Jonathan Fire*Eater

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Jonathan Fire*Eater war eine Indie-Rockband aus Washington (später New York City) und Vorgängerband der Walkmen. Die Band wurde 1993 gegründet und löste sich 1998 wieder auf.

Hintergrund

Die Geschichte der Band klingt ein wenig wie Stoff für das große Kino. Die Bandmitglieder kennen sich von Kindheit an und gründen bereits als Teenys eine Band mit dem Namen The Ignobles, mit der sie als Opener in Chicago vor Bands wie Lenny Kravitz und Fugazi spielen. Das erste selbstbetitelte Album erscheint 1995, zwei Jahre später mit Wolf Songs for Lambs das zweite und letzte Album. Außerdem sieben Singles und EPs. 1996 wird die Band noch von Calvin Klein hofiert und spielt vor Bands wie Pulp, Blur, Spiritualized und auch Suicide. 1997 erscheint das zweite Album auf David Geffens DreamWorks und wird von der Kritik als „lau“ verrissen. Im Sommer 1998 löst die Band sich auf. Ein Teil der Band gründet The Walkmen, Sänger Stewart Lupton betätigt sich ab 2005 als Sänger und Harmonikaspieler der Childballads und Tom Frank verschwindet in der Versenkung.

Musik

Des öfteren bauen die Stücke auf einer Gegenüberstellung von zwei, vom Gesamtklang her deutlich unterschiedlichen, Teilen auf, wie das zum Beispiel auch bei Royal Trux zu finden ist, von Refrain und Strophe ist dabei wenig zu spüren. Mix und Master sind, ganz entgegen den Prinzipien vieler Garage-Rock-Bands, bis in die Bässe sonderbar sauber und druckvoll ausgearbeitet. Der Gesang klingt oft ein wenig selbstverliebt, was an den Aufnahmebedingungen insgesamt liegen könnte. Auffällig sind viele Zitate, besonders von Gesangsfloskeln, die hauptsächlich Iggy Pop zugeschrieben werden können, dessen Stil auch insgesamt kopiert wird. Neil Hagerty oder sogar Peter Murphy von Bauhaus werden ebenfalls bemüht, zum Beispiel bei Limes and Skulls:

Limes and Skulls (1995) | zum Vergleich Bela Lugosi's Dead (1981) von Bauhaus [4] bei Youtube The Beautician (1996)

Auch Jon Spencers sangliche Eigenheiten finden sich bei Stewart Lupton wieder, zum Beispiel bei Romans & Barbarians, das auch ein wenig mit David Byrnes Gesangstechniken versetzt wird. Sehr spezielle und typische Eigenheiten von Iggy Pop finden sich unter anderem bei Lemonade. In beiden Fällen kann gefragt werden, ob mittels der Stilkopien denjenigen, die die Floskeln als originäre Äußerungen entworfen haben, nicht vielleicht zu nahe getreten wird:

  • Jonathan Fire*Eater – Romans & Barbarians [5]                         zum Vergleich History of Lies (1993) von der Jon Spencer Blues Explosion [6]
  • Jonathan Fire*Eater – Lemonade [7]                                           zum Vergleich Loose (1970) von den Stooges [8] alle Links bei Youtube

Das Hören kann sich auf diese Weise wie ein Ratespiel gestalten, auf welchen Sänger oder welche Band gerade verwiesen wird. Im Zuge diverser Retro- und Vintagewellen werden Jonathan Fire*Eater von allmusic als Revival eines Garage-Rock / Blues-Ensembles neben der John Spencer Blues Explosion und The Make-Up verhandelt. Die Musik selbst sei „fehlerhaft“: "Occasionally, the band's ambitions outweigh their achievements and they rely too much on style, not sound, but that's part of the point -- it's about the kitsch as much as the riffs."[1] Das eigentliche Problem ist möglicherweise eher, dass der hier so bezeichnete „Kitsch“ nicht als solcher kenntlich gemacht, vielleicht thematisiert, irgendwie herausgestellt oder kommentiert wird. Die Originale werden auf diese Weise als Teil des Bandsounds deklariert, ohne die Urheber zu erwähnen.

