Boo Williams

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Boo Williams
Herkunft: Chicago, USA
Geboren: 20. Juli 1967 (52 Jahre)
Aktiver Zeitraum: seit 1981
Genres: Chicago House, Deep House, Minimal Techno
Instrumente: Roland TR-909, Roland SH-101 und Roland SH-202, Stringsynthesizer, Sampler
Bands:
Reckless Abandonment
The Soul Survivors
Strictly Jaz Unit

Willie Griffin aka Boo Williams ist House-Musiker und DJ in Chicago und in der dortigen Szene seit 1981 aktiv. Bis in die 90er Jahre war er ausschließlich DJ, dann fing er an, Tracks in der Art von DJ-Tools auf 12"s zu veröffentlichen. Seine Musik hat sich stilistisch in 30 Jahren kaum verändert. Seit 1993 macht er auch Remixe. Er fand Eingang in die Chicagoer Houseszene durch Glenn Underground[1] und gilt heute als „lebende Legende und Chicagoer Urgestein“ (so die De:Bug in einem Review zu Ultrasessions 1).[2]

Aliase

Boo Williams (B. Williams, B Williams) arbeitete auch unter den Pseudonymen Mandrake, Moon Man, Quik Blend Boo, Willie Snickers und unter seinem bürgerlichen Namen Willie Griffin, außerdem gab es Veröffentlichungen mit Reckless Abandonment, den Soul Survivors und Strictly Jaz Unit. Mitte März 2012 erschien Fruits of the Spirit als Auskopplung oder Reissue auf der Compilation Soul Mates, 2012 erschien ein Reissue auf P&D Records (Anger / Flashback).[3]

Historischer Kontext

Boo Williams [...] war einer der Protagonisten der zweiten Welle von Chicago-House, die sich von Curtis Jones’ Label Cajual ausgehend ab 1994 mächtig auftürmte. Jones, auch als Cajmere und Green Velvet bekannt, gründete 1993 für den neuen Sound der Stadt das Label Relief. Leute wie Gemini, DJ Sneak, Joe Lewis, Paul Johnson oder eben der Macher selbst als Green Velvet veröffentlichten dort mit hoher Frequenz ungehobelt bouncende und hyperaktive Chicago-Jacktracks der neuen Art. Auf einer Vielzahl der Platten fanden sich immer wieder hochinteressante Zwischentöne. Gespickt mit diesen ist die Boo Williams-LP 'Home Town Chicago' aus dem Jahr 1994, die nun auf Anotherday wiederveröffentlicht worden ist – aus welchem Grund auch immer mit verändertem Cover. Sie fängt den Sound dieser Zeit ein wie kaum eine andere Platte auf Relief. Tight geschnittene, knappe Samples, Soul-Sprengsel, vehement ratternde Snares, den Puls in die Höhe treibende Hihats, brutale Kickdrums und unzählige Verschiebungen in den Arrangements bestimmen die Szenerie dieser acht ruppigen Tracks, die, was ihre Durchschlagskraft betrifft, in jenen Tagen gewissermaßen das Chicago-House-Pendant zu den HipHop-Beats eines Pete Rock waren. 'Home Town Chicago' hat nichts von seinem Reiz eingebüßt. Gerade im Rückblick begeistert der frühe Boo Williams auf diesem Album mit vielen kleinen Details.“

Holger Klein in der Groove[4]

Musik

Chicago House ist ausgesprochen afrozentrische und zugleich monodische drumorientierte Musik, betont repetitiv bis hin zu Veröffentlichungen von reinen DJ-Tools, die einen Großteil der Produktion ausmachen. Dementsprechend viele Whitelabels sind auf dem Markt zu finden. Bei Boo Williams steht stärker noch als das Mischpult die Roland TR-909 im Mittelpunkt, darauf weisen die vielen Midi-Wendungen der zumeist per Preset stark geshuffelten (rhythmisch synkopierten) 909 hin, die 909 bekommt die Midiclock wahrscheinlich von einem Atari, die Tempi sind immer sehr "tight", der Atari (mit eingebautem Midiport) ist für seine strikte Midiclock bekannt und auch heute noch vielen Mac-Anwendungen voraus. Viele Stücke funktionieren deshalb vielleicht auch im Technokontext. Ein großer Teil von Boo Williams Tracks sind an die Machart von Wild Pitch-Tracks à la DJ Pierre angelehnt, es kommen also nach und nach immer mehr Instrumente dazu und über die Länge einer Maxiseite soll auf dem Dancefloor der Eindruck eines langsamen Abhebens entstehen.[5][6]

Der Bassbereich ist wie für die Zeit üblich mit der Bassdrum der 909, die ab und zu von fragmentierten Bassmotiven ergänzt wird, anstelle eines Basslaufs ausgefüllt. Knapp gecuttete Vokalsamples ergänzen manchmal die Beats. Den Hintergrund bilden einfache und poröse Stringteppiche, die kürzeren Sounds sind bis auf Ausnahmen und die wenigen vollständigen (Roland SH-101/202)-Sequenzen perkussiv designt, besonders wenn sie vom Sampler kommen (die Roland SHs eignen sich nicht so sehr für eine vielfältige und differenzierte Bearbeitung von Sounds mit den für Perkussion typischen Geräuschanteilen). Die Motive sind zwar oft nur Fragmente, aber dennoch zumeist intuitiv und aufs Dauertanzen ausgelegt, das ist ein Hinweis auf ihre Funktion als DJ-Tool. Die Harmoniespektren der Obertonreihen werden durch die Tendenz Rhythmus beim Setzen der Pads für die Motive oft ein wenig clusterhafter oder disharmonischer ausgestaltet, die Toleranzschwelle in punkto Geräuschanteil ist da eine andere, dass wahrscheinlich auch das Alesis QuadraVerb eingesetzt wurde (einige Effekte deuten gar auf das Microverb) bestätigt diese Vermutung. Der Umgang mit den Effekten ist livenah und wie von ungefähr vielfach als Ausführung von Phaser- oder Flangerbewegungen gestaltet, die die kaum variierten Loops über die Strecke bringen.

Musikbeispiel

Diskografie

EPs und Maxis [7] bei Discogs

Siehe auch

Elektronische Tanzmusik, Juke, House.

Einzelnachweise

  1. So der Text für das Discogs-Profil von Boo Williams [1] bei Discogs
  2. Reviews zu Boo Williams Platten [2] bei der De:Bug
  3. Profil [3] bei Juno Records
  4. Holger Klein (2012) – Review zu Hometown Chicago [4] bei der Groove
  5. Finn Johanssen (2009): DJ Pierre – Muzik [5] bei der De:Bug
  6. "Wild Pitch I Think I Love You" [6] bei Discogs

Weblinks

Links im Juli 2017.