans Songs vielen Musikfanatikern und auch den Medien, die das Augenmerk auf neue Entwicklungen im Rock'n'Roll richten, zu fremdartig und entfernt. Zeitweise mischt sich aber auch bei Whitman ein wenig der Rock'n'Roll ein, so bei I Remember You von 1966.[5]

Seit den 1970er Jahren werden viele von Whitmans Studioaufnahmen zunehmend kitschig, wozu die sehr sauberen Produktionen der Songs beitragen. Solche Songs gleiten zum Teil ins operettenhafte oder schnulzige ab. Diese musikalische Richtung verfolgt er konsequent bis hin zur Adaption von Weihnachtsliedern[6] in höchster denkbarer Professionalität bei der Erfassung von Hördispositionen. Er spielt aber auch andere Stile und Substile, wie zum Beispiel irische Folklore und bringt entsprechende Impulse in den Country ein.[7] Seine Popsongs sind grundsätzlich sehr glatt produziert, während die Country-Aufnahmen auch Anzeichen einer musikalischen Subkultur vorweisen und dementsprechend etwas rauher gemischt sind. Seit den 1980 Jahren erschienen nicht mehr viele neue Aufnahmen, dagegen hauptsächlich Compilations, die zum Teil aggressiv beworben wurden.[8]

Musik

Whitmans Songs zeugen von hohen Songwriter-Qualitäten, die Virtuosität, die sich im Gesang niederschlägt, ist auch prägend für die Art und Weise, wie er bodenständige Country-Songs schreibt und arrangiert. Seine Vortragsweise, seine ganze Erscheinung, wie auch seine Musik sind von einer fremdartigen Stimmung durchzogen, die mit dazu beigetragen haben dürfte, dass seine Musik für zwei Alienfilme und einen Zombiefilm verwendet wurde (Liste Abschnitt unten). Heimatverbundenheit ist in seinen Songs mit überweltlicher Religiosität so verbunden, dass der Eindruck einer Diskrepanz oder Alienisierung zustande kommen kann, die aber intentional nicht vorliegt. Slim Whitman war aktives Mitglied der Brethren Kirche.[9] 1993 wurde seine Musik von Beavis & Butthead aufgegriffen.

Slim Whitman war Erfinder des sogenannten Shooting Arrows, indem er einen Ton, der von Hoot Rains, dem Electric Steel-Gitarristen seiner Backing Band, an der Gitarre versehentlich überzogen wurde, in vielen seiner weiteren Songs integrierte. Diese auch „Singing Guitar“ genannte Technik der Hawaiigitarre wurde in der Folge zu einem Markenzeichen des Country überhaupt. Der Shooting Arrow ist nicht zu verwechseln mit „Hawaiigitarre“ (dem Instrument) oder dem Sliden selbst, sondern eine spezifische Art des Slidens, bei der nicht der nächste Ton zum Zielpunkt wird, sondern ein einzelner Ton in eine Richtung, zumeist aufsteigend, überzogen wird, bis eine oft sehr hoch liegende, singende Frequenz erreicht ist. Zu hören ist das zum Beispiel gleich zu Beginn in Indian Love Call.[10] Die Entdeckung des Shooting Arrows war ein Glücksfall für Whitman, wo die singende Gitarre sehr sanfte und dennoch interessante Texturen zusammen mit den Jodelphrasen in den höchsten Registern der Stimme ermöglicht und zusätzlich ein deutliches Memorisierungspotential bietet. Die Drums werden, wie im Country üblich, sehr zurückhaltend eingesetzt, im Vordergrund steht der Besen. Drums standen unter dem Verdacht, zu laut und zu geräuschhaft zu sein.

