Curtis Mayfield – Super Fly (O.S.T.)

Aus indiepedia.de
Super Fly
Veröffentlicht: 1972
Label & Vertrieb: Curtom Records
Albumlänge: 37:05
Genre: Soul, Funk
Formate: LP
Infos: imdb

Super Fly ist der Titel eines Soundtracks eines Blaxploitation-Films aus dem Jahr 1972. Curtis Mayfield besetzt zwar nicht die Hauptrolle, aber doch die am meisten beachtete Rolle des Sängers der nur in diesem Film so genannten Band The Curtis Mayfield Experience. Es handelt sich um einen der wenigen Soundtracks, die in der Filmmusikgeschichte bekannter wurden als der Film. Der Soundtrack ist wenig mehr als eine Zusammenstellung von Curtis-Mayfield-Stücken, die dem Film seine eigentümlichen subversiven Stimmungen verleiht.

Inhaltsverzeichnis

Veröffentlichungskontexte

Das Album zum Film erschien als sein drittes Studioalbum im Juli 1972 auf seinem eigenen Label Curtom Records. Es wurde ursprünglich als LP und 8-Track Cartridge veröffentlicht, dann als LP zunächst in Italien, Deutschland, Frankreich, Kanada und Großbritannien. 1997 wurde es zum 25. Jahrestag seiner Entstehung auf Rhino Records zusammen mit Demoversionen der Songs, Radiospots und einem Interview wiederveröffentlicht. 1999 erschien es erneut auf Rhino Records mit zwei zusätzlichen Bonustracks. 2001 erschien ein Reissue mit einigen Bonustracks auf Charly Records. Bei Erscheinen wurden dem Album von Managern der Schallplattenindustrie kaum Chancen auf signifikante Verkäufe vorausgesagt. Bald nach dem Erscheinen wurde es in den betreffenden Szenen und von Kritikern dagegen als Klassiker des 1970er Soul und Funk gehört, das Titelstück wurde zu einem Überraschungshit und zusammen mit Freddie's Dead mehr als zwei Millionen Mal verkauft. Zum Zeitpunkt der Entstehung befand sich Curtis Mayfield auf dem Höhepunkt seiner Anerkennung durch die Black Community in den USA.

Zur Musik

Bei der Bewertung der Musik und der von ihr zutage tretenden Stimmungen ist die Authentizität der Musik – seine Stücke waren fester Bestandteil des Civil rights movements – sicher eines der Hauptmerkmale. Musikalisch stellt es einen Meilenstein in der Annäherung zwischen Funk und Soul dar und zeichnet sich durch harte Arrangements und vordergründige Bässe aus.

Arrangement und Songwriting sind besonders ausgefeilt. Die Arrangements besorgte Johnny Pate, der bereits seit neun Jahren mit Curtis Mayfield zusammenarbeitete. Die Stücke sind in den Demoversionen offenbar weit rougher gemixt. Das weist darauf hin, dass der Einfluss von Pate an der Produktion maßgeblich war. Greg Boraman zum Demo von Pusherman:

Pusherman fällt dem Hörer anfangs nicht auf – bis quirlige Bläser ihre neuartigen Sätze in diesen Klassiker einbringen. Gerade bei dieser Version versteht man auf Anhieb, warum sie am Ende nicht veröffentlicht wurde, insbesondere wenn eine wilde, tönende Posaune versucht, Curtis beim Soloteil die Show zu stehlen.“[1][2]

Das Songwriting hatte Mayfield autodidaktisch erlernt. Mit den Impressions hatte er die mutmaßlich erste Soulsingle überhaupt veröffentlicht: For Your Precious Love (1958). Robert Christgau lobt Mayfields Songwriting, dies wohl vor allem in Bezug auf Freddie's Dead, das er an anderer Stelle als stilbildend bezeichnet.[3] Auch der Rahmen, Sig Shores Produktion eines Films, der zu den ersten eines Genres zählen sollte, kann in diesem Zusammenhang erwähnt werden. Der Dreh dürfte ausgesprochen authentisch verlaufen sein und den Fortgang des Projekts auf allen anderen Ebenen ebenso motiviert haben. Mit diesem Fast-Konzeptalbum war Curtis Mayfield „dem weit voraus, was langatmiger Prog-Rock in puncto Realismus zu bieten hatte“.[4]

  • Titelsong

Historische Einbettung

Der überraschende Erfolg sicherte Curtis Mayfield einige Nachfolgeaufträge für diverse Soundtracks in den 1970er Jahren. Er verfasste danach die Musik für sechs weitere Filme, die sich mit afro-amerikanischen Themen befassten.[5] Christian Hoard beschrieb das Album als Curtis Mayfields „kreativen Durchbruch“.[6]

Kritiken

Der Rolling Stone bewertet Super Fly mit fünf von fünf möglichen Sternen. John Bush von allmusic lobt die substanziellen Texte und den Sound als eine „Mischung aus tiefen, dunklen Grooves, der typischen Wah-Wah-Gitarre und messerscharfen Blechbläsern“[7] Über die Bedeutung des Albums schreibt er:

„Superfly brachte ein völlig neues Musikgenre hervor, den Blaxploitation-Soundtrack, und beeinflusste damit in den folgenden Jahrzehnten jeden vom Soulsänger bis zum Komponisten von Fernsehfilmen. Neben Saturday Night Fever und Never Mind The Bollocks ist er eines der markantesten Werke der Popmusik aus den 70er Jahren.“
John Bush – Super Fly Review[8]

