David Sylvian

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David Sylvian
Herkunft: Kent, Großbritannien
Geboren: 23. Februar 1958 (61 Jahre)
Aktiver Zeitraum: seit Anfang der 1970er
Genres: New Wave, Experimentelle Musik / Avantgarde, Art Rock
Instrumente: Gesang, Gitarre
Labels: Virgin Records, Samadhi Sound, Ariola
Bands:
Japan
Rain Tree Crow

David Sylvian (*1958 als David Alan Batt in Kent, Großbritannien) war Sänger und Songwriter der New-Wave-Band Japan, bevor er 1983 eine Solokarriere startete. Als Solomusiker und in Zusammenarbeiten gehört David Sylvian seitdem zu den beständigsten Vertretern einer reflektierten und immer wieder innovativen Auffassung avantgardistischer Populärer Musik auf der Grundlage von Jazz, Ambient und Art Rock mit Progressive-Formeln. 2012 ist Sylvian mit einem Projekt mit Stephan Mathieu mit instrumentalen Klangflächenkompositionen hervorgetreten.

Hintergrund

Beeinflusst war David Sylvian von Jugend an von Bands wie Can und Roxy Music sowie David Bowie. Von 1980 bis 2000 veröffentlichte er zunächst mit Japan und dann Solo bei Virgin Records.

Japan

Japan spielten bereits Anfang der 1970er Jahre zusammen, der Bandname entstand 1974. Bandmitglieder waren neben Sylvian Mick Karn (Bass, Gesang), Rob Dean (Gitarre), Richard Barbieri (Keyboards) und Stephen Jansen (Sylvians Bruder am Schlagzeug). Im Gegensatz zu vielen anderen Bands, die sich im Verlauf ihrer Karriere den Gegebenheiten der Musikindustrie mehr oder weniger anpassten und entsprechend eingängigere Alben veröffentlichten, gingen Japan den umgekehrten Weg und entwickelten sich von einer Glamrock- / New-Wave- zu einer Art-Rock-Band. 1978 erschien das erste Album, 1981 das letzte. Ghosts von 1982 wurde zum Hit und stellte für David Sylvian zugleich den musikalischen Wendepunkt dar – David Sylvian zur Bedeutung, die Ghosts für ihn hat:

„Auf welche Weise ich einem Song (im Original fr.: "chanson") näherkomme zählt weniger als die Idee, das heißt, die Dekonstruktion eines Arrangements. Ghosts funktioniert ganz sicher wie ein Prototyp: An diesem Punkt führen eine Idee und besonders auch ihre Ausführung wirklich zu Resultaten.“[1]

Ende des Jahres 1982 löste die Band sich auf. 1991 gab es eine kurze Wiederauflage von Japan ohne Rob Dean unter dem Namen Rain Tree Crow. Der vergleichsweise geringe Erfolg Japans wird zum Teil darauf zurückgeführt, dass die Band zu einer Zeit, zu der es Hip war, Englische Popmusik zu hören, gerade in Japan erfolgreich war, das zu dieser Zeit kaum eine Rolle für die internationale Popmusikszene spielte.

Solo

Bereits im folgenden Jahr erscheint Forbidden Colours. Sylvian trägt eine Gesangsspur zu Ryuichi Sakamotos Soundtrack für Nagisa Ōshimas Furyo – Merry Christmas, Mr. Lawrence mit David Bowie in der Hauptrolle:     David Sylvian – Forbidden Colours (1983) [10] bei Youtube.[2]    Das erste Album Brilliant Trees erscheint 1984 und erreicht Platz 4 der britischen Charts. Neben Musikern von Japan sind Holger Czukay, Ryuichi Sakamoto und Jon Hassell beteiligt. Zum Teil sehr ungewöhnliche Wendungen korrespondieren mit detailreicher Klanggestaltung: "I knew that I had to find my own voice, both figuratively and literally."[3] Die Digitalremaster von Brilliant Trees aus dem Jahr 2003 lassen die Hallräume fast komplett verschwinden, auch die Frequenzweiten werden auf einen Gesamtsound angepasst. Das Ergebnis ist lauter, die Instrumente klingen sehr viel präsenter, dafür aber weniger authentisch, die detailhafte Charakteristik der jeweiligen Sounds geht weitgehend verloren.

