Jazz

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Abgrenzung
Ursprünge: Blues, Gospel, Folk, Marschmusik
Herkunft: USA
Zeitraum: seit Anfang 20. Jahrhundert
Anders als: Jazzcore, Fusion

Einführung und Geschichte

Jazz entstand aus dem Zusammentreffen schwarzafrikanischer und europäischer Musiktraditionen und entwickelte sich Anfang des 20. Jahrhunderts in den USA und wurde in den 1920er Jahren bekannt und beliebt. Jazz wird manchmal sogar als Amerikas Klassische Musik bezeichnet.[1]

Aus der Vermischung der afrikanischen und europäischen Musik ergaben sich zunächst die Marching Bands (Brass Bands), die das wichtigste Stilmittel, die Improvisation, in die strenge europäische Form einführten. Die Marching Bands waren stark beeinflusst von der Militärmusik insbesondere John Philip Sousas.[2] Gleichzeitig entwickelte sich in der Melodie ein synkopisches Spiel. Das vor allem durch den Einfluss des Ragtime und des Harlem-Stride, der auf den Ragtime zurückgeht.

Als erste Hochburg des Jazz gilt New Orleans, in den 20ern verlagerte sich die Szene nach Chicago, wo er zunehmend „weißer“ wurde und seine Funktion als Tanzmusik immer mehr verlor, die Soloimprovisation wurde eingeführt. In den 30ern setzte sich allmählich der Swing durch, der mit der Entstehung von Big Bands verbunden ist und seine kommerzielle Hochphase zwischen 1940 und 1945 erlebte. In der Swing-Ära wurde die harmonische Basis ausgebaut, die Improvisation zunehmend auf Soli beschränkt und die Stücke wurden stärker durcharrangiert, um die Musik an den Geschmack eines breiteren Publikums anzupassen. Bekannte Stücke dieser Zeit wie In the Mood von Glenn Miller, Cotton Tail von Duke Ellington, Chattanooga Choo Choo von Harry Warren oder One O’Clock Jump von Count Basie entwickelten sich später zu Jazz-Standards.[3]

In den 1940ern knüpfte der Bebop an die improvisatorische Entwicklung an und erneuerte den Jazz auch auf Grundlage eines erstarkenden politischen Bewusstseins der Schwarzen. In den 1950ern entwickelten sich unterschiedlichste Stile, von denen sich Cool Jazz und Hard Bop am ehesten durchsetzen konnten.

In den 1960ern brach man schließlich mit Free Jazz alle Regeln. Nach dieser Zeit der größtmöglichen musikalischen Experimentierfreudigkeit, die kommerziell keine großen Erfolge verbuchen konnte, weil die Ergebnisse of entsprechend schwer zu hören und zu verstehen waren, entwickelte sich in den 1970ern der Jazzrock. Die Fusion von Jazz mit der eingänglicheren Rockmusik führte zu größerer Breitenwirkung. In den 1990er Jahren floss Jazz erfolgreich in die elektronische Musik ein, vor allem im Downtempo-Bereich erreichte man so ein neues Publikum.

New Yorker Jazzkrieg

Der New Yorker Jazzkrieg, der von 1994 bis Mitte der ersten Dekade dieses Jahrhunderts andauerte, wurde zwischen den (Swing und Hardbop-) Neotraditionalisten, insbesondere dem Mainstreamjazzer Wynton Marsalis und den Avantgardisten um Lester Bowie lebhaft ausgetragen. Während Marsalis die Entwicklungen des Free Jazz und der Fusion ablehnte ("Miles Davis was a Rock Star") und auf John Coltrane und Thelonious Monk zurückging, spielte Lester Bowie in den verschiedensten Stilen. Zwischen den Fronten etablierten sich neue Musiker.

Gegenwart

Seit den 90er Jahren bis heute lässt sich eine zunehmende Entgrenzung des Jazz nachvollziehen. Durch Übergriffe auf andere Stile entstehen Mischformen wie Electroswing, Nu Jazz oder Pop Jazz. Archie Shepp bescheinigte dem Jazz der Gegenwart bereits in den 90ern ein Zombiedasein:

"Der Jazz ist tot! Ich würde sagen, dass der Rapper den Jazzmusiker ersetzt hat. [...] Jazz hat jedenfalls keinerlei Einfluss mehr auf das Leben der afroamerikanischen Kids."[4]

Wichtige Akteure

Wichtige Musiker:

Aktuelle Strömungen

Modern Creative, Ethno-Jazz, Neotraditionalismus, Neoklassizismus, Acid Jazz, Downtown, Imaginäre Folklore, M-Base, Nu Jazz, Smooth Jazz bzw. Pop-Jazz, Jazz-Rap, Electroswing

Musiker Gegenwart

James Carter, ‪Vijay Iyer‬, Steve Coleman, World Saxophone Quartet, Cyrus Chestnut, Graham Haynes, M-Base, Greg Osby, Peter Bernstein, ‪The Blue Note 7‬, Ravi Coltrane, ‪SFJazz Collective‬, Ambrose Akinmusire, Joe Lovano, Christian McBride, John Hollenbeck, Guillermo Klein, Vince Mendoza, Chris Dingman, Tyshawn Sorey, Warren Wolf

Siehe auch

Literatur

  • Joachim-Ernst Berendt, Günter Huesmann: Das Jazzbuch. Von New Orleans bis ins 21. Jahrhundert. Fischer TB, Frankfurt am Main 1991; letzte Auflage 2011
  • Christian Broecking – Respekt! (Verbrecher-Verlag 2004) [4] bei amazon

Einzelnachweise

  1. Grover Sales – Jazz: America’s Classical Music (1984), 6€ bei amazon [1]
  2. SABA Marching Band Sousa Concert March Part 1 [2] Medley bei Youtube
  3. Die bekannteste aller Sammlungen von Jazzstandards ist das berühmt-berüchtigte Real Book, zunächst eine lose Sammlung von Klassikern des Jazz, dann bis heute „die Bibel“ der meisten Jazzmusiker.
  4. Fire Music [3] bei Wildcat

Weblinks

  • Artikel [5] bei der de.wiki
  • JJA Jazz Awards 2012 Nominees & Winners [6] bei JJajazzawards.org