Drill

Aus indiepedia.de
Wechseln zu: Navigation, Suche

Drill ist ein, dem Gangsta Rap verwandtes, Subgenre des Hip-Hop, spezieller des Trap, das sich in Chicago seit etwa dem Dekadenwechsel etabliert und 2012 popularisiert wurde. Der Begriff wurde vom Rapper Pacman geprägt, der 2010 erschossen wurde und bezeichnet umgangssprachlich die Verwendung von Maschinenpistolen. 2012, als Chicago (in der Szenesprache: Chiraq) zur Mordhauptstadt der USA erklärt wurde, erlebte das Genre einen unverhofften Aufschwung. Als Entwicklung aus dem Trap, der als fiktionaler Soundtrack für Orte gehandhabt wird, an denen Drogen verkauft werden, geht es zumeist um das Vorzeigen von Schusswaffen aller Art. Drill wird seit dem Auftreten von Chief Keef, Lil Durk, Fredo Santana, SD und Lil Reese als mainstreamkompatibler Nachfolger des Trap im Chicagoer Hip-Hop-Underground verstanden.[1]

Hintergrund

Als Auslöser der Welle wird oft Chief Keefs 3Hunna im Jahr 2012 genannt, der von Young Chop produziert wurde: „Auf einem von Hihats durchzogenen Bläser-Beat rappt Chief Keef über die Unantastbarkeit seiner Gang, während seine Freunde im Video Gras rauchen und die Hände zu Drohgebärden formen. Die Kombination aus Chief Keef‘s Charisma, dem bombastischen Beat und dem aggressiven Flair der Lyrics und des Videos verhalf dem Song zu einem rasanten Aufstieg in der Blogosphäre.“[2] Auch I don't like aus dem gleichen Jahr werden entsprechende Verdienste zugeordnet: Chief Keef (ft. Lil Reese) – I don't like (2012) [9] bei Vevo

Inzwischen finden sich Drill-Einflüsse in Mainstream-Produktionen bis hin zu Kanye West, Drake und Rick Ross. Als internationale Entwicklung entsteht seit 2015 im Zusammenhang mit dem Road Rap in London eine Drillszene.[3] Die Londoner Szene unterscheidet sich insofern von der Chicagoer, als dass keine Schusswaffen auf Kameras gerichtet werden, was in Großbritannien einen strafrechtlichen Tatbestand erfüllt.[4]

Musik

Die Musik enthält Dirty-South- und Trap-Elemente und ist mit einfachen Texten aus dem Gangsta-Millieu versehen, "nihilistic drill reflects real life where its squeaky-clean hip-hop counterparts have failed."[5] Ein Topos des Drill ist das Zeigen und Schießen und die Vorführung von Drohgebärden in Richtung Kamera. Als musikalische Einflüsse werden Produzenten aus dem Trap genannt, so zum Beispiel Lex Luger, Drumma Boy oder Zaytoven sowie Gucci Mane und Waka Flocka Flame. Der Beat ist ein wenig langsamer als beim Trap und bewegt sich zwischen 60 und 70 BPM, oft wird dabei doppeltes Tempo bemüht, die Schwerpunkte sind jedoch langsam. Ein Effekt, der besonders deutlich herausgestellt wird, ist das kurze Rattern des Closed HiHats der Roland TR-808, das auch über einen MPC oder einen ähnlichen Controller abgerufen werden kann. Des öfteren wird das Auto-Tune verwendet.[6][7] Oft wird der Bassbereich ausschließlich von der Bassdrum der 808 gefüllt oder aber eine Art Bassline von einem gepitchten Pseudo-808-Bassdrum-Motiv ausgeführt. Die Synthesizer und Motive der tongebenden Instrumente sind betont episch angelegt, die Effekte und Mixe fett und vielschichtig. Die Musik wird als „lyrisch, rhythmisch und emotional reduziert“ beschrieben, dabei „bedrückend und klaustrophobisch“.[8]

Slim JesusDrill Time (2015 einer der kontroversesten Drillmusiker)

Damn Right (2016)

Wie beim Trap, der deutlichen Einfluss auf die Szenen der Elektronischen Tanzmusik hatte, finden sich inzwischen Drill-Elemente in der EDM, so zum Beispiel bei Margaret Antwood:

  • Margaret Antwood – Work Focus EP (2015) [10] bei Soundcloud, hier wird der Drill auf die Oberheim-DMX-Bassdrum-Line von New Orders Blue Monday zurückgeführt (Blue Monday im New-Order-Artikel eingebettet).

Musiker

Slim Jesus, Chief Keef, Lil Durk, Fredo Santana, SD, Lil Reese, Lil Mouse, Lil Bibby, Lil Herb, King L, Southside, Tarentino, TayDaProducer, Young Chop, Smylez und weitere. In der Londoner Szene werden oft Ziffernkombinationen zur Namensgebung verwendet, so zum Beispiel 67, 410, 86, 150, 26 oder 83.

Einzelnachweise

  1. Artikel Drill music [1] bei der en.wiki
  2. Autor unbekannt – “Drill Music”: Aufkommen des Phänomens und Nachwehen des… (2014) [2] bei 16bars.de, Kommentar von Chiraq Boi: „Das Drill-Movement ist ausgelutscht. Es kam mit Chief Keef und es ging auch mit ihm wieder.“
  3. Vergleiche den Artikel Artikel Drill music [3] bei der en.wiki
  4. 67 – The Best Of UK Brixton Drill Music | Music Videos Mix | 150/410/67/86/17 (2015) [4] mit Kommentaren bei Youtube
  5. Lucy Stehlik – Chief Keef takes Chicago's drill sound overground (2012) [5] beim The Guardian
  6. "Drill autotune is usually more ominous sounding and less about the music, i.e. Fredo's out-of-tune autotune on "Jealous". Whereas artists like Migos use autotune in a more musical, melodic way, i.e. "M&Ms" or "No ****in Wit"." Aus dem Thread von ChanoHendrix – Drill Music vs Trap Music; An indepth look (2014) [6] mit Musikbeispielen bei kanyetothe.com
  7. Das Auto-Tune als Element des Drill: Artikel Drill music [7] bei der en.wiki
  8. Whet Moser – Coming to Terms With Chief Keef (2012) [8] beim Chicago Magazine

Weblinks

  • 5 Worst Rappers To Become Famous (2015) [11] bei Youtube
  • Thomas Winkler – Drill Music. Bang, bang, bang (2014) [12] beim Tagesspiegel
  • Eintrag Drill music [13] beim Urban Dictionary

Links im Mai 2017