Courtney Love

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Courtney Love
Courtney Love
Courtney Love
Herkunft: Los Angeles, Kalifornien
Geboren: 9. Juli 1964 (55 Jahre)
Aktiver Zeitraum: seit 1981
Genres: Riot Grrrl, Alternative Rock, Grunge
Instrumente: Gesang, Gitarre, Bass, Tasteninstrumente
Labels: Sympathy for the Record Industry, Sub Pop, Caroline, Geffen, City Slang, Universal, Virgin, Mercury
Homepage: Fanseite
Bands:
Sugar Babydoll
Faith No More
Pagan Babies
Babes in Toyland
Hole

Courtney Love ist wohl eine der kontroverstesten Persönlichkeiten der jüngeren Rockgeschichte. Als Mitinitiatorin der Riot Grrrl-Bewegung mit den frühen Babes in Toyland sowie seit 1989 mit ihrer eigenen Band Hole sorgte sie für musikalische, durch ihre stürmische Ehe mit Nirvana-Frontmann und Generation X-Idol Kurt Cobain, mit dem sie eine Tochter bekam und für dessen Tod 1994 die Musikerin von einigen Cobain-Hardcorefans und Verschwörungstheoretikern teilweise heute noch verantwortlich gemacht wird, für noch mehr Boulevard-Schlagzeilen. Auch als Schauspielerin konnte Courtney Love Erfolge feiern (u.a. in "The People vs. Larry Flynt") und hat mit "American Sweetheart" 2004 auch ein Soloalbum veröffentlicht.

Biographie

Kindheit und Jugend (19641981)

Es gibt wohl kaum eine Performerin aus dem Großraum Rock'n'Roll, die seit nunmehr zwei Jahrzehnten derart gleichermaßen gespaltene wie heftige Reaktionen hervorruft wie Courtney Love. Ob als dauerprovokante und sich äußerst selbtbewusst gebende Frontfrau der wegweisenden Riot Grrrl-Band Hole oder als – neben Yoko Ono – von bestimmten Kreisen meistgehasste "Schwarze Witwe" des Rock, die als Courtney Michelle Harrison geborene ehemalige Stripperin versteht es seit Jahrzehnten im Gespräch zu bleiben. Das Musikerdasein wurde ihr dabei fast schon in die Wiege gelegt, denn ihr Vater Hank Harrison war in den Sechzigerjahren als Tourmanager in der Musikszene von San Francisco unterwegs, und so wurde seine damals fünfjährige Tochter 1969 auch auf dem Backcover des Albums "Aoxomoxoa" der Über-Hippies Grateful Dead verewigt. (Angeblich soll Harrison seiner Tochter auch schon im Alter von drei Jahren LSD verabreicht haben, was sich aber nicht belegen ließ.) Anfang der Siebziger ließen sich Courtneys Eltern scheiden, was aus dem bis dato weniger auffälligen Mädchen einen extrem auffälligen Teenager werden ließ, der nach der Trennung der Eltern in zahlreichen Pflegeheimen und -familien aufwuchs und öfter mit der Polizei in Konflikt kam. Mit 16 Jahren zog Courtney nach Portland und arbeitete als exotische Tänzerin und Stripperin, gleichzeitig begann sie sich in der Musikszene zu betätigen. Während eines längeren England-Aufenthalts schloss sie Bekanntschaft mit u.a. Julian Cope (The Teardrop Explodes) und Ian McCulloch (Echo and the Bunnymen). 1982 schließlich kehrte sie in die Staaten zurück und begann ihre künstlerische Karriere ernsthaft in Angriff zu nehmen.

Erste Bands (19811989)

Die erste Station dabei war eine bereits 1981 gegründete All-Girl-Band namens Sugar Babydoll, die sich aber bereits 1982 fürs erste wieder auflöste, als Love nach San Francisco zog. Dort trat sie ausgerechnet den erst kurz zuvor gegründeten späteren Crossover-Übervätern Faith No More als Sängerin bei, was jedoch nur kurze Zeit währte. Als Love 1983 wieder nach Portland zurückkehrte, traf sie auf die Gitarristin Kat Bjelland und die Bassistin Jennifer Finch und reaktivierte mit diesen Sugar Babydoll. Die Band spielte einige Male live und schrieb auch Songs, die jedoch nie veröffentlicht wurden. Aufgrund von Loves zunehmender Drogentrips lösten sich die Sugar Babydoll 1985 auf, doch formierten Love und Bjelland unmittelbar danach die Pagan Babies, die es immerhin auf ein selbst produziertes Demotape brachten. Musikalisch waren die bisherigen Anstrengungen eher im Punk- und Noise-Bereich anzusiedeln, wovon Love aber Abstand gewinnen wollte und Ende 1985 die Band wieder verließ. Einmal noch taten sich Bjelland und Love zusammen, als Courtney für einen kurzen Zeitraum Bassistin in Bjellands Band Babes in Toyland wurde, doch letztlich war ihr aufgrund der übrlichen Drogen- und Persönlichkeitsprobleme auch hier kein dauerhafter Aufenthalt beschieden. Nach diversen Stationen an verschiedenen Orten in den USA – von Minneapolis über San Francisco und Los Angeles bis nach New York, wo Love unter anderem kleine Filmrollen in Werken von Alex Cox ("Sid und Nancy" von 1986) spielte – landete die desillusionierte Courtney Love schließlich in Alaska, wo sie wieder als Stripperin arbeitete.

