Doepfer MS-404: Unterschied zwischen den Versionen

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[[Hardfloor]], [[Josh Wink]], [[Tok Tok]], [[⌒(ゝ。∂ ٩(ˊ〇ˋ*)و]], Atelier, General Elektro ... Die [[Berlin]]er Band ''Flexi'' hat drei 404en. Die Trash-Archive von [[Müll Records]], die am 1. Oktober 2019 erscheinen, bestehen zu 90% aus 404. 10 Prozent sind ok.
  
[[Müll Records|Mitzi "Yakuza" Mess]] in einem Kommentar bei [[Youtube]]: ''„Die 404 war über fast zwei Jahrzehnte eine tragische Maschine in unserer Hand. Sie hat die Musik und die Leistungen der anderen Synthesizer nachhaltig und langfristig immer wieder zunichte gemacht. Warum bloß wollten wir, wollte ich, dieser Maschine so lange aufs Neue eine Chance geben? Sie sozusagen retten vor dem jämmerlichen Zugrundegehen in die Archive unbedeutender Maschinen? Da fällt mir keine Antwort zu ein. Die 404 hat bis zu 80 % unserer Produktionen über die Jahrzehnte vernichtet. Die Alternative war bei Anschaffung die TB-303, die gebraucht das Dreieinhalbfache kosten sollte. Besser wäre es im Nachhinein gewesen, einen Kredit aufzunehmen. Ob sich das mit anderen Doepfer-Maschinen ähnlich verhält, kann ich nicht sagen, aber vermuten. Eine unfette, einfallslose, kalte und lieblose Maschine. Nach über zwei Jahrzehnten, wo ich versucht habe, der Maschine auf die unterschiedlichsten Arten und Weisen Leben einzuhauchen, habe ich sie vor Kurzem schließlich endlösungsmäßig zu den Akten gelegt und kalt entsorgt. Eine von vornherein tote Maschine. Die [[Novation BassStation|BassStation]], die in etwa das Gleiche gekostet hat, dagegen war über die Jahrzehnte jeden Cent und die meisten Einsätze wert. Selbst, wo man schon wusste, woran es lag, dass der Oszillator zu dünn war und die Spreizung nicht stimmte und die Maschine insgesamt kalt und herzlos ist, selbst da hat man noch versucht, weiter damit umzugehen. Warum bloß? Sowas sollte es eigentlich auf dem Markt gar nicht geben und es erinnert mich ein bisschen an den 909-Clone von Jomox – die XBase, auch ein Berliner Unternehmen. Dünn, porös, holzig und dafür kann sie alles Mögliche, was keiner je ernsthaft einsetzen will. Warum machen die Leute solche Maschinen? Und das ist das Irre, das lässt sich nämlich für jeden, der es wissen will, locker nachvollziehen, wenn er einmal versucht, eine Bassline, die zum Beispiel mit dem KORG MS-10 ausgeführt wurde, nachzusingen und das gleiche bei der Ausführung durch eine 404. Das liegt auch schon im Grundklang begründet, betrifft also sehr einfache Motive. Es fällt einem weit weniger schwer, ein Bassline nachzusingen, die mit dem MS-10 zum Beispiel gemacht wurde, als eine Bassline, die von der 404 ausgeführt wurde. Bei ähnlichen Bedingungen. Eine Zeitlang haben wir versucht, das Problem zu lösen, indem wir unwahrscheinliche Brechungen von LFO 1 und 2 eingestellt haben, wobei dann zwei, drei oder vielleicht auch vier Töne einer Skala gut klangen und zueinander passten, der Rest aber nicht. So kamen manche der Motive zustande. Der Geräuschanteil oder die Formantgestaltung bestimmten das Motiv mehr als die Tonhöhen. Alles, um von dreizehn auf zwölf zu kommen. Dadurch wurden dann aber auch langsamere Schwingungen berücksichtigt, die für spätere Entwicklungen unserer Musik interessant wurden. Am Ende hatten wir drei dieser ‚Frequenzschleudern‘ (Osti) und keiner wusste, wozu das gut war. Die haben wir dann auf Art der ''[[Survival Research Laboratories]]'', die Maschinen in Kuhhäute eingenäht und zur gegenseitigen Zerstörung gegeneinander gehetzt haben, aufeinander losgelassen.“''<ref>Kommentar vom 8. Juli 2018 zum ''Youtube''-Video für das Musikbeispiel.</ref>