Aufstieg und Fall

Für Wolf Songs for Lambs wird eine Auktion für den höchstdotierten Majorvertrag in Gang gebracht. Jonathan Fire*Eater lehnen ein Angebot der Sony ab und landen für drei Alben bei DreamWorks, von denen bis heute nur ein Album verwirklicht wurde.[2] Der Band, die nach eigenen Aussagen zu den großen Rockbands aufsteigen will, wird der Rang der am schnellsten aufgestiegenen und am schnellsten wieder gefallenen Band verpasst. Die L.A. Times, die die Musik als „düster, fremdartig und unkonventionell“ beschreibt, vermerkt: “Possibly the most hyped young group that nobody has ever heard of."[3] Bei den Berichten über den Fall der Band mischt sich in vielen Fällen eine Art Schadenfreude über gescheiterte Starallüren vor der Zeit ein. Gefallen, so heißt es, sei die Band letztlich über einen Auftritt im Central Park, bei dem die Vorband The Martinis überzieht, bis das Publikum die Veranstaltung vorzeitig verlässt:

"The lack of a big, enthusiastic crowd sapped the set of its energy as Jonathan Fire Eater delved into reverb-drenched songs that rode on the lounge-lizard carnival sound of the organ and wound up smacking of a '60s British rock band gone garage punk in '70s Greenwich Village. [...] Shunning any kind of traditional pop-rock song structure, though, the group rarely gained any momentum during this disappointing show. In the end, Jonathan Fire Eater clinched its role as the band with the loudest buzz but little real-life bang."[4]

Der Traum von einer Band, deren Stücke in Karaokemaschinen auftauchen, ist auf einen Schlag beendet, da die Bandmitglieder offenbar nicht vor keinem Publikum spielen können. Das Label bescheinigt ihnen ein Wir-gegen-den-Rest-der-Welt-Image, diverse Vermarktungsversuche des Labels werden boykottiert. Wolf Songs for Lambs verkauft sich darüberhinaus deutlich schlechter als erwartet. Das Album selbst existiert jenseits von ein paar Liveversionen einzelner Stücke im Internet nicht. Als letztes erscheint 1998 eine DreamWorks-Promotion-Single mit dem Titel No Love Like That in zwei Versionen, die aber nicht zum Verkauf angeboten wird.

Besetzung

Stewart Lupton (Stimme), Tom Frank (Bass), Paul Maroon (Gitarre), Matt Barrick (Drums), and Walter Martin (Keyboards).

Diskografie

Diskografie [9] bei Discogs

Musikalisches Umfeld

The Recoys, Jon Spencer Blues Explosion, The Pale, The Make-Up, The Kills

Einzelnachweise

  1. Stephen Thomas Erlewine – Tremble under Boom Lights (1997) [1] bei allmusic
  2. Carl Swanson – Sorrows of a Coddled Rock Band: Jonathan Fire-Eater Burns Out (1998) [2] ausführliche Biografie beim Observer
  3. Sara Scribner – Lackluster Set Douses Hype Fueling Jonathan Fire Eater (Dezember 1997) [3] bei der L.A. TImes
  4. s.o., Sara Scribner bei der L.A. Times

Weblinks

  • Amy Haben – An interview with Stuart Lupton of Jonathan Fire*Eater (2015) [10] bei pleasekillme.com
  • Jonathan Fire*Eater Interview (ohne Jahr) [11] bei Youtube

Videos

  • Videosammlung [12] bei Youtube, Uploader: sampler1988, eingesehen am 16. April 2016
  • JFE – The Cakewalk of Crime (1995) [13] live bei Youtube
  • Jonathan Fire Eater – Make It Precious (1996) [14] bei Youtube

Links im Juni 2018.