Gründung von Hole und Beziehung zu Kurt Cobain (19891994)

1989 bestieg Courtney Love einen Greyhound-Bus nach Los Angeles, begann Gitarre zu lernen und suchte schließlich via Anzeige nach Mitgliedern für ihre neu zu gründende Band. Es meldete sich unter anderem Gitarrist Eric Erlandson, und mit zwei weiteren Mitstreiterinnen waren Hole geboren. Anfang 1990 veröffentlichte die von No Wave, Big Black, Butthole Surfers und Fleetwood Mac (!) beeinflusste Band ihre Debütsingle "Retard Girl", 1991 gefolgt vom Debütlongplayer "Pretty on the Inside", den Kim Gordon von Sonic Youth produziert hatte und der bereits für Aufsehen in der alternativen Musikszene sorgen konnte. Darüber hinaus ermöglichte Courtney Loves gestiegener Bekanntheitsgrad auch die Bekanntschaft mit dem Sänger und Songwriter Kurt Cobain aus Seattle, dessen Band Nirvana ebenfalls 1991 ein Album namens "Nevermind" veröffentlichte. Just als besagte Platte durch die Decke ging, Grunge zum globalen Medienphänomen und Cobain zum Jesus der Generation X machte, wurden Love und Cobain ein Paar. Die beiden heirateten 1992 und bekamen im selben Jahr auch eine Tochter namens Frances Bean.

Fortan waren Kurt Cobain und Courtney Love das Skandal-Punkrock-Pärchen der Neunziger, zumal beide auch nach der Geburt ihres Kindes keinerlei Anstalten machten, Abstand von Drogen oder sonstigen Rock'n'Roll-Lastern zu nehmen, und insbesondere Love wurde von der "Hardcore-Cobain-Fraktion" der Nirvana-Fans als Hassobjekt ausgemacht. Das hinderte die Hole-Frontfrau jedoch nicht daran, sich weiter über Sexismus im Rock-Business sowie zahlreiche Kolleginnen zu ereifern, wobei die Musikerin stets recht offenherzig für sich in Anspruch nahm, die Vorreiterin der mittlerweile breiter rezipierten Riot Grrrl-Bewegung zu sein. Ihre ehemaligen Mitstreiterinnen Kat Bjelland und Jennifer Finch hatten nämlich inzwischen mit Babes in Toyland bzw. L7 ebenfalls recht erfolgreiche All-Girl-Rotzrock-Combos am Start, doch statt Einigkeit im gemeinsamen Anliegen zu finden, gab sich Love unversöhnlich, was die anderen Bands gleichermaßen beantworteten. Gleichwohl schrieb Kurt Cobain, der Love als "the best fuck I've ever had" lobte, den Song Heart Shaped Box über seine Ehefrau und gab sich auch sonst stets loyal ihr gegenüber.

Erfolg mit Hole und Auflösung der Band (19942002)

Im April 1994 erschien das zweite Hole-Album "Live Through This", dessen Titel tragische Bedeutung für Courtney Love annehmen sollte, denn vier Tage vor der Veröffentlichung der Platte hatte sich Kurt Cobain am 5. April in seiner Garage in Seattle den Kopf mit einer Schrotflinte weggeschossen. In der geschockten Rockwelt begann die Gerüchteküche zu brodeln, da es Unklarheiten über den Tod des Musikers gegeben hatte, und sehr schnell kamen Theorien auf, nach denen Courtney Love ihren Ehemann erschossen habe, weil er sich von ihr habe trennen wollen. Ein später erschienener Dokumentarfilm namens "Kurt und Courtney" versuchte diese Thesen zu untermauern, doch offiziell wird nach wie vor von Selbstmord ausgegangen. Courtney Love blieb als Witwe mit ihrer zweijährigen Tochter zurück und musste zu allem Überfluss zwei Monate später auch noch den Drogentod der Hole-Bassistin Kristen Pfaff hinnehmen (für die anstehende Tour sprang Melissa Auf Der Maur ein, die danach festes Bandmitglied wurde). Als schwacher Trost wurde "Live Through This" zu einem äußerst erfolgreichen und von der Kritik gefeierten Album, doch bei den Livekonzerten zeigte sich, wie erschüttert und verzweifelt Love offenbar war. Sie fing Streit mit Bandmitgliedern und dem Publikum an, zerstörte ihre Gitarren und brach in Schreianfälle und Weinkrämpfe aus, und teilweise warfen die "Mord-Theorie"-Anhänger gar Schrotpatronen auf die Bühne.

