Horaţiu Rădulescu

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‪Horaţiu Rădulescu‬ (*1942 in Bukarest, ✝2008 in Paris) war ein rumänisch-französischer Komponist, der besonders für seine mikrotonalen und Spektralkompositionen seit 1969 mit Schwerpunkt auf elektroakustischer Musik bekannt wurde. ‪Rădulescu‬ wird als Mitbegründer der Spektralmusik gesehen. Im Gegensatz zu Gérard Grisey und Tristan Murail, die sich schließlich nur noch als Klangforscher verstanden wissen wollten, suchte ‪Rădulescu‬ nach einer philosophischen und auch religiösen Fundierung seiner Musik. Das von ihm selbst 1983 gegründete European Lucero Ensemble widmet sich seit ‪Rădulescu‬s Tod seiner Musik.

Biografie

‪Rădulescu‬ wurde in Bukarest geboren und bekam Privatunterricht an der Violine. Er studierte bis 1969 Komposition (spezifischer: Orchestrierung und formalisierte Musik[1]) in Bukarest bei Ștefan Niculescu, Tiberiu Olah und Aurel Stroë, die zu der Zeit bekannte Vertreter der evolvierenden Avantgarde-Szene in Rumänien waren.[2] Nach Abschluss des Studiums floh ‪Rădulescu‬ vor dem Ceaușescu-Regime nach Paris und erwarb 1974 die französische Staatsbürgerschaft. In den frühen 1970ern studierte er bei John Cage und Iannis Xenakis, bei György Ligeti und Karlheinz Stockhausen im Rahmen der Darmstädter Ferienkurse, sowie bei Luc Ferrari und Mauricio Kagel in Köln. Seitdem werden seine Kompositionen regelmäßig aufgeführt. 1972 / 73 präsentierte er seine Musik in Olivier Messiaens Pariser Kompositionsklasse. Messiaen selbst nannte ‪Rădulescu‬ „einen der originellsten jungen Musiker unserer Zeit“.[3] 1979 bis 1981 studierte er Algorithmische Komposition und Psychoakustik am Pariser IRCAM. Mitte der 1980er lebte ‪Horaţiu Rădulescu‬ in Freiburg, 1988 in Berlin und 1989 / 90 als Dozent der Villa Médici in San Francisco und Venedig. Mitte der 1990er lebte er in der Schweiz und starb schließlich in Paris.

Musik

Taaroa von 1969 war Radulescus Abschlussarbeit in Bukarest, die wegen der Themenwahl als „mystisch und sogar imperialistisch“ kritisiert wurde.[4] Credo for nine cellos (1969 - 1976) war das erste Werk, in dem ‪Rădulescu‬ mit Techniken der Spektralmusik arbeitete: The technique "comprises variable distribution of the spectral energy, synthesis of the global sound sources, micro- and macro-form as sound-process, four simultaneous layers of perception and of speed, and spectral scordaturae, i.e. rows of unequal intervals corresponding to harmonic scales" (Horaţiu Rădulescu‬, 1993).[5]

Viele seiner Stücke entstanden als Reflektion eines „virtuellen und sublimierten Rumänien“ und verwendeten seit 1996 auch folkloristische Motive rumänischer Musik.[6][7] Radulescus Arbeiten sind ebenso im Bereich der Mikrotonalität einzuordnen. Eine seiner kompositorischen Absichten war es, entgegen der Trennung monodischer, polyphoner und heterophoner Rhythmen, einen konstanten Flow zu komponieren. Zu diesem Zweck hat er dann auch Obertöne aus komplexen Akkorden isoliert und horizontalisiert, die Instrumente mussten zum Teil nach Stimmung der Partialtöne umgestimmt werden. Seit Beginn der 1990er beschäftigte sich ‪Rădulescu‬ mit selbstgenerativen Methoden, er hat auch die Terminologie der zeitgenössischen Musik maßgeblich mitgeprägt. Ursprünglich auch von Pierre Boulez und Stockhausen beeinflusst, entfernte er sich später von deren musiktheoretischen Auffassungen:

"I think the generation of Boulez and Stockhausen is a lost generation, in between big trends of the Kunst. They change all the time their skirts, their jacket, they do not believe in one way. Boulez is believing so much in the serial scale of twelve that the whole history of music for Boulez was only on millimetric paper, whereas the spectra are on logarithmic paper; the distances between the sounds are measured on logarithmic paper. This is my invitation for everybody, to agree to the natural model. Which is logarithmic. And I think that some Indians and some Byzantine, they were very close to this, intuitively. Even if they do it in another way, they divide the octave in seventy-two or sixty-eight and they take twenty-two or eighteen." (‪Horaţiu Rădulescu‬, 2003)‪[8]

Viele von Rădulescu‬s Werken beschäftigen sich mit Lao-Tses Tao Te-King (der englischen Übersetzung durch Stephen Mitchell) und dem Daoismus generell.

Einflüsse / Siehe auch

Edgar Varèse, Spektralmusik, Algorithmische Komposition, Elektronische Musik, Giacinto Scelsi, György Ligeti, Anton Webern, Gottfried Michael Koenig, Schillinger-System, Texturalismus, John Cage, Serielle Musik, Postserielle Musik, Live-Elektronik

Literatur

  • Radulescu, Horatiu. 1975. Sound Plasma – Music of the Future Sign, Munich: Edition Modern.
  • Radulescu, Horatiu. 1985. Musique de mes univers, Silences 1:51–56.
  • Radulescu, Horatiu. 1993. Liner notes for Horatiu Radulescu
  • Radulescu, Horatiu. 2003. Brain and Sound Resonance: The World of Self-Generative Functions as a Basis of the Spectral Language of Music, in: Annals of the New York Academy of Sciences, Vol. 999, Dezember 2003, Seiten 322-363.[9]
  • Toop, Richard. 2001. Radulescu, Horatiu. The New Grove Dictionary of Music and Musicians London: Macmillan.

Diskografie

  • Liste von Kompositionen [6] bei Horatiu Radulescu

Einzelnachweise

  1. Artikel Horaţiu Rădulescu‬ [1] bei der de.wiki
  2. Biography [2] bei Horatiu Radulescu
  3. Bob Gilmore – Wild Ocean (2003) [3] Interview bei Horatiu Radulescu
  4. Die Abschlussarbeit Taaroa befasste sich mit dem gleichnamigen Schöpfergott aus einem französisch-polynesischen Mythos, ebd.. Französisch-Polynesien ist bekannt für die Atomwaffentests, die Frankreich dort 1966 bis 1996 vornahm.
  5. Bob Gilmore – Wild Ocean (2003)
  6. ebd.
  7. Die Emigration wurde von ihm auch als „inneres Exil“ beschrieben, vgl. Bastian Tebarth, Anm. oben
  8. vgl. Liner Notes [4] bei Horatiu Radulescu
  9. Publikationen: Übersicht mit kurzer Inhaltsangabe [5] bei Horatiu Radulescu

Weblinks

  • Homepage [7] bei Horatio Radulescu
  • Beispiele zur Notationsweise von ‪Rădulescu‬ [8] bei Horatiu Radulescu
  • Profil [9] bei Discogs

Links zuletzt am 12. Januar 2016 eingesehen.