Electroswing

Aus indiepedia.de
Wechseln zu: Navigation, Suche

Electroswing ist eine Richtung der Elektronischen Tanzmusik, die sich seit 2005 abzeichnet, nachdem es kurz vor der Jahrhundertwende bereits ein Swing-Revival in der House-Szene und in der Folge Abgrenzungsbestrebungen zum populären Funky House gab. Es soll sich um das erste gesamteuropäische Genre der Populären Musik handeln, womit wahrscheinlich die Vielsprachigkeit und musikalisch-kulturelle Vielfalt des Electroswing gemeint sind.[1] Electroswing entstand zunächst in Deutschland und England, danach in Frankreich, inzwischen boomt das Genre weltweit. Die Szene beschäftigt sich mit Remixen der Musik der 1920er bis 1950er Jahre, insbesondere Bebop, Big Band und Swing.

"Electro-swing, on the other hand, sees the audience as stars or part of the experience. Dressing up in period garb is a great ice-breaker, making for a social experience for twenty-, thirty- and forty-something hedonists."[2]

Hintergrund

2004 bis 2012 veröffentlicht der österreicher Parov Stelar insgesamt sieben Electroswing-Alben auf seinem Label Etage Noir, es erscheinen unter anderem G-Swing, Waldeck und Caravan Palace. 2005 tritt er zum erstenmal mit einer Liveband auf.[3] In den folgenden Jahren wenden sich Musiker zumeist aus den Bereichen Minimal Techno, Downtempo, House, Drum'n'Bass, Lounge, Trip Hop, Hip Hop und Dubstep dem Sound und Stil zu[4]:

„Wir hatten zwei oder drei Bands zu Beginn, zuerst G-Swing, später Caravan Palace und Parov Stelar. Über die Jahre haben zahlreiche Produzenten und DJ's sich des Stils angenommen und jetzt gibt es hunderte Electro-Swing-Bands in Europa.“[5]

Ende 2006 erscheint Swing for modern clubbing von G-Swing.[6] 2009 bezeichnet Mixmag die Sampler Electro Swing (Wagram) und White Mink: Black Cotton (Electro Swing versus Speakeasy Jazz) auf Freshly Squeezed Music als Meilensteine des Genres, im November des gleichen Jahres eröffnet Chris Tofu den ersten Electro-Swing-Club in London. Mitte 2010 erscheint We no speak Americano von Yolanda Be Cool & DCUP (Electroswing light, "jaunty house hit built around 1940s Neapolitan jazz."[7][8]) und bekommt als Nr. 1 Hit in sechs europäischen Ländern massives Airplay europaweit, damit wird die Szene auch über die Massenmedien bekannt, Glitter und Glam sowie eine Szene mit den frivolen Flapper-Girls als ihren eigenen Punks[9] und einer weitgehend autarken Clubkultur. Hingabe an den Tanz als Lebensziel und -inhalt, eine Wiederauflage nicht nur des Swing, auch der Disco-Idee von Widerstand gegen die Gesellschaft („Tanzen ist wichtiger als Liebe.“), wie sie über den House der 1990er ins neue Jahrhundert getragen wurde.

Swinghouse

Swinghouse gab es seit Mitte bis Ende der 1990er Jahre, wo er in Clubs und auf Parties beliebt war. DJs und Acts aus der House-Szene interessierten sich für die Möglichkeiten, den hedonistischen Lifestyle der goldenen 1920er mit den Endlosparties der Techno- und Houseszene zu verschmelzen, was sich anbot, um Synergien zu schaffen.

Vorläufer des Electroswing sind: St. Germain, Ludovic Navarre, Jurassic 5, Mr. Scruff, FM Einheit, Greenskeepers / Mike Dixon

Musik

Electroswing wird zwar oft unter Verwendung der Originalinstrumente des Swing mit zusätzlichen elektronischen Beats gespielt, ebenso akut sind aber auch die Verwendung „billiger“ Tasteninstrumente und die oft trashigen Produktionen, wie sie beim vornehmlich amerikanischen Electro zu finden sind, der seinerseits auf Kraftwerk zurückgeht. Ebenso schließt das Phänomen zum Teil an EBM und Elektro an, was auch eine Voraussetzung dafür ist, das Genre authentisch-europäisch nennen zu können (siehe Einleitung).

