Parole trixi

Aus indiepedia.de
Wechseln zu: Navigation, Suche

Parole Trixi war eine in Hamburg gegründete Band. Inspiriert von der US-amerikanischen Riot-Grrrl-Bewegung, spielte Parole Trixi deutschsprachige Rockmusik mit sowohl punkigem als auch avantgardistischen Einschlag. Kopf der Band war Sängerin, Gitarristin und Texterin Sandra Grether, die mit wilder Bühnen-Performance, eigenwilligem Gesang und sloganhaften, lyrischen Texten polarisierte. Anfangs wurde der Bandname mit „e“ am Ende geschrieben, also „Parole Trixie“.

Geschichte

Die Band entstand im Herbst 1998. Grether traf in einer Hamburger Szenebar den Schlagzeuger Elmar Günther, den sie nach Interviewaussagen nur ansprach, weil er „zu hellblond gefärbtem Haar ein rotweinbeflecktes weißes Hemd, Herzchenkette und einen rosa Schulranzen trug und wie ein Riot Boy aussah.“ Bald sollte sich herausstellen, dass er „zu den besten Schlagzeugern Hamburgs“ gehörte.[1]

Gemeinsam mit der ehemaligen Lassie-Singers-Sängerin Almut Klotz und der ehemaligen Fünf-Freunde-Schlagzeugerin Sandra Zettpunkt war das erste Line-Up komplett, und es wurde bereits im Frühjahr 1999 die erste Tour durch fünf verschiedene Länder absolviert; sie war gleichzeitig auch eine Lese-Tour, wo eigene Riot-Grrrl-inspirierte Manifeste und Texte vorgetragen wurden.

Musikalisch orientierte sich die Gruppe von Beginn an an den „Riot Grrrls“, also z. B. an den Bands Sleater Kinney und Hole, sowie an deutschsprachigen poetischen Acts wie Blumfeld und Ideal. Parole Trixi legten Wert auf lyrische Texte, „wilde Messages“ und ausufernde Gitarrensoli. Nach Almut Klotz’ baldigem Ausscheiden kam Christine Schulz, eine virtuose Gitarristin, in die Band.

Bassistin Sandra Zettpunkt wurde bald ersetzt durch Jule Kruschke (später eine renommierte Comic-Zeichnerin); diese wurde ihrerseits nach zwei Jahren von der vormaligen Schlampen-Ficken-Besser-Sängerin und -Gitarristin Cordula Ditz ersetzt.


Album

In dem Line-Up Sandra Grether, Elmar Günther, Christine Schulz und Cordula Ditz veröffentlichte die Band ihr Album Die Definition von Süß auf Alfred Hilsbergs Label What’s So Funny About Das Album stieß auf ein gemischtes Presseecho. Alex Bohn schrieb in der Jungle World:

„Dabei drängt sich das Urteil »völlig überflüssig« bei der ersten Begutachtung von »Die Definition von Süß« förmlich auf. (…) Vergesst das Platteninfo. Parole Trixi machen Musik. Mehr nicht. Aufregende Musik.“[2]

Ihr Zeichentrick-Animations-Video zu der Single Seid gegrüßt lief regelmäßig auf Viva und Vivaplus. Die Refrain-Zeilen des Songs lautet: „Seid gegrüßt, junge Frauen von heute / ich hoffe, irgendwann bereut Ihr's / wenn alles, was Ihr seht, / nur noch aus Klischees besteht“.


Riot Grrrl

In einem Interview erzählt Sandra Grether, wie es sich in der ersten Hälfte der 2000er Jahre angefühlt hat, in Deutschland die amerikanische Riot-Grrrl-Bewegung in eine eigene Sprache und eine eigene Musik zu übersetzen und auf hiesige Verhältnisse zu übertragen. Sie bezeichnet Parole Trixi als „utopistischen Entwurf“. Dabei sei es ihr immer wichtig gewesen, so viele Mädchen und Frauen wie möglich zu unterstützen. Zusammen mit ihrer Zwillingsschwester Kerstin Grether informierte sie in der Zeitschrift Spex über die dritte Welle des Feminismus und die vielfältigen Netzwerke, die dadurch für junge Frauen plötzlich in Europa und Nordamerika entstanden seien.[3]

Parole Trixi zeichnete sich durch eine sehr individuelle Ausgestaltung der Riot-Grrrl-Idee aus und wurde als „die einzig wahre deutschsprachige Riot-Grrrl“-Band bezeichnet.[4]

Parole Trixi haben mit „Seid gegrüßt“ 2002 eine Hymne an die Riot Grrrls veröffentlicht. Ja, die musikalische Nähe zu Hole und Sleater Kinney ist offenbar, der Text ist eindeutig unzweideutig. Die Hymne wäre aber nichts gewesen ohne das ganze Drum-Herum der Band. Das Drum-Herum heißt, dass die Band die Bewunderung für Courtney Love, Kathleen Hanna, Carrie Brownstein... immer wieder gerne betont haben. Es bedeutet, dass Sandra Grether unermüdlich in der Spex über Riot Grrrl geschrieben hat. Es bedeutet auch, dass die Band eng mit anderen Musikerinnen verbunden war bzw. die Mitglieder auch in anderen Bands spielten: Almuth Klotz natürlich bei den Lassie Singers und mit Rev. Dabeler. Sandra Zettpunkt z.B. bei 5 Freunde, Kajak und Camping. Sie ist bis heute als Radiomoderatorin musikalisch aktiv. Jule Kruschke ist als Zeichnerin von kritisch-feministischen Punk-Comics in der Kunst dabei. Und Sandra Grether? Sie hat gerade das Label Bohemian Strawberry mit gegründet, auf dem im Herbst das zweite Album von Doctorella erscheint. Parole Trixi haben also an alles Fronten gekämpft und haben so dafür gesorgt, dass Riot Grrrl, über 10 Jahre, nachdem es in den USA ausgerufen worden war, auch hier tatsächlich umgesetzt wurde. Bisher war es bestenfalls beschrieben worden, schlimmstenfalls kritisch beäugt oder verspottet worden.


Trivia und Referenzen

Ein Gastauftritt auf dem Album hat der Tocotronic-Sänger Dirk von Lowtzow, der im Refrain des Songs Mutter mitsingt.

Parole Trixi spielten von 1999 bis 2004 zahlreiche Liveauftritte, unter anderem mit Tocotronic, Blumfeld, Surrogat, Le Tigre, Blackmail und Tomte.

Die Abschiedstour von Parole Trixi fand unter dem Motto „Girls Got Rhythm“ statt, die gemeinsam mit den Bands Schlampen Ficken Besser und TGV sowie einem Leseprogramm von Sandra Grethers Schwester Kerstin durch 15 Städte führte; es wurde eine Abschiedssingle mit dem Song Lipstick Blues (Girls Got Rhythm, 7" EP) veröffentlicht.

Das Abschiedskonzert der Band fand am 27. Februar 2004 im Hamburger Knust statt. Die Auflösung der Band wurde unter das Motto „Mission erfüllt!“ gestellt.[5]


Discographie

Alben

2002: Die Definition von Süß (What’s So Funny About / Indigo) Beiträge zu Kompilationen

1998: Stolz und Vorurteil – A Compilation of Female Gesang, Gitarren und Elektronik (Flittchen Records) 2003: Girls Got Rhythm (7″-EP, What’s So Funny About)