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[[Müll Records|Mitzi "Yakuza" Mess]] in einem Kommentar bei [[Youtube]]: ''„Die 404 war über fast zwei Jahrzehnte eine tragische Maschine in unserer Hand. Sie hat die Musik und die Leistungen der anderen Synthesizer nachhaltig und langfristig immer wieder zunichte gemacht. Warum bloß wollten wir, wollte ich, dieser Maschine so lange aufs Neue eine Chance geben? Sie sozusagen retten vor dem jämmerlichen Zugrundegehen in die Archive unbedeutender Maschinen? Da fällt mir keine Antwort zu ein. Die 404 hat bis zu 80 % unserer Produktionen über die Jahrzehnte vernichtet. 80 mal 90 ... Die Alternative war bei Anschaffung die TB-303, die gebraucht das Dreieinhalbfache kosten sollte. Besser wäre es im Nachhinein gewesen, einen Kredit aufzunehmen. Ob sich das mit anderen Doepfer-Maschinen ähnlich verhält, kann ich nicht sagen, aber vermuten. Eine unfette, einfallslose, kalte und lieblose Maschine. Nach über zwei Jahrzehnten, wo ich versucht habe, der Maschine auf die unterschiedlichsten Arten und Weisen Leben einzuhauchen, habe ich sie vor Kurzem schließlich endlösungsmäßig zu den Akten gelegt und kalt entsorgt. Eine von vornherein tote Maschine. Die [[Novation BassStation|BassStation]], die in etwa das Gleiche gekostet hat, dagegen war über die Jahrzehnte jeden Cent und die meisten Einsätze wert. Selbst, wo man schon wusste, woran es lag, dass der Oszillator zu dünn war und die Spreizung nicht stimmte und die Maschine insgesamt kalt und herzlos ist, selbst da hat man noch versucht, weiter damit umzugehen. Warum bloß? Sowas sollte es eigentlich auf dem Markt gar nicht geben und es erinnert mich ein bisschen an den 909-Clone von Jomox – die XBase, auch ein Berliner Unternehmen. Dünn, porös, holzig und dafür kann sie alles Mögliche, was keiner je ernsthaft einsetzen will. Warum machen die Leute solche Maschinen? Und das ist das Irre, das lässt sich nämlich für jeden, der es wissen will, locker nachvollziehen, wenn er einmal versucht, eine Bassline, die zum Beispiel mit dem KORG MS-10 ausgeführt wurde, nachzusingen und das gleiche bei der Ausführung durch eine 404. Das liegt auch schon im Grundklang begründet, betrifft also sehr einfache Motive. Es fällt einem weit weniger schwer, ein Bassline nachzusingen, die mit dem MS-10 zum Beispiel gemacht wurde, als eine Bassline, die von der 404 ausgeführt wurde. Bei ähnlichen Bedingungen. Eine Zeitlang haben wir versucht, das Problem zu lösen, indem wir unwahrscheinliche Brechungen von LFO 1 und 2 eingestellt haben, wobei dann zwei, drei oder vielleicht auch vier Töne einer Skala gut klangen und zueinander passten, der Rest aber nicht. So kamen manche der Motive zustande. Der Geräuschanteil oder die Formantgestaltung bestimmten das Motiv mehr als die Tonhöhen. Alles, um von dreizehn auf zwölf zu kommen. Dadurch wurden dann aber auch langsamere Schwingungen berücksichtigt, die für spätere Entwicklungen unserer Musik interessant wurden. Am Ende hatten wir drei dieser ‚Frequenzschleudern‘ (Osti) und keiner wusste, wozu das gut war. Die haben wir dann auf Art der ''[[Survival Research Laboratories]]'', die Maschinen in Kuhhäute eingenäht und zur gegenseitigen Zerstörung gegeneinander gehetzt haben, aufeinander losgelassen.“''<ref>Kommentar vom 8. Juli 2018 zum ''Youtube''-Video für das Musikbeispiel.</ref>
  