"A yodeller, Whitman avoided the down on yer luck buried in booze songs, preferring instead to sing laid-back romantic melodies about simple life and love. Critics dubbed his style countrypolitan, owing to its fusion of country music and a more sophisticated crooning vocal style. Although he has recorded many western tunes, love and romance songs figure prominently in his repertoire.[11]

Das Image, dem er über 70 Jahre lang gerecht werden konnte, war das des erfolgreichen Countrystars, der trotz Verkäufe von über 100 Millionen Alben über Jahrzehnte weitgehend unbekannt blieb – weder Medienstar noch Geheimtipp. Er hat 537 Songs auf 167 Alben veröffentlicht (Diskografie bei Discogs, siehe Weblinks).

Line Up

Das erste Line Up bestand aus Anita Kerr (Klavier, Orgel), Chet Atkins (Violine), Jerry Byrd (Steel-Gitarre) Henry D. Haynes (Gitarre) und Kenneth C. Burns (Mandoline). Später waren The Stardusters Whitmans Begeitband.

Slim Whitman covert

Songs in Kinofilmen

  • Rose-Marie, Titelmusik für den gleichnamigen Film von 1955.
  • Lovesong Of The Waterfall in Steven Spielbergs Unheimliche Begegnung der dritten Art (1977).
  • I'll Step Down in Karel Reizs' Who'll Stop the Rain (1978).
  • Indian Love Call und I'm Casting My Lasso Towards The Sky in Tim Burtons Mars Attacks! (1996).
  • Indian Love Call in Gus van Sants Psycho (1998).
  • I Remember You in Haus der 1000 Leichen von Rob Zombie (2002).

Trivia

  • Nicht jeder seiner Songs enthält Jodelpassagen.
  • Einige seiner Platten sind noch als Schellack-Platten erschienen.
  • Whitman war in Europa und besonders Großbritannien, wo er bis 1991 zahlreiche Konzerte spielte, bekannter und beliebter als in den USA. Bis heute ist Whitman nicht in die Country Music Hall of Fame aufgenommen, hat jedoch einen Stern auf dem Walkway of Stars des Museums, sowie auf dem Hollywood Walk of Fame.
  • Es gibt zwei Gospelsongs auf Afrikaans, die in Südafrika aufgenommen wurden.
  • Es gibt eine Narzisse / Osterglocke, die nach ihm benannt ist.[12]
  • Slim Whitman war Autodidakt und hat als Rechtshänder das Gitarrespielen mit der linken Hand erlernt.
  • "I’d like the people to remember me as having a good voice and a clean suit."[13]

Labels

RCA, Imperial Records, United Artists, Epic, Suffolk Records.

Diskografie

Vollständige Diskografie bei Discogs [14].

Einzelnachweise

  1. vgl. auch Loren R. Knapp – Slim Whitman Biographie [1] bei Slimenet.com
  2. Patrick A. Cox – Middleburg FL [2] Spazierfahrt mit dem Auto 2011 durch Middleburg bei Youtube, Uploader: patrickacox
  3. Sammlung von Biografien [3] bei Answers.com
  4. Artikel Yodeling [4] bei der en.wiki
  5. Slim Whitman – I Remember You [5] Live mit Ankündigung bei Youtube, Uploader: wim28061950
  6. Slim Whitman – White Cristmas (Irving Berlin) [6] bei Youtube, Uploader: wim28061950
  7. Irish Songs the Slim Whitman Way/Reminiscing [7] Aufnahmen aus den 1960ern, re-released 2004, Profilseite bei allmusic
  8. Slim Whitman Commercial 1980 [8] historisches Advertisment bei Youtube, Uploader: jasonmsalas1971
  9. "Slim strongly believes in doing recordings that he wouldn't be ashamed to sing in church." [9] bei Slimenet.com
  10. *Slim Whitman – Indian Love Call [10] bei Youtube, Uploader: Memories64
  11. Diverse Biografien [11] bei Answers.com
  12. Osterglocke "Slim Whitman" / Daffodil Bulbs (Large Cupped) – "Slim Whitman" [12] bei Edenbrothers.com
  13. Diverse Biografien [13] bei Answers.com

Weblinks

Links im Juli 2017.