2002 bekam Curtis Mayfield für sein Album fünf Sterne von Colin Larkin in der Virgin Encyclopedia of Popular Music.[9] Der Kabelfernsehsender VH1 listete das Album auf Nummer 63 der All Time Album Top 100. Das Stück Pusherman wird in der Rock and Roll Hall of Fame als einer der 500 Songs, die den Rock'n'Roll prägten, aufgeführt.[10] 2003 wurde das Album auf Nummer 69 der Rolling Stone–Liste der 500 bedeutendsten Alben aller Zeiten aufgeführt. 1972 und 73 befand sich das Album für mehrere Wochen auf Nummer 1 der Popalben und der Black Alben Charts in den USA. Freddie's Dead und Superfly schafften es in den gleichen Jahren in die Top Tens der betreffenden Charts.[11] Die Beastie Boys sampleten den Basslauf des Titelstücks.[12] Ein österreichischer Rundfunksender nennt sich seit 2008 Superfly.fm.[13]

Zum Film

Sig Shore hat mit dem Film einen der ersten Blaxploitation-Filme produziert. Regisseur war Gordon Parks Jr., Ron O'Neal spielte die Hauptrolle, einen kleinen Dealer, der der Drogenszene zu entkommen versucht. Der Film thematisiert das Leben der Coloured People in den Ghettos der USA in den 1970er Jahren, eine erste Fortsetzung Superfly T.N.T. erschien bereits im folgenden Jahr, der dritte Teil The Return of Superfly 1990. Der Soundtrack wurde auch im Film Dead Presidents (1995) von den Hughes-Brothers / Danny Elfman (Musik) ausgiebig gewürdigt.

Textauszug Titelstück

Abgefahren ... Du kommst schon noch zu Deinem Glück
Aber wenn Du verlierst, dann frag mich nicht warum
Dein einziges Spiel heißt: Friss oder stirb ...[14]

Trackliste

  • Little Child Runnin' Wild – 5:23 min.
  • Pusherman – 5:04 min.
  • Freddie's Dead – 5:27 min.
  • Junkie Chase (Instrumental) – 1:36 min.
  • Give me your love (Love Song) – 4:14 min.
  • Eddie You Should Know Better – 2:16 min.
  • No thing on Me (Cocaine Song) – 4:53 min.
  • Think (Instrumental) – 3:43 min.
  • Superfly – 3:55 min.

Besetzung

  • Curtis Mayfield – Komponist, Stimme, Gitarre, Koproduktion
  • Joseph Lucky Scott – Bass
  • Master Henry Gibson – Perkussion
  • Tyrone McCullen – Drums (auf Pusherman)
  • Morris Jennings – Drums (außer Pusherman)
  • Craig McMullen – Gitarre
  • Roger Anfinsen – Toningenieur
  • Johnny Pate – Arrangement
  • Glen Christensen – künstlerische Leitung
  • Milton Sincoff – Covergestaltung

Vergleichbare Soundtracks

Einzelnachweise

  1. Curtis Mayfield – Pusherman (1972) [1] alternate version ab min. 1:29 bei Youtube
  2. "Pusherman that initially doesn't strike the listener as different – until some meandering horns weave their previously unheard lines into this well known classic. In this particular version it's easy to understand how this version ended up unreleased, especially when a frantic, warbling trombone tries to steal the limelight from Curtis in the breakdown section", Greg Boraman für das BBC Music Magazine (2002) [2]
  3. „Wenn ihm das Thema von außen auferlegt wird, macht Mayfield das Schreiben mehr Mühe, als bei Stücken, die er in seinem Kopf frei erarbeitet, beispielsweise das stilbildende Freddie's Dead, in: ebd., Greg Boraman
  4. "... streets ahead of what noodling prog-rock was offering up in terms of realism", ebd., BBC Music Magazine
  5. 1990 komponierte Curtis Mayfield den Soundtrack für The Return of Superfly.
  6. Christian Hoard: Review: Super Fly, Rolling Stone: 523–524, 2. November 2004.
  7. "... melange of deep, dark grooves, trademarked wah-wah guitar, and stinging brass", in: John Bush – Review Super Fly [3] bei allmusic
  8. "Superfly ignited an entire genre of music, the blaxploitation soundtrack, and influenced everyone from soul singers to television-music composers for decades to come. It stands alongside Saturday Night Fever and Never Mind The Bollocks as one of the most vivid touchstones of '70s pop music.", ebd.
  9. Colin Larkin: Review: Super Fly, Virgin Encyclopedia of Popular Music: 1. März 2002.
  10. 500 Songs That Shaped Rock and Roll in der Rock and Roll Hall of Fame
  11. Billboard Listen [4]
  12. Beastie Boys: Egg Man, Paul's Boutique [5]
  13. Superfly.fm [6]
  14. Übersetzung des Refrains vom Titelstück Superfly

Weblinks

  • Homepage [7]
  • Super Fly [8] bei Discogs
  • From Super Fly to Super Star — Monroe Anderson in der Zeitschrift Ebony verwechselt wie so viele die Kopfstimme von Curtis Mayfield mit einem Falsett (Gesang mit zum Teil absichtlich falschen Obertönen wie er besonders im Umfeld der Surfmusik oft zu finden ist) [9]
  • 100 Best Movie Soundtracks: Super Fly at Entertainment Weekly – die Songs: „(sind) ebenso freudvoll wie herzzerreißend, da sie auf die Verflechtungen menschlicher Erfahrungen verweisen.“ (... joyful and heartbroken at the same time, suggesting the complexities of the human experience.) [10]
  • Robert Christgau – Kurzes Rolling Stone-Review zur 25 Jahr-Ausgabe [11]
  • Superseventies.com [12]
  • Allmusic zu Super Fly [13]

Links zuletzt am 25. Dezember 2013 überprüft.

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