1985 erscheint mit Alchemy ein Instrumentalalbum, das stark von der damals so genannten Weltmusik beeinflusst ist, für Sylvian verbindet sich mit der Integration dessen, was bei der Wikipedia „Vierte-Welt-Klänge“ genannt wird[4], die Hoffnung, sich noch deutlicher vom Mainstream zu entfernen.[5] 1986 erscheint Gone to earth mit Songs und epischen Balladen“[6], in denen Robert Fripp ausgiebige Gitarrensoli unternimmt, 1987 Secrets of the Beehive mit Orpheus, das zu einem seiner bestverkauften Alben wird. Es folgen zwei Alben mit Holger Czukay (1988 / 1989), mehrere Soloalben und drei weitere Alben mit Robert Fripp in den 1990er Jahren.

No More Landmines und Blemish

2001 erscheint ein Projekt mit Ryuichi Sakamoto gegen den Einsatz von Landminen, bei dem viele internationale Musiker von Cindy Lauper bis hin zu Kraftwerk beteiligt sind, die das Soundlogo bzw. Audio Brand für das Projekt gestalten.[7] Auf seiner Webseite bezeichnet Sylvian Blemish von 2003 als sein stärkstes Album bis heute. Beteiligt sind Christian Fennesz und Derek Baily, das Album wird innerhalb von sechs Wochen aufgenommen und auf seinem ebenfalls in diesem Jahr neu gegründeten Label Samadhi Sound veröffentlicht:

Late Night Shopping (2003)

Die oft sehr langsam gehaltenen epischen Balladen mit vielen Instrumentalpassagen werden zwei Jahre später mit den Blemish Remixes von Ryōji Ikeda, Burnt Friedman, Readymade FC, Yoshihiro Hanno, Tatsuhiko Asano, Erik Honoré und Akira Rabelais geremixt.

Nine Horses und The Blemish-Remixes

2005 erscheint mit Snow Borne Sorrow unter dem Namen Nine Horses ein Album mit Burnt Friedman, Steve Jansen, Stina Nordenstam, Arve Henriksen und Ryuichi Sakamoto.[8] Im gleichen Jahr dann die Fortsetzung von Blemish unter dem Titel The Good Son vs. The Only Daughter – The Blemish Remixes mit Nils Petter Molvær und vielen anderen, geremixt von Ikeda, Friedman und weiteren.[9] 2007 erscheint Money for all als zweites Album der Nine Horses, 2009 Manofon unter Mitwirkung von Evan Parker, Keith Rowe, Fennesz, Sachiko M, Otomo Yoshihide, John Tilbury von AMM und anderen. Ebenfalls 2009 arbeitet Sylvian mit dem Postserialisten Dai Fujikura an einer Klanginstallation in Japan. 2012 veröffentlicht Sylvian zusammen mit Stephan Mathieu ein Album ausschließlich mit vokalfreien Klangkompositionen:

  •       Stephan Mathieu / David Sylvian – Saffron Laudanum (2012) [11] bei Youtube.

2014 erscheint das Album There's A Light That Enters Houses With No Other House In Sight mit dem amerikanischen Dichter Franz Wright und Christian Fennesz.