Beim Electroswing finden sich auf einer Grundlage von Swing und House neben den bereits genannten Einflüsse aus Klezmer, Gypsy-Jazz, Tango, Easy Listening, Weltmusik, Ska, Raga, New Wave, Big Beat und Hardcore Techno. Auch die Produktionsweisen sind sehr unterschiedlich. Parov Stelar zum Beispiel samplet Originale und legt Elektrobeats dazu auf, als er unter dem Namen Plasma noch Minimal Techno produziert hat, stand ein Hänger auf einer Billie Holiday-Platte am Anfang seines Interesses an der Remix-Szene.[10] Die Franzosen Caravan Palace verwenden keine Samples, Burlesque, Tanz und Circusmusik fließen in ihr Verständnis von Electroswing ein usw.:

Parov Stelar – Booty Swing (2010), die europäische Pophymne[11] (trotz Zugriff auf den New-Orleans-Jazz).

DJ-Set Manu Bazán Cruz –Electro House music summer 2012 mix1 (Electro Swing House music) (2012)

In Berlin gibt es den Electro Swing Club in Kreuzberg, in einigen anderen Städten gibt es ebenfalls Electroswing-Clubs oder Parties.

Bands

Shemian, G-Swing, Waldeck, Caravan Palace, Parov Stelar, Lyre Le Temps, Kormac, KKC Orchestra, Tape Five, The London Swing Orchestra, Dirty Honkers, Electronic Swing Orchestra, Gramophonedzie, Caro Emerald, Chris Tofu, Squirrel Nut Zippers, Swing Republic, Electric Swing Circus, Alice Francis, Royal Crown Revue, The Correspondents, Electro Swing Lady, Sound Nomaden, Aviv Shwartz, Egokind, Odjbox

Diskografie

  • Top-Alben Electroswing [10] mit Coverabbildungen bei last.fm
  • Musiker Electro-Swing [11] bei last.fm

Siehe auch

Electrotango, Europa, Swing, House, Charleston, Neoswing, New Jack Swing, Nu Jazz, Bebop, Electro, EBM, Elektro, Remix, Techno

Einzelnachweise

  1. vgl. den Artikel Electroswing [1] bei der de.wiki
  2. Rahul Verma – Electro-swing - Tonight we're going to party like it's 1929 (2011) [2]
  3. Julia Eisold – Parov Stelar: Pionier des Elektro Swing (2012) [3] bei Kunst & Kultur. Der Blog für Kunst und Kultur.
  4. Artikel Electro swing [4] bei der en.wiki
  5. Swing Baby, Swing! DJ Chris Tofu beim Funkhaus Europa, zur Zeit nicht online verfügbar.
  6. Profil Swing for Modern Clubbing (2006) [5] bei Discogs
  7. Rahul Verma – Electro-swing - Tonight we're going to party like it's 1929 (2011) [6] beim The Independent
  8. Yolanda Be Cool & Dcup – We No Speak Americano (Official) (2010) [7] bei Vimeo
  9. Tracks: Aufstieg des Electro Swing (2013) [8] die Flapper-Girls als „Punks der 1920er Jahre“, ab 7:00 min. bei arte
  10. ebd.: Tracks ... (2013) [9] „die ersten Raver in den 1920ern“, ab 3:50 min. bei arte
  11. vgl. Anm. 2, Artikel bei der de.wiki

Weblinks

  • Electro Swing Revolution Radio [12] bei Electroswing-radio
  • Electro Swing Revolution [13] bei Electroswing-Revolution
  • Top Ten Electroswing Tunes (Juli 2012) [14] Videosammlung mit kurzen Kommentaren zur Musik bei Bassadelic
  • Electro Swing Club Open Air / 1. Mai 2012 [15] Tempelhof bei Youtube
  • Chris Inglis – The rise of Electro Swing, Why the sounds of the '30s and '40s are re-emerging in popular music (2014) und Sampling the Swing Era (2015) [16] bei academia edu. Scroll, Download nach Anmeldung

Links im Juli 2017.