1996 legten Hole eine Pause ein, während der Courtney Love sich wieder mehr auf die Schauspielerei konzentrierte, und insbesondere mit dem Porträt der Ehefrau des Porno-Zaren Larry Flint in "The People vs. Larry Flint" konnte sie sehr positive Reaktionen ernten. 1997 erschien die Hole-Compilation "My Body, the Hand Grenade" mit einem Rückblick auf das bisherige Schaffen der Band, gefolgt 1998 vom dritten Studioalbum "Celebrity Skin", das die vormals oft sehr krachige und wüste Band nebst Sängerin in einer zugänglicheren Form zeigte und erneut ein großer Verkaufserfolg wurde. Die Spannungen in der Band wurden jedoch unter anderem wegen des zunehmend egozentrischen bis egomanischen Verhaltens von Love immer stärker, bis die Sängerin im Jahr 2002 Hole für aufgelöst erklärte.

Solokarriere, persönliche Dramen und Hole-Reunion (seit 2002)

In den weiteren 2000ern machte Courtney Love vor allem durch ihre Rechtsstreitigkeiten von sich reden, die vor allem mit Drogenvergehen zu tun hatten und insbesondere nach dem Release ihres Solodebüts "America's Sweetheart" nahezu täglich für Schlagzeilen sorgten. Am schwersten wog dabei wohl die Entscheidung eines Gerichts, Love nach einer Überdosis des Schmerzmittels Oxycodon das Sorgerecht für ihre Tochter Frances zu entziehen, die fortan bei ihrer Großmutter lebte. Zwar erlangte Love das Sorgerecht Anfang 2005 wieder, verlor es 2009 jedoch endgültig. Das Anfang 2004 erschienene "America's Sweetheart" hatte Love zusammen mit der ehemaligen 4 Non Blondes-Sängerin Linda Perry zusammen geschrieben; jedoch stieß das Album auf geteilte Reaktionen, da einige Kritiker beispielsweise anmerkten, man höre ihm an, dass es unter Drogen aufgenommen worden sei (was Love später bestätigte und "America's Sweetheart" als "diese Scheißplatte" bezeichnete). 2005 begann Love mit den Aufnahmen für ihre zweite Solo-LP, wobei ihr neben Perry auch ihr alter Freund Billy Corgan zur Seite stand, der bereits "Celebrity Skin" produziert hatte. Allerdings zog sich der Veröffentlichungsprozess der "Nobody's Daughter" betitelten Platte deutlich in die Länge, gipfelte aber in einer Überraschung: Am 17. Juni 2009 gab Courtney Love die Wiedervereinigung von Hole bekannt, und die LP erschien folglich auch als nunmehr vierte Studioplatte der Band. Allerdings war von den ehemaligen Bandmitgliedern außer Love niemand mehr im Lineup, und insbesondere zwischen dem ehemaligen Gitarristen Eric Erlandson und Love kam es zu via Twitter ausgetauschten Auseinandersetzungen, welche die Sängerin allerdings mit den Worten "he's out of his mind, Hole is my band, my name, and my Trademark" abkanzelte. "Nobody's Daughter", dessen textliche Seite vor allem die vergangenen Jahre der Drogen- und Gerichtsdramen reflektierte und das musikalisch deutlich sanftere, Folk-lastige Töne anschlug, wurde ein mittlerer Erfolg, die Single Skinny Little Bitch wurde allerdings häufig im Radio gespielt.

2006 hat Courtney Love eine Zusammenstellung von Skizzen, Tagebucheinträgen, Gedichten und Fotos mit dem passenden Titel "Dirty Blonde: The Memoirs of Courtney Love" in Buchform veröffentlicht. Außerdem schrieb sie Stories für die japanische Manga-Serie "Princess Ai". die teilweise auf dem Leben der Künstlerin beruht.

Solo-Diskographie

Referenzkünstler

Weblinks