Musik

Die zum Teil virtuosen und sehr subtilen Ausarbeitungen der Klangebene, besonders in Sylvians lyrischen oder melancholischen Popsongs sind mit dafür verantwortlich, dass Sylvians Songs Konstruktionen aushalten, die bei anderen vielleicht scheitern würden. Oft ist die Keyboard-Programmierung in den Liner-Notes mit aufgeführt, die Soundgestaltung ist deutlich ergänzend an David Sylvians Vibrato und Timbre angelehnt: "In small ensembles, the improvisers create backdrops for the skeletal songs, and challenge the relationship between improvisation and composition, ensembles and lead voices, and intimacy and solitude."[10] Sylvians Musik strahlt zumeist eine gewisse Gelassenheit, gemischt mit existenzieller Traurigkeit, aus. Zugleich sind die Songs sehr sauber gemischt und werden von einer mondänen Leichtigkeit getragen, wie sie auch bei den Multiinstrumentalisten Tuxedomoon zu hören ist, auch der Gesang erinnert zuweilen an Blaine Reininger. Sylvians lange Gesangslinien sind oft alles andere als intuitiv, aber dennoch plausibel, auch King Crimson lassen sich durchweg assoziieren. Das Soundbild ist betont akustisch und präsent, nicht zuletzt aufgrund der sauberen Produktionen liegt Thomas Dolby bei den Popsongs ebenfalls nicht allzufern. Rhythmisch gerät Sylvian oft in funkige und geslappte Basslines, die Sounds dagegen orientieren sich gewöhnlich an tonalen, auch atonalen Schemata, sind also tendenziell weniger am Geräusch ausgerichtet, sondern legen ein elektroakustisches Skalenverhalten nahe, bei dem die Frage entstehen kann, woher es kommen könnte: "The details are what always interested me. And so I just began to spend more and more time on those details, until they came to the forefront of the material-textures and atmospherics. I began to elaborate on those more and more and push the rhythmic element a little bit further back."[11] David Sylvian ist über die gesamte musikalische Entwicklung hinweg immer wieder innovativ genug gewesen, um verhindern zu können, in der Riege der New-Wave-Stars ganz oben (neben David Bowie und Bryan Ferry) zu erscheinen. Viele Stücke zeichnen sich durch die Integration langer improvisierter Passagen aus, oft drifted Sylvian auch in einigermaßen langatmige und romantische Passagen ab.

Referenzbands und -acts, Kollaborationen

Stephan Mathieu, Evan Parker, Keith Rowe, Fennesz, Sachiko M, Otomo Yoshihide, John Tilbury, Derek Baily, King Crimson, Robert Fripp, David Bowie, Iggy Pop, Harold Budd, Can, Holger Czukay, Ryuichi Sakamoto, Jon Hassell, Russell Mills, Ingrid Chavez, Steve Jansen, Burnt Friedman, Stina Nordenstam, Nils Petter Molvær, Arve Henriksen, Sweet Billy Pilgrim, Jan Bang, Erik Honoré, David Toop, Harold Budd, Thomas Feiner, Arsushi Fukui, Dai Fujikura, Richard Chartier, Sylvain Chauveau, Ekkehard Ehlers, Keith Tippett, Mark Isham, John Taylor, Kenny Wheeler, Bill Nelson, David Torn, Ryōji Ikeda, Readymade FC, Yoshihiro Hanno, Tatsuhiko Asano, Erik Honoré und Akira Rabelais. Ähnliche: Bauhaus, Gary Numan, Tuxedomoon, Thomas Dolby, Echo and the Bunnymen, Roxy Music, Can, David Bowie.

Diskografie

  • Diskografie David Sylvian [12] bei Discogs
Mit Japan

Einzelnachweise

  1. Zitat zu Ghosts aus Frédéric Goaty – Interview im Jazz Magazine / Jazzman #607 (2009) [1] fr., bei David Sylvian
  2. 1987 veröffentlicht Mark Stewart ein Rework von Forbidden Colours: Mark Stewart – Forbidden Colour / Forbidden Dub (1987) [2] Sechstes Stück bei Deejay.de
  3. Homepage [3] bei David Sylvian
  4. Artikel David Sylvian [4] bei der de.wiki, eingesehen am 16. Juni 2014
  5. ebd.
  6. Chris Dahlen – Biography [5] bei David Sylvian
  7. N M L - Zero Landmine :: Various Artists: Yellow Magic Orchestra, Sugizo, David Sylvian, Sakamoto Ryuichi ... [6] bei Youtube
  8. David Sylvian & Nine Horses – Wonderful World (Burnt Friedman Remix) [7] zusammen mit Stina Nordenstam an den Vocals, bei Youtube
  9. Komplette Artists-Liste Blemish-Remixes (2005) [8] Credits bei allmusic
  10. Chris Dahlen – Biography [9] bei David Sylvian
  11. ebd.

Weblinks

  • Homepage [14] bei David Sylvian
  • Homepage Japan [15] bei Nightporter.co.uk
  • Autor unbekannt – Interview mit David Sylvian (2010) [16] bei David Sylvian

Links im Juni 2017.