 
== Musikbeispiele ==
 
== Musikbeispiele ==

Version vom 15. August 2019, 19:27 Uhr

Doepfer MS-404, rote Potentiometer
Die Doepfer MS-404, kurz: 404, ist ein monophoner Synthesizer, der 1994 als einer der zahlreichen zu etwa der Zeit erschienen midifähigen Roland TB-303-Klone auf den Markt gekommen ist und sich einer gewissen Beliebtheit erfreute. Bei Markteinführung kostete die 404 etwa 600 DM, die 303 dagegen ein vielfaches. Das Verhältnis hat sich bis heute nicht geändert. 2012 kostete der Expander etwa 200€ gebraucht.

Sound

Das 19" Rackinstrument ist sehr einfach ausgestattet und glänzt vor allem durch den LFO 1, der bis in die Mittenbereiche feineingestellt werden kann und damit Brechungen ermöglicht, die für andere Maschinen so kaum möglich sind. Der LFO 1 ist allerdings auch entsprechend schwer zu bedienen. Beide LFOs modulieren den VCO. Der Oszillator geht ein wenig in Richtung KORG, aber Oszillatoren auf diesem Gebiet klingen meistenfalls sehr ähnlich. So gesehen kann man sich eigentlich auch irgendeinen monophonen Synthesizer anschaffen, wenn nur die Spezifika der Filter und ihrer Anordnung Sympathie erregen und der Oszillator fett genug ist. Wie so oft ist das äußere Design der Maschine bereits ein wichtiger Anhaltspunkt für wie sie dann klingt. Hier verhindert wahrscheinlich das einfache Design, dass die Maschine je als Kultsynthesizer verhandelt wird – zu simpel und ein wenig lieblos. Der Oszillator wird auch für das legendäre Doepfer A-100 Modularsystem verwendet. Die 404 hat ein Audio-In, mit dem andere Instrumente anstelle des Oszillators tonangebend sein und anhand der Filter verändert werden können.

Trivia

Es gibt eine Auflage mit roten und eine mit gelben Potimarkierungen aus der Anfangszeit der Produktion sowie eine Sonderauflage in grünem Metall. Die Oktave ist auf etwa 1300 Cent verstimmmt, die Oktavreinheit also grundsätzlich nicht gegeben, deshalb sind größere Intervallabstände schwerer zu editieren. Mit einem kleinen Kreuzschlitzschraubenzieher lässt sich die 404 öffnen, wo dann Mikropotentiometer mit einem Minischlitzschraubenzieher vertunet werden können oder es wird die Funktionalität der LFOs mit kleinen Jumpern zwischen Rechteck und Sägezahn umgesteckt. Es wird empfohlen, das Gerät etwa 20 Minuten lang vorglühen zu lassen, bevor es verwendet wird – wenn die Maschine kalt ist, klingt sie womöglich ein wenig dünner.

Musiker, die die 404 verwenden

Hardfloor, Josh Wink, Tok Tok, ⌒(ゝ。∂ ٩(ˊ〇ˋ*)و, Atelier, General Elektro ... Die Berliner Band Flexi hat drei 404en. Die Trash-Archive von Müll Records, die am 1. Oktober 2019 erscheinen, bestehen zu 90% aus 404. 10 Prozent sind ok.

