Europa

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Europa (aus dem orientalischen Sprachraum von erebu, erob, ereb = dunkel, Abend inbezug auf die Sonne, den Sonnenuntergang) kann aus der Musikgeschichte heraus als Ursprungskontinent der meisten heutzutage weltweit medial vermittelten Musik neben Afrika gelten, was die musikalische Gestaltung – Komposition, Arrangement und Ausführung – betrifft. Musik aus asiatischen Ländern spielt in den westlichen Industrienationen eine wesentlich geringere Rolle als es umgekehrt der Fall ist, ebenso Musik aus den anderen Kontinenten. Musik aus den USA wird auch heute oft noch als grundsätzlich nicht genuin verstanden, soweit es nicht indianische Musik und einige im 20. Jahrhundert entwickelte Genres und Stile betrifft (siehe unten).

Temperierte Stimmungen

Vielleicht ließe sich behaupten, dass ein großer Anteil der Erfolgsgeschichte der europäischen Musik der Entwicklung der temperierten Stimmungen bis hin zur wohltemperierten Stimmung gegen Ende des 17. Jahrhunderts durch Andreas Werckmeister und ihrer Umsetzung und Entwicklung durch Johann Sebastian Bach zu verdanken ist. Die bis dahin vorhandenen Kirchentonleitern und reinen Stimmungen wurden durch ein Toleranzsystem in der heute üblichen Dur / Moll - Verteilung abgelöst, wodurch es möglich wurde, unterschiedliche Skalen miteinander zu vereinbaren und zu verbinden. Ein übliches Tasteninstrument der Zeit konnte damit so gestimmt werden, dass es möglich war, den gesamten Quintenzirkel zu bedienen.

Französische Revolution

Mit der Französischen Revolution 1789 wurde Musik in Europa zum einen von der bis dahin üblichen Vortragsweise und zum anderen von den Orten gelöst, an denen sie stattfand, zugleich wurde das einfache Volk in die Konzertsäle gelassen. Dadurch entstand zum erstenmal akut die Notwendigkeit, die Instrumente den größer werdenden Sälen anzupassen. Aus dem Cembalo entwickelte sich das Piano Forte, dann der moderne Flügel.

Grammophon

Die Rezeption europäischer Musik in anderen Kontinenten dürfte bis spät ins 20. Jahrhundert weitgehend von imperialistischen Bestrebungen geprägt gewesen sein. Eine nicht unerhebliche Rolle hat dabei der Phonograph gespielt, der Ende des 19. Jahrhunderts von Thomas Alva Edison vorgestellt wurde (bzw. das Grammophon von Emil Berliner).[1]

Einflüsse aus anderen Kontinenten

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts beschäftigten sich die ersten europäischen Komponisten mit außereuropäischer Musik, in den 1950er Jahren wurde die Beschäftigung mit außereuropäischen Musiken populär. Seit den 1960ern war es ein erklärtes Bestreben der bekanntesten englischen Bands, eine Tour in den Vereinigten Staaten zu erreichen, das wurde als Sprungbrett nach Amerika bezeichnet. Durch den Psychedelic Rock, der sich hauptsächlich mit asiatischer oder indischer Musik beschäftigte, erreichte eine Welle nicht-europäischer Musik den Kontinent. In den 1970er Jahren gab es im Rahmen der neuen Möglichkeiten und neuen Stilevielfalt exponentielles Interesse an nicht-europäischer Musik. London galt in den 1970ern auch musikalisch als Hauptstadt des Commonwealth, eine kulturelle Enklave und besonders auch Musikenklave – die Beziehungen zwischen Punk und Dub waren in London überall sichtbar und hörbar.[2] In den 1980er Jahren wurde schließlich der Terminus Weltmusik als ambitioniertes Projekt der musikalischen Völkerfreundschaft, aber auch zur Erweiterung musikalischer Möglichkeiten entworfen, bevor Weltmusik wieder als Sparte innerhalb der Popmusik verstanden wurde. Anfang bis Mitte der 1990er Jahre wurde für den europäischen Tanzmainstream der Terminus Euro-Dance aus dem Euro Disco entwickelt, beides wird auch als Eurotrash bezeichnet.[3] Spätestens mit den 90er Jahren kam aus den USA auch mehr Techno zurück – und das in Auseinandersetzung mit dem House – als von Europa aus dort angekommen sein dürfte. Der Antagonismus Chicago House vs. Detroit Techno gab die hauptsächlichen Impulse für weitere Entwicklungen in Europa. Siehe dazu den Artikel Chicago House und Detroit Techno.

Eine konturhafte europäische Musik als solche gibt es nicht, stattdessen ist die Rede von abendländischer Musiktradition. Seit Ende des 20. Jahrhunderts wird Musik in und aus Europa zunehmend multimedial vermittelt, Musik wird Teil einer übergreifenden Performance. Es scheint eine Dynamik zu geben, die für einen Ausgleich zwischen dem Bestand an Mainstream und Musik aus den Subkulturen sorgt. Es kann von einem regen Austausch zwischen diesen Bereichen die Rede sein, das Verhältnis von Fusionsbestrebungen und Diversifizierungen ist weitgehend in Balance.

Treibende Kräfte weltweit medial vermittelter Musik aus Europa sind Großbritannien und die Bundesrepublik Deutschland, maßgeblich war, besonders in der Prä-Billigflieger-Zeit, die Achse LondonHamburg. Der Eurotunnel zwischen Frankreich und England wurde erst 1993 fertiggestellt.