Mitzi "Yakuza" Mess in einem Kommentar bei Youtube: „Die 404 war über fast zwei Jahrzehnte eine tragische Maschine in unserer Hand. Sie hat die Musik und die Leistungen der anderen Synthesizer nachhaltig und langfristig immer wieder zunichte gemacht. Warum bloß wollten wir, wollte ich, dieser Maschine so lange aufs Neue eine Chance geben? Sie sozusagen retten vor dem jämmerlichen Zugrundegehen in die Archive unbedeutender Maschinen? Da fällt mir keine Antwort zu ein. Die 404 hat bis zu 80 % unserer Produktionen über die Jahrzehnte vernichtet. 80 mal 90 ... Die Alternative war bei Anschaffung die TB-303, die gebraucht das Dreieinhalbfache kosten sollte. Besser wäre es im Nachhinein gewesen, einen Kredit aufzunehmen. Ob sich das mit anderen Doepfer-Maschinen ähnlich verhält, kann ich nicht sagen, aber vermuten. Eine unfette, einfallslose, kalte und lieblose Maschine. Nach über zwei Jahrzehnten, wo ich versucht habe, der Maschine auf die unterschiedlichsten Arten und Weisen Leben einzuhauchen, habe ich sie vor Kurzem schließlich endlösungsmäßig zu den Akten gelegt und kalt entsorgt. Eine von vornherein tote Maschine. Die BassStation, die in etwa das Gleiche gekostet hat, dagegen war über die Jahrzehnte jeden Cent und die meisten Einsätze wert. Selbst, wo man schon wusste, woran es lag, dass der Oszillator zu dünn war und die Spreizung nicht stimmte und die Maschine insgesamt kalt und herzlos ist, selbst da hat man noch versucht, weiter damit umzugehen. Warum bloß? Sowas sollte es eigentlich auf dem Markt gar nicht geben und es erinnert mich ein bisschen an den 909-Clone von Jomox – die XBase, auch ein Berliner Unternehmen. Dünn, porös, holzig und dafür kann sie alles Mögliche, was keiner je ernsthaft einsetzen will. Warum machen die Leute solche Maschinen? Und das ist das Irre, das lässt sich nämlich für jeden, der es wissen will, locker nachvollziehen, wenn er einmal versucht, eine Bassline, die zum Beispiel mit dem KORG MS-10 ausgeführt wurde, nachzusingen und das gleiche bei der Ausführung durch eine 404. Das liegt auch schon im Grundklang begründet, betrifft also sehr einfache Motive. Es fällt einem weit weniger schwer, ein Bassline nachzusingen, die mit dem MS-10 zum Beispiel gemacht wurde, als eine Bassline, die von der 404 ausgeführt wurde. Bei ähnlichen Bedingungen. Eine Zeitlang haben wir versucht, das Problem zu lösen, indem wir unwahrscheinliche Brechungen von LFO 1 und 2 eingestellt haben, wobei dann zwei, drei oder vielleicht auch vier Töne einer Skala gut klangen und zueinander passten, der Rest aber nicht. So kamen manche der Motive zustande. Der Geräuschanteil oder die Formantgestaltung bestimmten das Motiv mehr als die Tonhöhen. Alles, um von dreizehn auf zwölf zu kommen. Dadurch wurden dann aber auch langsamere Schwingungen berücksichtigt, die für spätere Entwicklungen unserer Musik interessant wurden. Am Ende hatten wir drei dieser ‚Frequenzschleudern‘ (Osti) und keiner wusste, wozu das gut war. Die haben wir dann auf Art der Survival Research Laboratories, die Maschinen in Kuhhäute eingenäht und zur gegenseitigen Zerstörung gegeneinander gehetzt haben, aufeinander losgelassen.“[1]

Musikbeispiele

  • Synthetic Machines – MS-404 [1] Liebhabertrack nur mit Sounds der 404 bei Youtube und Anmerkungen zu den Features

Einzelnachweise

  1. Kommentar vom 8. Juli 2018 zum Youtube-Video für das Musikbeispiel.

Weblinks

  • Artikel Doepfer MS-404 [2] bei Vintagesynth
  • Artikel Doepfer MS-404 [3] bei Synthesizer Magazin amazona.de
  • MS-404 Monophoner Analog-Synthesizer [4] bei Doepfer
  • Umbau zu einem 2-oktavigen Keyboard mit Holzgehäuse [5] bei Synthproject.de