Rezeption in Westeuropa

Durch die Teilung Europas und der Welt nach dem II. Weltkrieg ist zunächst nur eine Teilansicht des Geschehens da, der andere Teil muss erschlossen werden. Für Westeuropa war in der Nachkriegszeit der Blick nach Amerika, den USA, naheliegend. Mit der Zeit etablierte sich eine, zum Teil nicht einfach nachzuvollziehende, Zuordnung von Beatmusik als besonders europäisch und Rock'n'Roll als amerikanische Musik. Ähnlich verhält es sich mit dem daraus entstandenen Begriffspaar Pop und Rock, wobei Popmusik tendenziell eher Europa zugeordnet wird. Independent steht als vornehmlich europäische Prägung dem us-amerikanischen Alternative gegenüber.

Ein typisch europäisches Phänomen ist neben dem erklärtermaßen ersten authentisch-europäischen Genre Electroswing der englische Rave, typisch amerikanisch Grunge. Weitere, Europa zugeordnete Genres, sind die Electronic Body Music und High NRG. Der Industrial kann in seinen Anfängen europäisch genannt werden. Möglicherweise ist europäische Musik in Europa derart dominant, dass sie kaum zu erkennen ist.

Deutschland

Für eine detaillierte Beschreibung der Musikszenen in Deutschland im 20. Jahrhundert bis 2008 vgl. Projekt:Portal Deutschland.

Brexit

Für die Musik der nächsten zehn Jahre kommen in Europa zwei Szenarien infrage: Eins für den Fall eines Brexit und eins, falls der Brexit nicht stattfinden würde. Nach einem Brexit würde sich zumindest die Populäre Musik in den nächsten zehn Jahren sehr viel stärker an osteuropäischen Ausdrucksformen ausrichten, als das bisher der Fall war. Mehr Männerchöre, mehr Seele aber auch, viel Apokalypse und Post-Apokalypse sowie eine Mystik, die unmittelbar in Verbindung mit ideologischen oder Systemfragen steht. Mehr Episches, mehr Kollektiv und Maschinenästhetik, billigere Produktionsmethoden. Mehr abgekupferter James Bond, mehr Pyrotechnik, Elektro und Electro. Weniger Nischen, weniger Privatheit und subjektives Gestimmtsein. Weniger lyrisches oder dramatisches Songwriting. Weniger Dub ... Das wäre im Fall eines Brexit zum Teil auch direkt umgesetzt, würde 2019 also relativ zeitnahe Grenzziehungen betreffen. Ein Widerstandsgefüge würde infolge umgewertet – die Formen britischen und irischen Widerstands, zum Beispiel der originäre Punk, mit denen, auch folkloristischen, in Osteuropa ausgetauscht. Eine postsäkulare Gesellschaft stellt sich darauf ein. Eine Schwächung derjenigen Stilrichtungen, die dem U.K. zuzuordnen sind und auch der Folgephänomene in den USA, zum Beispiel dem Hardcore, wäre absehbar und geradezu vollzogen. Der Futurismus ist nach wie vor die Stimme Osteuropas, was die Musik betrifft, so verrufen er ist. Auch in den Weltmusikszenen Afrikas sind zur Zeit Orientierungen am Futurismus zu bemerken. Einflüsse indischer Musik würden zurückgedrängt, soweit nicht ein Clan indischer Superreicher aus einem Spleen heraus sie über Jahre hinweg förderte. Im Ursprung war die Sithar, nicht die Sitharindustrie. Frankreich würde durch die kulturellen Verbindungen nach Polen und Russland profitieren. Über Frankreich würden arabische Einflüsse aus dem muslimischen Nordafrika stärker zur Geltung kommen, die Saz und harmonische Skalen. Skandinavien garantierte durch den Hang zum Klangereignis und zur Minimal Music die Verbindungen zu einerseits den USA und andererseits Südostasien. Die Spanier würden sich durch die sprachliche Nähe nach Südamerika in Richtung neue Insel Gesamtamerika nebst Kanada bewegen und wären mit ein wenig out. Australien würde zur Schweiz der Kontinentalpolitik erklärt. Die E-Gitarre ganz abgelöst oder fusioniert mit Saz. Die lyrische Musik Osteuropas ist mir jenseits der Folklore nicht oder kaum bekannt. Diese Fremdheit will aufgehoben werden, versteht sich. Das sozialistische Image des Ostens Europas stellt vielleicht ein Hindernis dar. Was hilft? LTI lesen lernen ... Lingua Terrae Incognitae. Da fängt vielleicht die Liebesgeschichte an.

The Stranglers – European Female (1982).

Trivia

Als Pseudo-Kulturimperialismus können vielleicht die Bestrebungen Christoph Schlingensiefs aufgefasst werden, eine Oper in einem Dorf in Burkina Faso zu errichten.[4] Aus Musik-only-Perspektive kann Europa als Synonym für die abendländische Musiktradition verstanden werden.

Namen, Titel, Texte

Veranstaltungen

Radiostationen

Bands, Alben, Songs

Einzelnachweise

  1. vgl. auch die Rolle des Grammophons in Werner Herzogs Fitzcarraldo [1] ab 0:43 min. Enrico Caruso (vermutlich Verdi) mit Burundi Black gemischt, danach Popol Vuh; Video bei Youtube
  2. zum Beispiel Basement 5The Last White Christmas (1980) [2] bei Youtube
  3. Michael GoddardEurotrash Between Trash Culture and the Avant-Garde: The Strange Case of Walerian Borowczyk, in: Rubbish, Waste and Litter: Culture and its Refus(e)als, Warsaw 2008 [3] bei Salford.ac.uk.
  4. Artikel Operndorf Afrika [4] bei der de.wiki

Weblinks

  • Michael Goddard et al. – Subcultures and New Religious Movements in Russia and East-Central Europe, Oxford [5] bei Academia.edu
  • Jean-Jacques Burnel von den Stranglers – Euroman Cometh (1979) [6] bei Youtube

Links im Februar 2019.